Donnerstag, 8. September 2005

Kopf-an-Kopf-Rennen: Schwarz-Gelb und Rot-Rot-Grün liegen in Umfragen gleichauf

  • SPD kann sich weiter verbessern: Derzeit auf 32,9 %
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Die großen politischen Lager aus Union und FDP einerseits sowie SPD, Grünen und der Linkspartei andererseits liefern sich auch nach einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die SPD verbesserte sich wenige Tage vor der Bundestagswahl nach der Umfrage im Auftrag der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Mittwoch auf 32,9 Prozent der Wählerstimmen.

Die Union erreicht demnach nur noch 41,7 Prozent und damit 0,2 Prozentpunkte weniger als im Vormonat. Die Grünen kommen auf 7,2 Prozent, die FDP auf sieben Prozent, die Linkspartei rangiert bei 8,5 Prozent. Eine schwarz-gelbe Koalition käme damit auf 48,7 Prozent, SPD, Grüne und Linkspartei zusammen auf 48,6 Prozent.

Schwarz-Gelb käme nach einer GMS-Umfrage vom Montag auf 49 Prozent, Rot-Rot-Grün nur auf 48 Prozent. Eine ebenfalls am Montag veröffentlichte Forsa-Umfrage war zu einem genau umgekehrten Ergebnis gekommen: 49 Prozent für Rot-Rot-Grün und 48 Prozent für Schwarz-Gelb. Mit einem verschärften Lager-Wahlkampf will die Union (CDU/CSU) in der letzten Woche vor der Bundestagswahl zusätzliche Stimmen für sich mobilisieren. CDU-Generalsekretär Volker Kauder erklärte am Montag in Berlin, insbesondere Wechselwählern solle klar gemacht werden, dass nur die Union einen klaren Kurs garantiere. Wer SPD wähle, wisse dagegen nicht, was er für seine Stimme bekomme.

"Klarer Kurs statt Rot-Rot-Grün" zitierte Kauder den Text der für die letzte Woche vorgesehenen Plakate. Wenn es nach den 18. September rechnerisch möglich sei, werde es eine Koalition aus SPD, Linkspartei und Grünen geben. Auf das Wort von SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder sei kein Verlass. Die Union werde bis zuletzt kämpfen. So werde Kanzlerkandidatin Angela Merkel am Freitag auf einer Großveranstaltung in Berlin und am Samstag beim Wahlkampfabschluss der nordrhein-westfälischen CDU in Bonn auftreten.

Für CSU schlechte Umfragewerte kein Grund zur Panik
CSU-Generalsekretär Markus Söder sieht trotz sinkender Umfragewerte für die Union keinen Grund zur Panik. Auch Söder wies Spekulationen über die Bildung einer großen Koalition scharf zurück. Der Anstieg der SPD-Umfragewerte sei nicht überraschend, betonte Söder. Bundeskanzler Gerhard Schröder habe jedoch "sein Potenzial erschöpft". "Wir werden die letzte Woche noch einmal nutzen zu einer harten Auseinandersetzung."

Absage an große Koalition
Eine große Koalition aus Union und SPD würde nach Worten von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt die Probleme in Deutschland nicht lösen können. Deutschland befinde sich in einer hochgradig Besorgnis erregenden Situation, sagte Hundt am Montag in Berlin. Seine große Sorge sei, dass die Probleme des Landes von einer großen Koalition nicht gelöst werden können.

FDP warnt vor großer Koalition
Auch FDP-Generalsekretär Dirk Niebel warnte vor einer Großen Koalition aus SPD, CDU und CSU. Im rbb-Inforadio sagte Niebel am Montag, in einer solchen Koalition wäre die Union erpressbar. Wenn es für Schwarz-Gelb keine Mehrheit gebe, dann gebe es rechnerisch eine Mehrheit für Rot-Rot-Grün. Für die FDP sei die einzig mögliche Koalition die mit der Union.

Grün beharrt auf bisherigem Koalitionspartner
Grünen-Chef Reinhard Bütikofer sah für seine Partei ebenfalls nur eine einzige Koalitionsmöglichkeit. "Wir wollen wieder Rot-Grün", sagte er der "Passauer Neuen Presse. Falls es dafür nicht reiche, "gehen wir eben in die Opposition". Auch einer Ampelkoalition mit SPD und FDP erteilte er eine Absage. Zwischen FDP und Grünen gebe es "keine ausreichenden Schnittmengen".

Koch: SPD will Koalition mit Linkspartei
Nach Ansicht des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) setzt die SPD auf eine Koalition mit der Linkspartei. Zur Begründung nannte Koch das von Bundeskanzler Gerhard Schröder vorgegebene Ziel von 38 Prozent für die SPD. Damit könne Schröder nicht mehr Kanzler einer rot-grünen Regierung sein. Er könne den Grünen ja keine 12 Prozent unterstellen. "Wenn die SPD also mit 38 Prozent zufrieden ist, setzt sie bewusst auf eine Linkskoalition, die die PDS mit einbezieht."

Eine Große Koalition wäre laut Koch "schrecklich für das Land, weil sie jahrelangen Stillstand bedeuten würde". Ähnlich argumentierte der saarländische Regierungschef Peter Müller (CDU) im "Handelsblatt".

Umfrage: Schwarz-Gelb weiter ohne Mehrheit - SPD im Aufwind
Bei der Forsa-Umfrage im Auftrag des Hamburger Magazins "Stern" und des Privatsenders RTL erreichte die Union unverändert 42 Prozent und die FDP 6 Prozent. Die Sozialdemokraten konnten dagegen um einen Punkt auf 35 Prozent zulegen, während für die Grünen erneut 7 Prozent der 2.504 Befragten stimmten. Die Linkspartei fiel laut Forsa um einen Punkt auf 7 Prozent zurück. Somit käme Schwarz-Gelb nach dieser Umfrage momentan auf nur 48 Prozent der Stimmen. SPD, Grüne und Linkspartei könnten dagegen zusammen 49 Prozent erreichen. Zu ähnlichen Ergebnissen waren auch jüngste Umfragen anderer Meinungsforschungsinstitute gekommen.

GMS-Umfrage sieht Schwarz-Gelb wieder knapp vorn
Die in Hamburg beheimatete Gesellschaft für Markt- und Sozialforschung (GMS) sieht für Union und FDP wieder einen knappen Vorsprung von einem Prozentpunkt. Nach dem am Montag veröffentlichten Ergebnis der vom 7. bis 10. September durchgeführten Repräsentativumfrage (1.008 Befragte) kämen CDU und CSU auf 42 Prozent und die FDP auf 7 Prozent. Für die SPD würden 33 Prozent der Wählerinnen und Wähler stimmen, für die Grünen 8 Prozent und für die Linkspartei 7 Prozent.

Schwarz-Gelb käme demnach auf 49 Prozent, Rot-Rot-Grün nur auf 48 Prozent. Nach den Erkenntnissen der Hamburger Demoskopen sind vor allem zwei Wählergruppen deutlich geschrumpft. Zum einen ging der Anteil der Nichtwähler und Unentschlossenen von rund 28 Prozent im August auf nunmehr 21 Prozent zurück. Zugleich verlor die Linkspartei von 10 auf 7 Prozent.
(apa/red)

8.9.2005 12:27