Dienstag, 6. September 2005

Die richtige Grußformel für E-Mails zu finden verlangt viel Fingerspitzengefühl

  • Mit freundlichen Grüßen oder Bussi und Baba?
  • Experten warnen vor allzu salopper Sprache

Eine E-Mail ist schnell geschrieben und noch schneller verschickt. Doch bei der Anrede kommen viele Internet-Nutzer ins Grübeln, zumindest dann, wenn es sich um dienstliche Angelegenheiten handelt. Darf man einen neuen Kunden mit "Lieber Herr Müller" anreden, wenn man ihn gar nicht kennt? Klingt es zu distanziert, "Sehr geehrter Herr Müller" zu schreiben?

"Verbindliche Regeln für E-Mails gibt es so nicht", sagt Jan de Vries, Fachjournalist für Telekommunikation bei Siemens Communications. "Daher braucht man viel Fingerspitzengefühl, um die angemessene Anrede zu finden." Grundsätzlich sei man gut beraten, im beruflichen Bereich eher eine förmliche Anrede zu wählen. Unpassend findet de Vries, der zum Thema E-Mail unter anderem einen Online-Kurs verfasst hat, jedenfalls Mails, die mit "Hi" oder "Hey" beginnen. "Wer mir eine solche Mail schreibt, läuft Gefahr, dass ich den Inhalt weniger ernst nehme." Ob man für diese Erkenntnis allerdings einen Kurs besuchen muss sei dahingestellt.

Junge sind lockerer
Heute schreiben sich meist nur junge Leute "ganz locker" gehaltene E-Mails, wie Privatdozentin Christiane Thim-Mabrey, Sprachwissenschafterin an der Universität Regensburg, beobachtet. Ansonsten müssen Internet-Nutzer einiges berücksichtigen, um den richtigen Ton zu finden: Hatte man schon mal Kontakt zum Empfänger? Um welchen Anlass handelt es sich? Was ist in der Branche üblich? Wie ist der Adressat einzuschätzen?

Auf den Klassiker setzen
Fingerspitzengefühl ist den Experten zufolge auch bei den Grußformeln gefragt. So schreibt zwar kaum jemand "Hochachtungsvoll" unter eine E-Mail, doch sollte man von allzu lockeren Grüßen im Zweifelsfall die Finger lassen: "Ciao", "Bye" oder "Bussi" sind nicht für jeden etwas. Bei dem klassischen "Mit freundlichen Grüßen" kann man dagegen wenig falsch machen: Bei der Umfrage von Antje Olitzscher zumindest wurde diese Formel insgesamt am positivsten bewertet. Nur Empfänger, die mit dem Adressaten befreundet waren, nahmen daran Anstoß. (APA/red)

6.9.2005 11:41