Montag, 5. September 2005

Streit um Börsegang der Post: Gewerkschaft
droht für nächsten Frühjahr mit Streik

  • Verschiebung bis mindestens 2007 gefordert
  • AK-Chef Tumpel überhaupt gegen Privatisierung

Die Gewerkschaft schließt einen Streik gegen einen möglichen Börsegang der Österreichischen Post im Frühjahr 2006 nicht aus. "Alle Maßnahmen sind möglich", sagte Post-Gewerkschaftschef Gerhard Fritz am Montag.

Allein durch die weitere Liberalisierung seien im nächsten Jahr 450 Mio. Euro des Post-Umsatzes bedroht und damit "eine große Zahl" von Arbeitsplätzen gefährdet. Wenn der Börsegang "daneben geht", wäre die Post zu noch stärkeren Einsparungen gezwungen. Dann würden noch mehr Arbeitsplätze abgebaut, argumentiert Fritz.

Der Gewerkschafter forderte Bundeskanzler Schüssel daher einmal mehr auf, den Börsegang zumindest bis 2007 zu verschieben. "Seriös wäre es, bis Ende 2006 abzuwarten. Dann kann man sagen, welche Bedrohungsszenarien eingetreten sind und wie man die eigenen Wachstumschancen quantifizieren und in die Mittelfristplanung einfließen lassen kann", so Fritz.

Auch ÖVP-Staatssekretär Kukacka hatte vergangene Woche über eine Verschiebung des Postbörsegangs auf 2007 nachgedacht. BZÖ-Vizekanzler Gorbach hatte daraufhin allerdings umgehend verlangt, dass die Post in jedem Fall noch diese Legislaturperiode privatisiert werden soll.

Die Gewerkschaft fordert jetzt eine Entscheidung. Ansonsten will sie bereits am Freitag vor der ÖIAG-Zentrale demonstrieren. Sollte der ÖIAG-Aufsichtsrat an diesem Tag einen Antrag auf einen Privatisierungsauftrag stellen, würden die Proteste danach fortgesetzt. Bleibt es bei den bisherigen Börseplänen der Regierung, würde der neue Privatisierungsauftrag dann voraussichtlich am 20. September im Ministerrat abgesegnet. Der "Zeitplan" für die weiteren Proteste sei damit vorgegeben, drohte Gewerkschafter Fritz am Freitag.

Arbeiterkammer-Präsident Tumpel sprach sich indes für eine gänzliche Absage der Post-Privatisierung aus. Er sieht nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Postdienstleistungen "akut gefährdet".

(apa)

5.9.2005 13:19