Benzin bald zwei Euro pro Liter? EU erhöht
Druck auf Öl-Produzenten und Verbraucher!
- Energiekommissar: Erdöl nie wieder richtig billig
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EU-Energiekommissar Andris Piebalgs befürchtet eine weitere Verteuerung des Rohöls. "Vor dem Winter müssen wir unsere Lager wieder auffüllen, damit drohen neue Preisschübe", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Focus". Erdöl werde nie wieder richtig billig. Langfristig schloss Piebalgs einen Benzinpreis von zwei Euro pro Liter nicht aus, da der Bedarf an Öl zunehme.
Die Europäische Union wird sich laut Piebalgs gegen die EU-weite Kopplung des Gaspreises an den Ölpreis zur Wehr setzen. Dies lasse sich nicht mehr rechtfertigen. Gas lasse sich anders als früher viel "verlässlicher fördern und liefern", sagte der EU-Kommissar.
Druck auf Ölproduzenten und Energieverbraucher
Angesichts explodierender Ölpreise will die EU Ölproduzenten und Energieverbraucher weltweit in die Pflicht nehmen. Die kräftig gestiegenen Einnahmen aus der Ölförderung müssten von den Ölgesellschaften in den Ausbau der Förder- und Raffineriekapazitäten investiert werden, erklärten die EU-Finanzminister am Samstag zum Abschluss einer zweitägigen Konferenz in Manchester. Zudem müssten alle Staaten einschließlich der USA größere Anstrengungen zu mehr Effizienz und Energieeinsparung unternehmen. "Globale Probleme erfordern globale Lösungen", sagte der britische Schatzkanzler Gordon Brown zum Abschluss einer zweitägigen Konferenz der Minister in der englischen Wirtschaftsmetropole.
Die EU geht nach Browns Worten angesichts der rasanten Wirtschaftsentwicklung vor allem in Asien von einem dauerhaften Anstieg der Nachfrage nach Rohöl aus. "Der Bedarf wird sich in den nächsten 20 Jahren um 50 Prozent erhöhen", sagte Brown. Die aktuelle Situation mit Preissteigerungen auf bis zu 70 Dollar pro Barrel (159 Liter) sei sowohl von diesem wachsenden Bedarf, als auch von zu knappen Kapazitäten geprägt. In dieser Lage müssten Förderländer, Unternehmen und Verbraucher ihr gemeinsames Interesse an einer besseren Versorgung und an Einsparungen erkennen.
Brown sagte, die EU sei in Sachen Öl im engen Dialog mit Russland, Norwegen und der OPEC. Die Minister würdigten ausdrücklich die Absicht der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC), notfalls noch größere Mengen von Rohöl auf den Markt zu werfen. Das Öl-Förderkartell will seine Produktion um rund zwei Millionen Barrel pro Tag erhöhen. Das soll auf dem nächsten Fachministertreffen am 19. September in Wien bekannt gegeben werden, sagte OPEC-Generalsekretär Adnan Shihab al-Din dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".
Zur Entlastung von Verbrauchern wollen die Minister allenfalls gezielte Maßnahmen zu Gunsten armer Bevölkerungsschichten akzeptieren. "Wettbewerbsverzerrende Steuermaßnahmen.....müssen vermieden werden", heißt es unter anderem in ihrer Erklärung. Vor einigen Jahren hatten unter anderem Frankreich und die Niederlande ihre Transportbranchen wegen der damaligen hohen Ölpreise unter die Arme gegriffen. Dies hatte zu erheblichen Spannungen im Finanzministerrat geführt.
Ohnehin seien die Folgen hoher Ölpreise für die Ökonomie weniger gravierend als in früheren Zeiten, heißt es weiter in der Erklärung der Finanzminister. Positiv sei hervorzuheben, dass der Ölpreisanstieg bisher nicht zu einem erhöhten Inflationsdruck geführt habe. Wegen der möglichen - und bei Währungshütern gefürchteten - "Zweitrundeneffekte" wie etwa sehr hohen Lohnabschlüssen bedeutet die Lage am Ölmarkt nach den Worten von Bundesbankpräsident Axel Weber aber eine "Herausforderung für die Geldpolitik".(apa/red)

