Mittwoch, 7. September 2005

Traumatisierung nach Hurrikan: ÖRK-Team verhinderte Mord & Selbstmord auf US-Flug

  • Amerikaner schnitt sich mit Rasierklinge Pulsadern auf
  • Österreicher verabreichten getarntes Beruhigungsmittel

Das Österreichische Rote Kreuz leistete am Dienstag auf dem Rückflug aus dem US-Krisengebiet noch einmal Hilfe in letzter Sekunde. Auf dem Flug von Houston nach Washington drohte ein junger und von den Ereignissen in New Orleans traumatisierter Amerikaner damit, sich und andere Fluggäste umzubringen. Wie ÖRK-Einsatzleiter Jürgen Högl im Telefonat mit der APA sagte, habe der junge Mann eine Rasierklinge an Bord des Flugzeugs geschmuggelt, mit der er sich die Pulsadern aufschnitt. Die Helfer des ÖRK konnten aber das Schlimmste verhindern.

Der 21-jährige gehörte zu einer siebenköpfigen Gruppe von Personen, die aus New Orleans flüchten konnten und die vergangene Woche im Astrodome-Stadion in Houston verbracht haben. Ein Mann aus Florida bot, so Högl, wahllos diesen sieben Menschen aus diesem Flüchtlingslager ein neues Leben in Florida an und setzte sie mit dem Versprechen für einen Neuanfang mit Job und Unterkunft, in das Flugzeug gen Washington.

Unterwegs sei der junge Mann "plötzlich ausgezuckt", so Högl. Er schnitt sich mit einer Rasierklinge die Pulsadern auf, rief nach seiner Mutter und drohte damit, "auch andere zu ermorden, die ihm zu nahe kämen." Die zwei österreichischen Rotkreuz-Helfer, neben Högl noch der steirische Notarzt Dr. Johann Kainz, wurden gerufen. Es gelang den Österreichern, durch langes Reden und Beruhigen eine Vertrauensbasis zu schaffen und dem Mann schließlich ein als Kopfschmerzmittel getarntes Beruhigungsmittel einzuflößen.

Nachdem sich der Suizidgefährdete, der sich die Pulsadern glücklicherweise quer und nicht längs aufgeschnitten hatte, einigermaßen beruhigt hatte und sich ärztlich von Kainz versorgen ließ, vereinbarten die Helfer mit dem Piloten eine Zwischenlandung in Nashville. Die übrigen Fluggäste hätten sich nicht mehr sicher gefühlt, berichtete Högl, nachdem es nicht gelungen war, dem Mann die Rasierklinge abzunehmen. In Nashville wurde der 21-Jährige von Bord gebracht. Auf Grund der daran anschließenden groß angelegten Sicherheitskontrolle verspätete sich der Flug in Washington dann derart, dass die ÖRK-Helfer den Anschluss nach Wien verpassten. Hier werden sie voraussichtlich am Donnerstag um 8.40 Uhr eintreffen. (apa)

7.9.2005 16:18