Samstag, 10. September 2005

Erster Grand-Slam-Titel: Clijsters bezwingt Pierce im US-Open Finale klar mit 6:3, 6:1

  • Französin auch im 2. Grand-Slam-Finale ohne Chance
  • Clijsters kassiert höchstes Preisgeld im Frauensport

Die Belgierin Kim Clijsters hat endlich einen Tennis-Grand-Slam-Titel geholt. Die als Nummer vier gesetzte Belgierin gewann am Samstag (Ortszeit) das US-Open-Finale gegen die auf Position zwölf eingestufte Französin Mary Pierce sicher 6:3,6:1 und ist damit nicht länger die beste Spielerin ohne Major-Titel. Mit 2,2 Millionen Dollar (1,77 Mio. Euro) erhielt Clijsters die höchste Gage in der Geschichte des Frauen-Sports.

Das Schwierigste kam für Clijsters erst nach ihrem 27. Titelgewinn. Erst als sie in die Zuschauerreihen hinaufkletterte, um sich bei Mutter Els, ihrer Schwester Elke, ihrem Trainer Marc Dehous sowie Freunden zu bedanken, geriet sie fast ins Straucheln. "Ich wollte nicht alleine auf dem Platz stehen, ich musste sie einfach umarmen", sagte Clijsters.

Während der 65-minütigen einseitigen Partie war ihr Pierce keine echte Gegnerin. Die Tennis-Diva wirkte noch gezeichnet von den Anstrengungen des Vortages, als sie Jelena Dementjewa nach drei Sätzen und mitunter dank eines 12-minütigen Mega-Timeouts bezwungen hatte. Den rechten Oberschenkel erneut bandagiert, war sie oftmals einen Schritt zu spät. "Kim, du warst heute einfach zu gut für mich", meinte sie nach der Partie.

Schnell, trickreich und topfit bestimmte Clijsters das Finale nach Belieben. "Ich kann es kaum glauben. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl vor allem nach dem schrecklichen letzten Jahr." Den Arm in Gips hatte sie nach einer Handgelenks-Operation von Juni 2004 an nicht mehr spielen können und war nur nach Flushing Meadows gekommen, um ihren damaligen Freund Lleyton Hewitt zu unterstützen.

Seit ihrem Comeback im Februar hat sie den Turbo eingelegt und wird nach ihrem siebenten Turniersieg des Jahres ab Montag als Weltranglisten-Dritte geführt. Mit 55:6 hat sie die klar beste Match-Bilanz auf der Tour. Clijsters hatte ihre ersten vier großen Endspiele verloren und war schon lange als nervenschwach abgestempelt worden. Diesmal hielten aber die Nerven.

Im Halbfinale ließ sie sich nicht davon beirren, dass sie im zweiten Satz gegen Maria Scharapowa fünf Matchbälle nicht verwertet hatte, im Endspiel feierte sie schließlich ihren 24. Sieg in 25 Spielen. "Es ist unglaublich, dass ich jetzt hier stehen darf, nach allem, was passiert ist", so Clijsters, bei der inzwischen auch privat wieder alles im Lot ist. Ihr neuer Freund verfolgte die Partie ebenso vor dem Fernseher wie ihr Vater.

Die große Börse erhielt Clijsters auf Grund ihres Sieges bei der US-Open-Series, als sie erfolgreichste Spielerin der Hartplatz-Turniere vor dem Grand Slam in Flushing Meadows wurde. Dieser Erfolg brachte ihr eine Verdopplung des US-Open-Preisgelds ein. Pierce erhielt als Zweite der Serie einen Zuschlag von 50 Prozent, was ihr Preisgeld auf 825.000 Dollar (664.519 Euro) wachsen ließ.

Pierce wird in der Weltrangliste auf Rang 6 vorrücken, hat aber auch im zweiten Major-Endspiel dieses Jahres enttäuscht. In Paris hatte sie gegen Justine Henin-Hardenne sogar nur zwei Games gewonnen, diesmal waren es vier. Die 30-Jährige beging 28 unerzwungene Fehler. Dementsprechend traurig und nachdenklich wirkte sie während der Jubel-Parade von Clijsters. Doch der Final-Einzug ist für Pierce dennoch unbedingt als Erfolg zu werten.

(apa/red)

10.9.2005 08:05