Samstag, 10. September 2005

Bundestags-Wahl: FDP setzt im Wahlkampf-Endspurt auf Zweitstimmenkampagne

  • Bosbach: FDP soll nicht auf Kosten der Union zulegen
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Die FDP will den Endspurt des deutschen Wahlkampfes mit einer massiven Zweitstimmenkampagne bestreiten. Diese müsse spätestens Mitte nächster Woche beginnen, sagte Parteivize Rainer Brüderle der "Bild am Sonntag". Unterstützung erhielt er von FDP-Präsidiumsmitglied Hermann Otto Solms: "Jeder, der politisch denkt, weiß, dass wir keine Direktmandate gewinnen. Wir wollen die Zweitstimme der Unions-Sympathisanten", sagte Solms dem "Focus". Die FDP kommt am Sonntag in Berlin zu einem Parteitag zusammen, auf dem der Parteivorsitzende Guido Westerwelle seine Personalvorstellungen für eine mögliche Koalition mit der Union konkretisieren will.

Brüderle sagte der "BamS": "Wir alle in der Führungsspitze der FDP müssen jetzt stärker zuspitzen. Wir müssen Inhalte und Personen deutlicher herausstellen und den Menschen endlich klarmachen, dass eine große Koalition verheerend für Deutschland wäre." "FDP-Wähler sollten mit der Erststimme die CDU-Kandidaten wählen", sagte Solms dem "Focus".

Westerwelle will nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" im Falle eines Wahlsieges von Union und FDP zugunsten von FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt auf das Amt des Außenministers verzichten. "Ich will eine Aufgabe übernehmen, die es möglich macht, dass ich vor Ort, in Deutschland, den politischen Neuanfang mit durchsetze", sagte er der Zeitung. "Das kann man nicht, wenn man auf Antrittsreisen viel in der Welt unterwegs ist." Ob er bei einem schwarz-gelben Bündnis ein Ministeramt oder den Fraktionsvorsitz übernehmen will, ließ der Parteichef offen. "Vor der Wahl werde ich hierzu keinerlei Festlegungen treffen, sondern für unsere liberalen Inhalte werben", sagte er.

Westerwelle kritisierte die Wahlkampfführung der Union und deren Finanzexperten Paul Kirchhof. "Mich ärgert, dass in den letzten Tagen nur noch über Steuer-Theorie gesprochen wird", sagte er. "Wir sind aber in keinem Seminar", sagte Westerwelle mit Blick auf den Finanzexperten im Kompetenzteam der Union. "Es gehe nicht "um die Selbstverwirklichung von noch so klugen Leuten, sondern um Arbeitsplätze". Im Zentrum der Debatte solle daher stehen, was das Thema Steuern für "den Aufschwung und für neue Arbeitsplätze bedeutet". In der "Bild am Sonntag" erteilte er einer möglichen Ampelkoalition mit SPD und Grünen ein klare Absage. "Ein Bündnis mit den rot-grünen Pleitegeiern ist völlig ausgeschlossen", sagte der FDP-Chef.

Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach forderte die FDP zu mehr Anstrengungen kurz vor der Wahl auf. "Die FDP hat ihr Wählerpotenzial noch nicht ausgeschöpft", sagte Bosbach der "Berliner Zeitung" vom Samstag. Der FDP-Parteitag am Sonntag müsse Signale setzen, mit denen das liberale Klientel angesprochen werde. Dies dürfe jedoch nicht zu Lasten der Union gehen. "Ich wäre nicht traurig, wenn die FDP noch zulegen würde, aber nicht auf unsere Kosten."

(apa/red)

10.9.2005 16:43