Montag, 12. September 2005

Vier Kandidaten für Ambrozy-Nachfolge: Kärntner SPÖ stellt Weichen für Parteitag

  • Schaunig, Rohr, Mock und Markut stehen zur Wahl
  • Entscheidung über Parteivorsitz fällt am 29. Oktober

Vier ranghohe SPÖ-Funktionäre werden sich auf einem Sonderparteitag am 29. Oktober in Klagenfurt um die Nachfolge Peter Ambrozys als Landesparteichef bewerben. Den 547 Delegierten stellen sich die Landesräte Gaby Schaunig und Reinhart Rohr, Klubobmann Karl Markut sowie der St. Veiter Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Gerhard Mock. Der künftige SPÖ-Vorsitzende wird von Ambrozy auch das Amt des Zweiten Landeshauptmann-Stellvertreters übernehmen und als Spitzenkandidat in die Wahl 2009 gehen.

Ambrozy, Landesparteivorsitzender von 1988 bis 1994 und wieder seit dem Jahr 2000, hatte vor einem Jahr auf dem Villacher Parteitag nur knapp 62 Prozent der Stimmen erhalten und deshalb seinen Rücktritt binnen Jahresfrist angekündigt. Obwohl er sich bis zuletzt dafür stark gemacht hatte, dass seine Nachfolge im Parteivorstand geregelt werden sollte, stimmte am Montag eine deutliche Mehrheit im Parteipräsidium für eine Kampfabstimmung zwischen den vier Kandidaten. Diese versprachen Fairness zueinander und wollen bei den Delegierten vor allem mit Inhalten punkten.

Alle vier Bewerber bekannten sich auch zu der seit März 2004 bestehenden Koalition zwischen SPÖ und den Freiheitlichen unter Landeshauptmann Jörg Haider. Es gebe ein aufrechtes Arbeitsübereinkommen und keinen Grund, dieses einseitig zu brechen. Eindeutiges Ziel der Kandidaten ist es, 2009 die SPÖ wieder zur stärksten Kraft zu werden und somit das Ende der Ära Haider herbeizuführen.

Gaby Schaunig stieg vor sechs Jahren als Landesrätin in die Politik ein. Zuvor war die 40-Jährige in der Arbeiterkammer tätig. Parteiintern hat sie sich als scharfe Haider-Kritikerin einen Namen gemacht. Die Klagenfurterin hatte sich im vergangenen Jahr auch im Parteivorstand bei der Abstimmung über die Koalitionsvereinbarung der Stimme enthalten. Reinhart Rohr, seit dem Jahr 2000 als Umweltreferent Mitglied der Landesregierung, war Anfang der neunziger Jahre von Ambrozy als Landesparteisekretär in die Landespolitik geholt worden. Der 45-jährige Villacher gilt als konziliant, vom Koalitionspartner BZÖ wurde er öffentlich als "Wunschkandidat" für die Ambrozy-Nachfolge bezeichnet.

Karl Markut ist seit der Landtagswahl 2004 Klubobmann der Kärntner SPÖ, als Bürgermeister in St. Georgen im Lavanttal amtiert er bereits seit 14 Jahren. Der 51-Jährige gilt als umgänglich, aber hart in der Sache. Der um ein Jahr ältere Gerhard Mock ist ebenfalls langgedienter Bürgermeister, und zwar in der Bezirksstadt St. Veit/Glan. Mock galt lange als Kritiker des jeweiligen SPÖ-Chefs, nun tritt er selbst an. Mock sitzt seit März 2004 als Abgeordneter im Landtag.

Der SPÖ-Vorstand traf am Montag eine weitere Personalentscheidung: Er entzog Landesgeschäftsführer Herbert Würschl das Vertrauen. Er muss seinen Sessel vorzeitig räumen, nachdem er in den vergangenen Wochen öffentlich heftige Kritik an führenden Parteifunktionären geübt hatte. Würschl, der sein Amt 2000 angetreten hat, wird nun seinen Resturlaub konsumieren und danach wohl in den Landesdienst zurückkehren. Die Organisation des kommenden Parteitages übernimmt Ambrozy selbst.(apa/red)

12.9.2005 12:47