Mittwoch, 7. September 2005

Umsatz rückläufig: Zigarettenschmuggel macht Austria Tabak weiter zu schaffen!

  • AT-Chef Fitz fordert eigene "Blaue Dunst-Truppe"
  • Kosten würden sich in einem Jahr amortisieren

Der britische Gallaher-Konzern, seit 2001 vollständiger Eigentümer der Austria Tabak, hat im ersten Halbjahr 2005 Steigerungen beim Absatzvolumen und Gewinn verzeichnet. Die Zuwächse gehen vor allem aufs Konto neuer Märkte in den früheren Sowjetrepubliken und in Entwicklungsmärkten zurück, während der Absatz in etablierten Märkten wie in Österreich durch zunehmenden Schmuggel rückläufig war. Austria Tabak-Chef Stefan Fitz fordert einen verschärften Kampf gegen die organisierte Kriminalität und eine "Blaue Dunst"-Truppe.

Bei einem um 3,5 Prozent auf 82,1 Mrd. Stück gestiegenen Zigarettenabsatz stagnierte der Umsatz im Gallaher-Konzern bei 3,95 (-0,2 Prozent) Mrd. Pfund (5,8 Mrd. Euro). Das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit (vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, EBITA) verbesserte sich um 1,8 Prozent auf 314 Mio. Pfund. Der berichtigte Gewinn je Aktie erhöhte sich um 2,6 Prozent auf 29,2 Pence.

Besonders in den reifen europäischen Märkten sei das Umfeld schwierig gewesen, erläuterte der Vorsitzende der Austria Tabak-Geschäftsführung, Stefan Fitz, das Ergebnis am Mittwoch vor Journalisten in Wien. Das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit war in den Regionen "Europa" (-14 Prozent) und UK (-7 Prozent) rückläufig, während in der Gruppe Unabhängiger Staaten (GUS) (+56 Prozent) und dem "Rest der Welt" (+19 Prozent) kräftige Steigerungen erzielt wurden.

Dazugewonnene Marktanteile in den ehemaligen Sowjetrepubliken (GUS), in Polen, Tschechien, der Slowakei, Dänemark, Estland und Litauen hätten die ungünstigen Bedingungen in anderen Regionen mehr als wettmachen können, sagte Fitz, der im Gallaher-Konzern noch für 20 weitere Länder Mittel-/Südosteuropas verantwortlich ist.

Als drängendstes Problem in Europa und insbesondere in Österreich nannte Fitz heute erneut die Zunahme geschmuggelter Zigaretten. Im ersten Halbjahr sei die Zahl illegal importierter Ware in Österreich um 54 Prozent gestiegen, nach einem Anstieg um 25 Prozent vor einem Jahr. Der zunehmende Schmuggel ist für Fitz ein Hauptgrund für einen Absatzrückgang von 13 Prozent in den ersten sechs Monaten. Zugespitzt habe sich die Problematik noch durch eine Anhebung der Tabaksteuer mit Anfang 2005, wodurch sich die Preise um durchschnittlich 30 Cent pro Packung Zigaretten verteuerten. Trafiken und Verbraucher hätten darauf mit vorgezogenen Einkäufen reagiert.

"Viele sind sich nicht bewusst, dass schon der Kauf geschmuggelter Ware strafbar ist", sagte Fitz. Die Zollfahnder würden gute Arbeit leisten, sollte aber deutlich erweitert werden. Der Aufbau einer eigenen "Blaue Dunst-Truppe" mit rund 100 Mitarbeitern würde "ein paar Millionen Euro kosten", die sich auf Grund höherer Aufgriffe und höherer Steuereinnahmen "locker" in einem Jahr amortisieren würde.

Der zunehmende Schmuggel lasse auch die Einnahmen durch die Tabaksteuer schrumpfen: Schon 2004 wurden mit 1,317 Mrd. Euro weniger eingenommen als im Jahr davor (1,329 Mrd. Euro). Die für heuer im Budget veranschlagten Tabaksteuereinnahmen von 1.350 Mrd. Euro seien damit fraglich. Da ein Teil der geschmuggelten Ware gefälscht sei, nähmen Kunden damit auch gesundheitliche Risken in Kauf. (apa)

7.9.2005 15:21