Schröder-Gattin mit neuer Kritik an Merkel:
"Hat in 90ern als Frauenministerin versagt"
- Ergebnis: "40% der Akademikerinnen kinderlos"

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Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf hat bei ihrer Kritik an Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU) nachgelegt und ihr Versagen als deutsche Frauenministerin in den 90er Jahren vorgeworfen. "Damals hatte Frau Merkel Verantwortung für eines der wichtigsten Zukunftsfelder und sie hat klar versagt", sagte die 42-Jährige der Illustrierten "Bunte".
Von Merkel sei damals keine Hilfe gekommen, "wenn ihre Parteifreundin Rita Süssmuth einen einsamen Kampf für eine bessere Kinderbetreuung oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf führte". Schröder-Köpf fügte hinzu, als Ergebnis seien etwa 40 Prozent der Akademikerinnen ihrer Generation kinderlos geblieben.
Schröder-Ehefrau greift Merkel an
Kanzler-Ehefrau Doris Schröder-Köpf hat mit ihrer Kritik an Unions-Kandidatin Angela Merkel eine kontroverse Debatte in Deutschland ausgelöst. Die Feministin und Publizistin Alice Schwarzer griff in der "Berliner Zeitung" besonders eine Anspielung von Schröder-Köpf auf die Kinderlosigkeit der CDU-Vorsitzenden scharf an. Die Kanzler-Ehefrau hatte der politischen Konkurrentin ihres Mannes vorgeworfen, diese habe nicht genug Einblick in die Probleme berufstätiger Mütter. Unterstützung erhielt sie aus der SPD.
Schröder-Köpf hatte in der Wochenzeitung "Die Zeit" gesagt, Merkels Politik sei "nie frauen- oder familienfreundlich" gewesen, auch nicht als Frauenministerin im Kabinett von Helmut Kohl (CDU). "Frau Merkel verkörpert mit ihrer Biografie nicht die Erfahrungen der meisten Frauen. Die beschäftigt, wie sie Familie und Job unter einen Hut bekommen, (...). Das ist nicht Merkels Welt", wurde Schröder-Köpf zitiert, die Merkel deswegen für den Rückgang der Geburtenzahlen in Deutschland mitverantwortlich machte.
"Ich halte es für unverantwortlich, dass die Kanzlergattin es wagt, die Kanzlerkandidatin deswegen anzugreifen", sagte Schwarzer zu dem Hinweis auf Merkels Biografie. Schröder-Köpf treffe damit Millionen Frauen und propagiere so ein Frauenbild aus dem 19. Jahrhundert, kritisierte die Herausgeberin der Frauenzeitschrift "Emma". Auf die Frage, was sie von einer Kanzlerin Merkel erwarte, sagte Schwarzer der "Berliner Zeitung" weiter: "Das Mindeste, was ich von einer Kanzlerin Merkel erwarte, ist, dass ich Sprüche wie die der sozialdemokratischen Kanzlergattin nicht mehr hören muss. Und dass die kleinen Mädchen in Deutschland sehen: Frau kann auch Bundeskanzlerin werden."
"Doris Schröder-Köpf hat Recht", erklärte dagegen SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier. Merkel sei "nicht die frauenpolitische Hoffnungsträgerin, als die sie sich in diesen Tagen präsentiert". Wettig-Danielmeier verwies auf eine ihrer Ansicht nach dürftige Bilanz der heutigen Kanzlerkandidatin als Bundesfrauenministerin in den Jahren 1991 bis 1994 zum Beispiel in der Diskussion um den Abtreibungsparagrafen 218, Frauenförderung im öffentlichen Dienst und zur Reform des Namensrechts. "Von Angela Merkel haben Frauen keine gleichen Rechte zu erwarten", lautete die Bilanz der SPD-Politikerin.
SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter kritisierte, die Themen Frauen und Familie kämen im CDU-Wahlprogramm überhaupt nicht vor. Benneter warf Merkel vor, sie wolle das rot-grüne Betreuungsgesetz für die unter Dreijährigen "einstampfen". Familienförderung werde bei der CDU "reduziert auf einen 50-Euro-Bonus bei der Rente und Steuerfreibeträge, die nur Spitzenverdienern nützen". (apa)
