Auch ich hätte sterben müssen
- Tragödie Messner: Der Tod, der Berg, der Bruder

Wie Reinhold Messner nach 35 Jahren auf Günthers Skelett stieß. Plus sein Leben mit der Schuld: Warum habe ich überlebt?
Ein zerknitterter Plastiksack. Einer von denen, die man bekommt, wenn man auf dem Markt ein Kilo Kartoffeln kauft. Doch in dem Plastiksack, den Reinhold Messner unterm Arm durch die Hotel-Lobby des Pearl Continental in Islamabad trägt, befinden sich keine Kartoffeln, sondern ein zerschlissener Bergschuh. Das, was von seinem Bruder übrig blieb, nachdem Reinhold seine sterblichen Überreste auf dem Gletscher verbrannt hatte.
Am 29. Juni 1970 war Günther Messner auf dem Nanga Parbat, Pakistan, ums Leben gekommen. Seit 29. Juni 1970 ranken sich um den damals 23-jährigen Bruder des Südtiroler Alpinstars dunkle Gerüchte: Reinhold, so ließen die mittlerweile großteils verstorbenen Mitglieder der Schicksalsexpedition immer wieder durchblicken, hätte seinen Bruder noch während des Aufstiegs zum Gipfel des 8.125-Meter-Riesen höhenkrank zurückgelassen, um im Alleingang als erster Mensch die Überquerung des Gletschers samt Abstieg über die Diamir-Flanke zu wagen.
Fakt ist: Reinhold schaffte es, doch Günther blieb im ewigen Eis. Wo, wusste bisher keiner. Außer Messner selbst. Max von Kienlin, einer der Expeditionsteilnehmer, vor gut drei Jahren in profil: Günther, schwer höhenkrank, ist nicht mehr mitgekommen und wohl nach dem Gipfel gestorben oder gar sterbend zurückgelassen worden.
Fakt ist jedoch auch seit Ende August 2005: Günther Messner starb nicht, wie von Kienlin und anderen Expeditionsteilnehmern immer wieder angedeutet, in Gipfelnnähe, sondern viel, viel weiter unten. Zwischen 4.000 und 5.000 Meter Seehöhe. Nicht unweit von jener Stelle, an der Reinhold Messner im Juni 1970 seinen Rettern in die Arme lief.
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