Dienstag, 13. September 2005

Mordalarm in Wien-Ottakring: 85-Jährige stranguliert aufgefunden - Polizei ermittelt

  • Juweliergeschäft des weiblichen Opfers stand offen
  • Zusammenhang mit Überfall auf Ehepaar in Liesing?

Ein brutaler Raubmord hat sich in der Nacht auf Dienstag in Wien-Ottakring ereignet: Eine 85-jährige Juwelierin, die ein Geschäft am Schuhmeierplatz 15 betrieben hat, ist offenbar gefesselt und stranguliert worden. Elisabeth S. wurde in der Früh gefunden, nachdem eine Angestellte die Polizei alarmiert hatte. Ein Zusammenhang mit dem brutalen Überfall auf ein Ehepaar in Liesing ist für die Polizei denkbar.

Eine Angestellte des Mordopfers in Ottakring war am Dienstag wie üblich gegen 9.00 Uhr in das Geschäft gekommen. Als sie dort ihre Chefin nicht antraf, wurde sie stutzig: Die Hintertür war nicht richtig verriegelt und das Geschäft augenscheinlich durchsucht worden. Sofort alarmierte die Frau die Polizei, die gegen 9.15 Uhr die in der nur wenige Meter entfernten Dachwohnung des Opfers am Schuhmeierplatz 17 Nachschau hielten.

Dort fanden die Polizisten die Leiche. Wie der Leiter der Kriminaldirektion 1, Dr. Ernst Geiger, erklärte, lag die Frau voll angezogen in ihrem mit Gerümpel und alten Zeitungen vollgeräumten Wohnraum am Boden. Um den Hals hatte sie ein Tuch und Klebebänder gewickelt, an den Händen fanden die Ermittler Fesselungsspuren, die möglicherweise ebenfalls von Klebebändern herrühren könnten.

Die genaue Todesursache war am Dienstagnachmittag noch nicht geklärt, angenommen wird aber ein Tod durch Ersticken oder Erdrosseln. Laut Polizei dürfte sich das Verbrechen im Laufe der Nacht ereignet haben. Zuletzt wurde die Frau am Montag gegen 20.30 Uhr lebend gesehen.

Was und wie viel aus dem alten Juweliergeschäft gestohlen wurde, war am Dienstag noch Gegenstand von Ermittlungen. Auch auf den oder die Täter gab es laut Geiger zunächst keine Hinweise. Die Frau hatte das Geschäft trotz ihres hohen Alters täglich geöffnet und hielt sich oft von 8.00 bis 20.00 Uhr in dem Lokal auf. Schon mehrmals war sie überfallen worden, berichtete ein Hauswart.

Als die Kriminalisten die Wohnung öffneten, stießen sie auch auf das Haustier von Elisabeth S.: Der Yorkshire-Terrier lag auf dem Sofa und schlief, als die Ermittler die Räumlichkeiten betraten. Er wurde in das Tierheim gebracht.

Ehepaar in Liesing in Keller gesperrt
Ebenfalls mit Klebebändern gefesselt und anschließend in den Keller gesperrt hatten drei maskierte und bewaffnete Männer ein älteres Ehepaar im 23. Bezirk. Zuvor wurde der 73-jährige Hausbesitzer mit vorgehaltener Waffe gezwungen, den Tresor zu öffnen. Die Täter räumten den Safe mit dem Familienschmuck im Wert von mehreren 100.000 Euro aus.

Nach rund 15 Minuten konnte sich das Ehepaar befreien, kletterte aus dem Kellerfenster ins Freie und verständigte die Polizei. Der 73-Jährige und seine zehn Jahre jüngere Frau blieben unverletzt.

Die Kriminalisten untersuchten zunächst mögliche Parallelen zwischen den beiden Gewalttaten und einem weiteren Überfall in Graz in der Nacht auf Montag. Dienstagnachmittag galt letzteres als "eher unwahrscheinlich", wie Major Gerhard Winkler von der Kriminaldirektion 1 zur APA sagte. Er sah auch "überhaupt keinen Zusammenhang" zwischen den Fällen in Ottakring und Liesing.(apa/red)

13.9.2005 10:55