Dienstag, 6. September 2005

Radsport: Lance Armstrong erwägt einen erneuten Start bei der Tour de France!

  • Nach Dopingvorwürfen gegen siebenfachen Sieger
  • "Vielleicht die beste Art, die Franzosen zu ärgern"

Lance Armstrong will es all jenen, die ihn als Dopingsünder an den Pranger gestellt haben, noch einmal beweisen. Der nach seinem siebenten Gesamtsieg bei der Tour de France am 24. Juli in Paris "unwiderruflich" zurückgetretene US-Radsport-Superstar erwägt laut einem Bericht der in Austin/Texas erscheinenden Zeitung "American Statesman" im Jahr 2006 eine Rückkehr zur Frankreich-Rundfahrt.

Das meldete am Dienstag die Internetseite von Eurosport unter Berufung auf http://www.cyclingnews.com. "Ich denke darüber nach. Es ist die beste Möglichkeit, ihnen (den Franzosen) eines auszuwischen", begründete der 33-Jährige seine Motivation. Armstrong sieht sich seit zwei Wochen mit schwersten Anschuldigungen konfrontiert, nachdem die französische Sportzeitung "L'Equipe" sechs positive Doping-Analysen des Rekord-Toursiegers aus dem renommierten Anti-Doping-Labor in Chatenay-Malabry veröffentlicht hatte. In den 1999 entnommenen, eingefrorenen und 2004 analysierten Proben soll das Blutdopingmittel EPO nachgewiesen worden sein.

Training fehlt Armstrong
Armstrongs ehemaliger Teamchef und Geschäftspartner bei Discovery Channel, Johan Bruyneel, bestätigte dessen Aussagen, die er im Rahmen der Verlobungsfeier mit der Rocksängerin Sheryl Crow am Montag in Austin getätigt hatte. "Seine Aussagen sind richtig. Ich schließe ein Comeback von Lance 2006 nicht aus. Bis ich mit ihm persönlich gesprochen habe, kann ich es nicht definitiv bestätigen, aber es ist nicht unmöglich", meinte der belgische Discovery-Sportdirektor bei der derzeit laufenden Vuelta. "Nach seinem Rücktritt hat er es ein wenig ruhiger angehen lassen, aber ihm fehlte das Training."

Trotzreaktion auf "Hexenjagd"
Dementsprechend ernst meint es Armstrong mit seinem Rücktritt vom Rücktritt. "Ich trainiere jeden Tag", erklärte der Texaner, der Ende September beim von ihm initiierten Benefizrennen "Tour of Hope" zu Gunsten der Krebs-Forschung startet und im Dezember mit Discovery Channel ein Trainingslager in Austin absolviert. Er befinde sich in guter Form. Seine mögliche Rückkehr sei laut eigenen Angaben auch eine Trotzreaktion auf die Schmutzkübel-Kampagne der französischen Medien, die er selbst als "Hexenjagd" auf seine Person bezeichnet hatte.

Armstrong, der jede Einnahme von verbotenen, leistungssteigernden Substanzen vehement bestreitet, würde mit einem achten Erfolg beim Comeback bei der wichtigsten Rundfahrt im Renn-Kalender wohl endgültig zum größten Mythos werden. Der US-Amerikaner hatte von Herbst 1996 bis Frühjahr 1998 kein Rennen bestritten, weil bei ihm Hodenkrebs diagnostiziert worden war. Die Ärzte hatten ihm im Oktober 1996 nur eine geringe Überlebenschance attestiert. 1999 gewann der Texaner seine erste von sieben Frankreich-Rundfahrten.

(apa/red)

6.9.2005 15:48