Strategische Öl-Reserven nach Hurrikan "Katrina" freigegeben: Ölpreis fällt weiter!
- IEA erwägt weitere Maßnahmen zur Preissenkung
- PLUS: Hoher Ölpreis trifft uns weniger als andere

·Teures Öl trifft uns weniger als andere
EU-weit investiert Belgien
am meisten in Ölimporte
·Viele Sorten: Rohöl
ist nicht gleich Rohöl
Je "leichter" und "süßer", desto höher ist der Preis
·Benzin wieder teurer:
Um 2 Cent angehoben!
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·Horrende Spritpreise sind eine Frechheit!
Österreicher toben und suchen nach Alternativen
Die Lage an den internationalen Rohölmärkten hat sich weiter entspannt. Der Ölpreis fiel am Dienstag an der Rohstoffbörse in New York unter 67 Dollar. Die Notierung für einen Barrel (159 Liter) der Sorte Light Sweet Crude sank um 79 Cent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag und lag bei 66,78 Dollar. Wegen eines Feiertags wurde am Montag in New York nicht gehandelt. Der Konzern Shell hat nach eigenen Angaben am Montagabend im Durchschnitt für Superbenzin 1,42 Euro und für Diesel 1,17 Euro verlangt.
Als Grund für die fallenden Ölpreise nannten Händler die Entscheidungen einiger Industriestaaten, ihre strategischen Reserven freizugeben um die Folgen des Hurrikans "Katrina" für die Ölförderung zu bewältigen. Nach den USA und Deutschland hat auch Japan einen Teil der Reserven freigegeben. Ab Mittwoch sollten rund 200.000 Barrel Rohöl und Raffinerieprodukte abgegeben werden, teilte Wirtschaftsminister Shoichi Nakagawa mit. Auch in Österreich hat der für Energie zuständige Wirtschaftsminister Martin Bartenstein bereits angekündigt, Teile der nationalen strategischen Reserve freizugeben.
Die Internationale Energieagentur (IEA), die die Freigabe der Reserven absegnen muss, hält unterdessen schon bald weitere Maßnahmen für denkbar. "Der IEA-Verwaltungsrat wird sich Mitte nächster Woche damit beschäftigen, ob darüber hinaus etwas geändert werden muss. Dazu müssen wir die neuesten Daten in der kommenden Woche auswerten", sagte der IEA-Direktor für Notfallplanung, Klaus Jacoby, dem Deutsche-Welle-TV.
Die leicht sinkenden Einkaufskosten für Fertigprodukte wie Benzin am Rotterdamer Markt würden an den Verbraucher weitergereicht, sagte ein Sprecher von Shell. Seit den Spitzennotierungen vom Freitag seien die Preise an den Tankstellen täglich gesunken.
Shell habe am Montagabend im Durchschnitt für Superbenzin 1,42 Euro und für Diesel 1,17 verlangt. Das seien etwa vier Cent bei Super und etwas mehr als ein Cent bei Diesel weniger gegenüber dem Höchststand am Freitag. Die Sprecherin von Esso betonte, die "Märkte seien noch sehr volatil". Eine Prognose der Preisentwicklung sei nicht möglich.
Der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Bert Rürup, rechnet jedoch zunächst nicht mit negativen Effekten für die Konjunktur: "Wenn der hohe Ölpreis langfristig anhält, gilt eine Faustformel: Ein zehn Prozent höherer Ölpreis senkt das Wachstum um 0,1 Prozent", sagte er im Interview mit der "Passauer Neuen Presse". Dies gelte unter der Voraussetzung, dass der Wechselkurs zwischen Dollar und Euro konstant bleibe.
Die deutsche Wirtschaft ist nach Experteneinschätzung vom Preisschock beim Öl allerdings weit weniger betroffen als andere Industriestaaten. Deutschland habe 2004 nur 1,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Rohölimporte ausgeben müssen - andere Staaten müssten einen wesentlich größeren Teil ihrer Wirtschaftskraft für die Einfuhr von Öl aufwenden. Noch weniger muss Österreich für die Einfuhren aufwenden: Im vergangenen Jahr gab das Land 0,7 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Rohöleinfuhren aus. (apa)

