Montag, 12. September 2005

Erster Eignungstest an Uni durchgeführt: Angehende Studenten stellten sich Prüfung

  • Premiere auf veterinärmedizinischer Universität
  • Studenten: "Viel Aufregung um fast gar nichts"

Erstmals mussten sich angehende Studenten einem Eignungstest für die Aufnahme an einer österreichischen Universität stellen. "Keine Panik, keinen Stress", versuchte Vize-Rektor Wolfgang Künzel beim Aufnahmetest der Veterinärmedizinischen Universität Wien (VUW) die etwa 30 sichtlich nervösen Bewerber (ausschließlich Frauen) zu beruhigen. Nach Klärung der Identität wurden die Mädchen mit der Aufforderung "bitte kreuzen Sie die Antwort an, die Ihren Einstellungen und Wahrnehmungen am nächsten kommt" auf den Start-Bildschirmen der Computer begrüßt, auf denen sie den Test absolvieren mussten.

Der Eignungstest ist der dritte Teil eines vierstufigen Bewerbungsverfahrens. Zuerst wurde auf Grund formaler Mängel in den Bewerbungs- und Motivationsschreiben aussortiert, als nächstes zählten die schulischen Leistungen in bestimmten Fächern, dann wurde eine im Vorhinein bestimmte Anzahl an Bewerbern zum Eignungstest gebeten. Für die drei Stufen wurden separat Punkte vergeben. Wer insgesamt über 70 Prozent der Punkte erreicht, darf studieren. Sollten dann noch Plätze frei sein, werden die nächstbesten Bewerber zu persönlichen Gesprächen gebeten, die am kommenden Montag stattfinden werden.

Die Ersten, die die Eignungstest absolvieren müssten, waren etwa 50 Bewerberinnen für die Studienrichtung Pferdewissenschaften, die an der VUW seit drei Jahren existiert. 60 Fragen waren zu beantworten, 30 Minuten Zeit gab es dafür. Als Vizerektor Künzel das verkündet hatte, ging noch nervöses Gemurmel durch die wartenden Bewerberinnen. "Das ist ja nur eine halbe Minute je Frage...", rechnete eine Bewerberin besorgt nach. Nach dem Test sorgte sich darüber aber niemand mehr: Schon nach etwa fünf Minuten waren die Ersten fertig - sichtlich erleichtert. Nach 15 Minuten war die Prozedur für alle abgeschlossen. Jede Bewerberin bekam direkt nach dem Test die erreichte Punktezahl angezeigt - 32 Punkte waren möglich. Viele hatten etwa zwanzig erreicht, wie sie im Anschluss an den Test gegenüber der APA erklärten.

"Viel Aufregung um fast gar nichts"
"Es waren eigentlich nur Charakterfragen", sagte Bianca Fink. Die Maturantin aus Lustenau in Vorarlberg möchte ab Oktober Pferdewissenschaften studieren. Gefragt wurde etwa, was man vom Studium erwarte, wie viel Zeit man bereit sei, für das Studium zu investieren und welche finanziellen Erwartungen man an einen Job nach dem Studium habe. "Also eigentlich viel Aufregung um fast gar nichts", sagt sie. Nur dass sie für die vergangenen 15 Minuten extra aus Vorarlberg habe anreisen müssen, störte sie etwas.

Ihre Kolleginnen sahen das ähnlich. "War halb so wild", sagte eine der vielen deutschen Bewerberinnen. So genannte Numerus-Clausus-Flüchtlinge gibt es bei der Studienrichtung Pferdewissenschaften allerdings keine. Dieses Studium wird in Deutschland gar nicht angeboten.

Geändert hat sich also gar nicht so viel, erklärte auch VUW-Rektor Wolf-Dietrich Von Fircks. "Die Eignungstests bringen für alle Beteiligten nur Vorteile." Schon bisher seien alle Bewerber zu einem Gespräch eingeladen und manchen ans Herz gelegt worden, die Entscheidung zum Studium noch einmal zu überdenken. Während der Studieneingangsphase lag die Drop-Out-Rate bei ungefähr zwei Dritteln - also alles beim Alten. "Nur, dass nun niemand mehr ein Semester oder ein Jahr verschenkt", sagte Von Fircks.

Vorbildung oder Fachwissen nicht notwendig
Bei der Entwicklung der Tests habe man vor allem Motivation und Soft-Skills fokussiert. Vorbildung oder Fachwissen war nicht notwendig. "So sind die Zugangsbeschränkungen auch einfache Motivationshürden", sagte Von Fircks. Er glaubt, dass er im Endeffekt nur wenige Bewerber abweisen müssen wird. "Nur wer wirklich studieren will, verfasst ein korrektes Motivationsschreiben und stellt sich dem Eignungstest." Deshalb stehen die Chancen für die fünfzig Bewerberinnen für die Pferdewissenschaften, die den heutigen Eignungstest absolviert haben, sehr gut. Das sagte man den Studentinnen in spe aber natürlich erst nach dem Test. "Für fünfzig Studienplätze wurden siebzig Bewerber zum Eignungstest eingeladen", erklärte Vizerektor Künzel den Mädchen nach dem Eignungstest. Etwa zwanzig davon sind nicht erschienen. "Denen fehlen nun natürlich alle Punkte, die sie beim Test erreichen hätten können", rechnete Künzel vor. Für die meisten Bewerberinnen war die Hürde also nur formal.

Montagnachmittag und am Dienstag mussten sich die restlichen der insgesamt 500 Kandidaten dem Eignungstest stellen, die sich um die 283 Anfänger-Studienplätze beworben haben. (apa/red)

12.9.2005 14:28