Montag, 5. September 2005

AUA verzichtet auf Flughafen Bratislava: Fokus wird auf das Kerngeschäft verlegt

  • Hohe Kerosinpreise als Hemmschuh für Bewerbung
  • Sörensen bekräftigt: Heuer gibt es keine Gewinne

Die börsenotierte österreichische Luftfahrtgruppe Austrian Airlines (AUA) rittert nicht mit bei der Privatisierung des slowakischen Flughafens Bratislava (Preßburg). Der aktuelle Geschäftsverlauf erfordere eine "strikte Konzentration auf das Kerngeschäft", daher habe man von einer Bewerbung für Bratislava Abstand genommen, teilte die AUA mit. Der Flughafen Wien hingegen hat ein unverbindliches Angebot für Bratislava abgegeben.

"Obgleich wir unsere Marktposition seit April kontinuierlich verbessern und derzeit wiederum mit hohen Auslastungen aufwarten können, werden wir heuer nicht in der Gewinnzone fliegen", stellte Vorstandsvorsitzender Vagn Soerensen heute neuerlich fest. Die große Variable Kerosinpreisentwicklung erlaube es der AUA derzeit nicht, Engagements einzugehen, deren Gewinnzone in mittel- bis längerfristiger Zukunft liegt. "Wir müssen uns neuerlich voll auf die Konsolidierung unseres Kerngeschäfts konzentrieren", so Sörensen.

Die AUA hatte in den vergangenen Monaten mehrmals ihr Interesse an Bratislava deponiert, Branchenkenner hatten aber zuletzt - auch angesichts der hohen Halbjahresverluste - einen Verzicht auf die Bewerbung erwartet.

Der Geschäftsverlauf des Austrian-Airlines-Konzerns im ersten Halbjahr 2005 erfordere neben den bereits ab dem ersten Quartal intensivierten Gegensteuerungsmaßnahmen grundsätzlich eine strikte Konzentration auf das Kerngeschäft, bekräftigte die AUA. Aus diesem Grund werde sich die Gesellschaft weder alleine noch im Rahmen eines Bieterkonsortiums an der Privatisierung des Flughafens Bratislava beteiligen.

Mit der guten Einbindung der Slowakei in das weltweite Flugnetz und die Mehrheitsbeteiligung an der Slovak Airlines sieht die AUA aber ihre "Interessen und künftigen Möglichkeiten im slowakischen Markt gewahrt". Zudem gehe die AUA "auf Basis der bisherigen Kontakte zu den slowakischen Behörden" davon aus, dass der Flughafen Bratislava nach der erfolgten Privatisierung "wettbewerbsfähig und kosteneffizient" geführt werde.

Flughafen Wien gibt unverbindliches Angebot ab
Der Flughafen Wien hingegen hat indes - im Rahmen eines Konsortiums - ein unverbindliches Angebot für Bratislava abgegeben, wurde der APA heute aus dem Unternehmen bestätigt.

Für die mehrheitliche Übernahme des Flughafens Bratislava gibt es laut den letzten offiziellen Informationen insgesamt 49 Interessenten. Der Privatisierungsausschuss im slowakischen Verkehrsministerium will letzten Angaben zufolge in den nächsten zehn Tagen die fünf besten Bieter auf eine Shortlist setzen und ihnen Zugang zum Datenraum gewähren. Neben dem Flughafen Bratislava soll auch der Flughafen Kosice privatisiert werden, Details dazu wurden noch nicht bekannt gegeben.

Privatisiert werden sollen 66 Prozent der Anteile am Flughafen Bratislava und Kosice, 14 Prozent will der Staat behalten, die jeweiligen Gemeinden und Regionalverwaltungen werden bis Ende 2006 Zeit erhalten, die restlichen Anteile zu erwerben. (apa/red)

5.9.2005 10:22