Mittwoch, 7. September 2005

Hurrikan "Katrina" belastet US-Wirtschaft:
Wachstum wird deutlich abgeschwächt

  • Wachstumsverlust von 0,5 Prozentpunkten
  • Telefongesellschaft schätzt Schaden von 600 Mio. $

Die vom Hurrikan "Katrina" verursachten Schäden wirken sich in den USA nicht nur in Form hoher Benzin-, Erdgas- und Heizölpreise aus, sondern könnten auch Stahl, Baumaterial, Holz, Papier, Chemieprodukte, Teer und Agrarerzeugnisse verteuern, schätzen amerikanische Wirtschaftsexperten. US-Finanzminister John Snow geht für die US-Wirtschaft von einem Wachstumsverlust von 0,5 Prozentpunkten im laufenden Jahr aus, der jedoch 2006 durch verstärktes Wachstum wieder wettgemacht werden könnte.

Hauptproblem sind Experten zufolge die hohen Energiepreise, die sich in Form höherer Kosten für die Industrieunternehmen sowie durch die starke Verteuerung des Transports massiv auswirkten. Hinzu kämen teure Umwege über alternative Häfen zu dem noch immer von den Hurrikan-Auswirkungen stark beeinträchtigten Großhafen New Orleans.

Sorge bereitet auch das Anlaufen der Getreideernte im Frühherbst im Mittleren Westen, von der ein erheblicher Teil über den Mississippi nach New Orleans transportiert und von dort aus exportiert wird. New Orleans ist auch ein führender Einfuhr- und Exporthafen für Stahl, Gummi, Papier, Chemieprodukte, Bananen, Kaffee und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse.

BellSouth, die größte Telefongesellschaft im Katastrophengebiet, hat eine erste Schadensschätzung von 400 bis 600 Mio. Dollar gemacht. Die zwei Dutzend Spielkasinos in Biloxi und Gulfport (Bundesstaat Mississippi) sind zum Teil zerstört oder beschädigt worden. Sie haben jährliche Einnahmen von 1,2 Mrd. Dollar. Die Kasinos in Louisiana, die ebenfalls teilweise schwer beschädigt worden sind, bringen normalerweise Einkünfte von fast 1,5 Mrd. Dollar.

Das Weiße Haus wird voraussichtlich in Kürze um zusätzliche Sonderbewilligungen von 40 Mrd. Dollar im Kongress für die Bewältigung der "Katrina"-Schäden nachsuchen, nachdem die Anfangsbewilligung von 10,5 Mrd. Dollar bald aufgebraucht sein dürfte.

Das "Wall Street Journal" verwies am Mittwoch auf erste Kongress-Schätzungen von 150 bis 200 Mrd. Dollar für die Versorgung der Hurrikan-Opfer und den Wiederaufbau. Damit sei "Katrina" auf dem Weg, die kostspieligste amerikanische Naturkatastrophe zu werden. Die Zeitung verwies auf eine erste Schätzung des demokratischen Senators Larry Reid von 150 Mrd. Dollar und eine Schätzung des republikanischen Senators Judd Gregg, der 200 Mrd. Dollar genannt hatte.


(apa/red)

7.9.2005 14:41