Aserbaidschan, wir kommen: Österreichs Kicker nach Polen-Spiel ans Kaspische Meer
- Ölreicher Staat präsentiert sich als Tourismusland
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Szenenwechsel nach dem verunglückten Match gegen Polen: Am Mittwoch tritt das österreichische Nationalteam in Baku am Kaspischen Meer gegen Aserbaidschan an. Im Vorfeld des Spiels hat sich der ölreiche Kaukasus-Staat, der in Größe und Einwohnerzahl der Alpenrepublik gleicht, bemüht, hierzulande als Tourismusland mit interessanten Kulturschätzen in Erscheinung zu treten.
"Das Land des Feuergottes" - so nennt sich Aserbaidschan selbst, zeigte kürzlich in Wien in einer farbenfrohen Schau und mit einem köstlichen gastronomischen Angebot seine Vorzüge. Bei einem Fest auf dem Cobenzl wurde dem interessierten alpenrepublikanischen Publikum vorgeführt, dass man auch in den kaukasischen Bergen wandern, fischen, jagen und Wildwasser-Paddeln kann. Die AUA, die Baku direkt anfliegt, verloste zwei Flüge.
Höhepunkt des Cobenzl-Festes waren traditionelle Tänze, vorgeführt von der aserbaidschanischen Startänzerin Tarana Muradowa. Die Primaballerina des Nationalen Folkloreballetts und ihr Partner tanzten inmitten eines Feuerwerks auf dem Rasen des Schlossparks. Im Privatleben engagiert sich Tarana im Rahmen des Österreichisch-Aserbaidschanischen Vereins "New Baku and Vienna" bei Hilfsprojekten für behinderte Kinder.
Die Farbe Rot - eingebettet in die blau-rot-grüne Nationalflagge - hat für die Aseris eine mystische Bedeutung. Die Legende besagt, dass sich einst auf der Oberfläche der Kaspischen See eine rot leuchtende Substanz spiegelte. Die ölige Substanz wurde für medizinische Zwecke verwendet. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Bedeutung des Erdöls erkannt. Die schwedische Industriellenfamilie Nobel, unter ihnen der spätere Stifter des Nobelpreises, gehörten zu den Pionieren der Exploration der aserbaidschanischen Ölfelder.
Die ehemalige Sowjet-Republik Aserbaidschan wurde 1991 nach dem Zerfall der UdSSR selbstständig. Regiert wird das Land schon in zweiter Generation vom Alijew-Clan. Haydar Alijew machte nach gängigem Sowjet-Muster Karriere in der KP und im Geheimdienst KGB und wurde erster Staatschef. Nach seinem Tod folgte Sohn Ilham Alijew 2003 in umstrittenen Wahlen auf den Präsidentensessel. Neuerdings zeigt auch die Frau von Alijew jun. politische Ambitionen - sie will sich bei den Parlamentswahlen im November für die Regierungspartei um ein Mandat bewerben. Opposition und Presse klagen über Knebelung - heuer kam es in Baku mehrfach zu Straßenprotesten.
Weder Russland noch die USA hatten etwas gegen die Alijew-"Erbfolge" einzuwenden - bürgt sie doch für Stabilität in einer politisch unruhigen und von den Bodenschätzen her enorm wichtigen Region. Die Ölpipeline vom Kaspischen Meer über Georgien und die Türkei ans Mittelmeer hat für den Westen strategische Bedeutung.
Ungelöst ist der Konflikt mit Armenien, einer von vielen im multiethnischen Pulverfass Kaukasus - siehe das von Tschetschenen-Rebellen verübte Beslan-Drama in Nordossetien, das sich gerade zum ersten Mal jährte.
Dieser Tage finden wieder Gespräche zwischen den Regierungen in Baku und Eriwan um Nagorny-Karabach statt. Die Enklave ist seit dem Krieg von 1991 fest in armenischer Hand, Hunderttausende aserbaidschanische Flüchtlinge harren in Aserbaidschan einer Lösung, um die sich die in Wien ansässige Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bisher vergeblich bemüht hat.
Exakt am 7. September, wenn die Austro- und Aseri-Kicker auf dem grünen Rasen von Baku aufeinander treffen, hält sich Aserbaidschans Außenminister Elmar Mammadjarow zu politischen Gesprächen mit der OSZE und Amtskollegin Ursula Plassnik (V) in Wien auf. Am Vorabend des Spiels organisiert der Österr.-Aserbaidschanische Verein eine Benefiz-Gala (Motto: "Wir sind wie alle") in der Staatsoper von Baku: Muradowa und das Folklore-Ensemble tanzen, ÖFB-Präsident Friedrich Stickler spendet Geld und Fußbälle für Kinder mit Down-Syndrom. (apa/red)
