Donnerstag, 8. September 2005

Neue Luxushotels: Zu den 40.000 Wiener Hotelbetten sollen etwa 8.000 dazukommen

  • Derzeit sind rund 16 Projetke in Bau oder Planung
  • PLUS: BILDER von den neuen Nobelherbergen

Wien bricht trotz des schlechten Sommerwetters alle Tourismusrekorde. Nun haben Marktuntersuchungen ergeben, dass die jährlich rund 8,4 Millionen Nächtigungen bis zum Jahr 2010 die 10-Millionen-Marke überschreiten könnten.

Prompt entwickeln die verantwortlichen Fremdenverkehrsmanager der Stadt, Bauträgergesellschaften rund um Wiens Stadtplanung und private Investoren neue Hotelprojekte, um die existierenden Hotellerie-Kapazitäten weiter zu erhöhen.

Derzeit sind bereits 16 Hotelprojekte in Bau, Ausbau oder in Planung. Zu den rund 40.000 Hotelbetten, die in allen Kategorien Wien-Besuchern zur Verfügung stehen, sollten weitere 8.000 dazukommen - vorwiegend in der gehobenen Vier- und Fünfsternekategorie.

Drei neue Domizile sind bereits eröffnet worden: eine Dependance des Gartenhotels Altmannsdorf in Wien 12, Hoffingergasse, The Levante Parliament in Wien 8, Auerspergstraße, und das Austria Trend Hotel Europa in Wien 1, Kärntner Straße.

Die anderen Hotels lassen noch auf sich warten. Dazu zählt etwa der aufwendige Um- und Ausbau des Hotels im Palais Schwarzenberg. Die historisch wertvolle Anlage im Besitz der fürstlich Schwarzenberg'schen Familienstiftung soll ein "Haus für Gäste und Feste der nächsten Generation" werden.

Die Stadt Wien war maßgeblich in die Durchführung eines Architekturwettbewerbes eingebunden. Den Sieg errang trotz berühmter Kontrahenten wie Zaha Hadid, Günther Domenig und Hermann Czech der vergleichsweise junge Architekt Wolfgang Tschapeller.

Dessen Ziel: Zu den vorhandenen 44 Zimmern im Altbau kommen 33 neue durch die Ausschöpfung aller baulichen Ressourcen dazu. Überdies wird das feudale Glashaus an der Gartenfront neu adaptiert, sodass im Park 25 romantische und luxuriöse Suiten à 45 Quadratmeter entstehen. Voraussichtliche Eröffnung: 2007.

Anfang 2006 wird im Zuge der Verlängerung der U-Bahnlinie U2 im Bereich Prater / Neue Messe / Krieau / Stadion ein neues Stadtviertel entstehen. Das so genannte "Viertel Zwei" bekommt Stadtvillen-ähnliche Wohnbauten, einen Büroturm, Shopping-Malls, Gastronomie und Unterhaltungseinrichtungen. Und es bekommt ein Hotel, das rechtzeitig zur Fußballeuropameisterschaft 2008 seine Pforten öffnen will.

Das künftige Hotel "Viertel Zwei" wird vom Wiener Architekturbüro Zechner & Zechner entworfen. Es soll neben Bar und Restaurant 160 Betten der gehobenen Mittelklasse offerieren. Seine hohe Auslastung ist vorprogrammiert, denn der Blick auf den zu Füßen liegenden Grünen Prater und das nahe Stadtzentrum, das binnen zehn Minuten zu erreichen ist, sind hervorragende Vermarktungsargumente.

Mittlerweile ist auch ein Architekturwettbewerb gelaufen, der ein berühmtes Wiener Gebäude betrifft: Das einst von der Bundesländer-Versicherung und später von der Uniqa-Gruppe genützte Bürogebäude am Schwedenplatz wird einem Hotel weichen. Ursprünglich schien das in den 60er Jahren stilbildend von Architekt Georg Lippert gestaltete Bürohaus an das Denkmalamt verloren, das den Bau als außerordentliches und typisches Beispiel des modernen Funktionalismus erhalten wissen wollte.

Doch entschieden schließlich die finanziellen Einwände anders, denn ein besserer Platz für ein Hotel mit Aussicht auf den Steffl lässt sich in Wien kaum finden. Nun soll - neben dem Wohnbauprojekt von Zaha Hadid bei den Stadtbahnbögen, dem Media-Tower von Hans Hollein und dem Uniqa-Tower von Heinz Neumann - als viertes Luxusgebäude ein Hotel errichtet werden, für das der weltweit bekannte französische Architekt Jean Nouvel die Verantwortung übernimmt. Der 75 Meter hohe Komplex wird fast zur Gänze als Hotel geplant - mit Shopping-Passagen, einigen Büros und Tagungsräumen zu ebener Erde und einem exqui-siten Top-Restaurant unter dem Dach. Eröffnungstermin: 2010.

Ein ehrgeiziges Projekt wird auch die österreichische Hotelgruppe Arcotel realisieren. In Kooperation mit Raiffeisen Evolution Development, einem mittlerweile stark gewordenen Immobilienentwickler, sorgt der Hotelier für ein zeitgemäßes neues Haus im aufstrebenden Stadtteil Wien-Kagran. Entlang der Wagramer Straße entsteht ein 300-Zimmer-Hotelbau, der mit der U1 rasch erreichbar ist.

Das neue Business- und Konferenzhotel wird direkt vis-à-vis von der UNO-City liegen und - als einziges Hotel der Stadt - über einen Zugang zu einem eigenen Badestrand am Kaiserwasser verfügen.

Arcotels Generaldirektor Raimund Wimmer setzt bewusst auf Wiens steigende Attraktivität im Berufstourismus. Er hat jahrezehntelange Erfahrung: In seinem ersten Haus, dem Arcotel Wimberger in Wien 7, logieren vorwiegend Geschäftsleute, die mit der Westbahn gekommen sind. Im zweiten Arcotel Boltzmann in Wien 9 steigen gern Ärzte und Wissenschaftler ab, die an einem der mittlerweile regelmäßigen Kongresse teilnehmen.

Das nun projektierte Arcotel an der Wagramer Straße - konzipiert vom Hausdesigner Harald Schreiber in Zusammenarbeit mit den Architekten Egyed & Vorderegger - wird als Viersternehotel de luxe ausgebaut. Organisatoren internationaler Meetings werden sogar abhörsichere Konferenzräume von 600 Quadratmeter Größe angeboten werden. Die Fertigstellung ist für Frühjahr 2007 vorgesehen.

In den nächsten Jahren sind freilich noch weitere Hotel-Neueröffnungen in Aussicht:
So wird gegenwärtig am unteren Rennweg in Wien 3 an einem Rohbau gearbeitet, der ab Herbst 2007 als Hotel Domina Belvedere um Gäste ringt.

In der Sonnwendgasse in Wien-Favoriten wird im Sommer kommenden Jahres ein Delta Hotel Wien in Betrieb gehen.

Derzeit wird auch das Haas-Haus neben der Stephanskirche umgebaut. Nachdem sich die ursprüngliche Idee eines luxuriösen City-Kaufhauses nicht so recht bewährte, wollen die Bauherren es nun mit einem Hotel versuchen. Das Konzept dafür stammt von Attila Dogudan.

Ebenso steht das ehemalige Steyr-Daimler-Puch-Bürohaus am Schwarzenbergplatz vor einem Neubeginn. Derzeit wird das unzeitgemäße Stahlbeton-Gebäude abgerissen und soll einer weiteren Bettenburg Platz machen. (Immobilien-Extra aus NEWS Nr. 36/2005)

8.9.2005 11:39