Freitag, 9. September 2005

Mahr ist neuer Premiere-Vorstand: FORMAT über die Pläne des gebürtigen Wieners!

  • Ziel: Vom Pay-TV-Sender zum Multimedia-Anbieter
  • Erfolg steht und fällt mir exklusiven Sportrechten

Der neue Premiere-Vorstand Hans Mahr will aus dem Pay-TV-Sender einen Multimedia-Anbieter formen und dem ORF Paroli bieten. Der Erfolg von Premiere steht und fällt mit exklusiven Sportrechten. Für die ist - neben den neuen Geschäftsfeldern - Mahr zuständig.

An eine neue Raumausstattung muss sich Hans Mahr nicht gewöhnen. In einer stressigen Umzugsaktion übersiedelte der Medienmanager in der Vorwoche mit der gesamten Büroeinrichtung von RTL in Köln zum Bezahlsender Premiere nach München. "Im Alter wird man konservativ und trennt sich nicht mehr so leicht von der vertrauten Umgebung", kommentiert Mahr, 56, die aufwendige Aktion, "deshalb habe ich meine Möbel mitgenommen."

Premiere-Chef Georg Kofler lobt seinen neuen Topmanager, er sei "kreativ, besonders begabt und kein Luftikus". Vor seiner ersten Vorstandssitzung am Dienstag dieser Woche verspürte aber selbst der abgebrühte Hans Mahr ein Kribbeln im Bauch. Immerhin hat außer Gerhard Zeiler, Chef der RTL Group, noch kein Österreicher im deutschen Mediengeschäft diese Höhen erreicht. Der Erfolg von Premiere steht und fällt mit exklusiven Sportrechten. Für die ist - neben den neuen Geschäftsfeldern - Mahr zuständig, der bei RTL unter anderem mit Skispringen bewies, dass er dem Publikum Sport präsentieren kann.

Rund eine Milliarde Euro will Premiere in den nächsten Jahren in den Erwerb von Sportrechten investieren. Die Eigenkapitaldecke wurde mit 334 Millionen aus dem Börsengang im Frühjahr aufgestockt. Nur zwei Tage vor Mahrs Antritt schnappte sich der Pay-TV-Sender für kolportierte 200 Millionen Euro in Deutschland die Rechte an der Fußball-Champions-League (auch fürs Free-TV). "Ich war da aber nur im Hintergrund involviert", sagt der Wiener, auf den gleich der nächste dicke Brocken zukommt: der Poker um die Übertragungsrechte der Deutschen Bundesliga, die im Oktober ausgeschrieben werden. Als Sportarten, die forciert werden sollen, nennt er Basketball und Handball.

Mahr will Partnerschaft mit Handynetzbetreiber
Sein Ziel bei Premiere neben der sportlichen Ertüchtigung beschreibt Mahr so: "Ich will einen integrierten Multimedia-Anbieter schaffen: mit Pay-TV, Free-TV, Online- und Mobil-Plattform." Teil des Plans zur Markendiversifikation ist, Premiere-Inhalte über Handys zu verbreiten: "Mit einer oder mehreren Telekomgesellschaften als Partner."

Ein eigener Free-TV-Kanal, gepusht durch die Champions League, wird laut Mahr "innerhalb eines halben Jahres stehen", entweder durch Neugründung oder Übernahme.

Im ersten Halbjahr 2005 legte der Umsatz von Premiere um sechs Prozent auf 506 Millionen Euro zu. Der neue Mann im Vorstand will nun neben den Einnahmen von derzeit 3,05 Millionen Abonnenten in Deutschland und 260.000 in Österreich verstärkt zusätzliche Umsatzquellen anzapfen: "Sponsorwerbung und knappe Spots, die den Zuschauer nicht stören, am Beginn und am Ende von Sportereignissen sind auch im bezahlten Fernsehen möglich."

Große Hoffnungen ruhen auf dem neuen Wettkanal Premiere Win, der mit dem österreichischen Magna-Konzern betrieben wird und im August anlief: "Der Start hat unsere Erwartungen weit übertroffen. Wir sind schon jetzt der größte Pferdewettenanbieter in Deutschland und haben Kunden im fünfstelligen Bereich. Die Erlöse werden gewaltig steigen."

Gute Storys kann Premiere brauchen. Die Aktie notiert derzeit - trotz des erstmaligen Gewinns im Halbjahr - um rund sechs Euro unter dem Ausgabekurs. Die Börse zeigt sich durch den Bundesliga-Poker und die Fragezeichen rund um das Free-TV-Engagement verunsichert.

Premiere Österreich, für das ebenfalls der einstige "Krone"-Geschäftsführer Mahr verantwortlich zeichnet, liegt seit dem Kauf der TV-Rechte für die beiden obersten Fußball-Ligen im Clinch mit dem ORF. Daran wird auch der gute Kontakt zwischen dem neuen Manager in München und ORF-Sportchef Elmar Oberhauser wenig ändern. "Wir sind privat gut befreundet, beruflich befinden wir uns in unverrückbaren Positionen", erzählt Mahr.

Fußballstreit in Österreich geht weiter
Der Staatssender hat seine Bundesliga-Berichterstattung extrem reduziert und macht eine Änderung von einem Livespiel am Sonntag abhängig. "Das wird es sicher nicht geben", betont Mahr. "In ganz Europa verstärkt sich der Trend, dass Liveveranstaltungen im Pay-TV stattfinden und das Free-TV Zusammenfassungen und Hintergründe bringt. Damit muss sich auch der ORF abfinden." Und: "Wir hatten trotz ORF-Boykott den besten Bundesliga-Start seit zehn Jahren. Der Fußball ist nicht vom ORF abhängig." Dessen Finanzchef Alexander Wrabetz kontert: "Premiere versucht, europaweit Rechte zu monopolisieren. Das muss man grundsätzlich mit Sorge sehen."

Partner von Premiere in Österreich bleibt der Privatsender ATV+. Eine bevorstehende Beteiligung an ATV+ weisen beide Seiten mit "noch kein Thema" zurück. Weitere Kooperationen etwa bei Eishockey und Basketball sollen aber kommen. ATV+-Chef Franz Prenner: "Es ist gut, Kosten und Programm zu teilen."

Die gesamte Story lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von FORMAT!

9.9.2005 11:45