"Duell um Deutschland" geschlagen: Merkel attackierte - Schröder punktete mit Witz!
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von Merkel und Schröder
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Am Ende gab es einen flüchtigen Händedruck. Die versöhnliche Geste zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel nach dem TV-Duell genügte der Form. Hinter ihnen lagen 90 Minuten teils aggressiv geführtem Schlagabtausch, in dem einander der Amtsinhaber und die Herausforderin nichts schenkten. Schröder punktete beim Publikum nach den ersten Erhebungen offenbar mit seiner Lockerheit und Späßen, Merkel attackierte den Kanzler äußerlich ruhig, aber in der Sache scharf und überzeugte in den Themenfeldern Wirtschaft und Arbeit.
Nach der ersten Umfrage lag der Kanzler allerdings ganz klar vorn in der Zuschauergunst - vor allem, weil diese ihn glaubwürdiger und symphatischer fanden.
Dabei war Schröder gleich zu Beginn des Rede-Duells ins Schleudern gekommen. Beim Vergleich der Schuldenstände von Anfang seiner Amtszeit mit denen von heute, gewannen Beobachter den Eindruck, er wollte vom Ende der Amtszeit sprechen, bevor er sich in die Formulierung "Ende des Jahres" rettete. Doch dann verlegte sich der Kanzler immer häufiger auf Versuche, Merkel und auch die Fragesteller mit Scherzen aus dem Konzept zu bringen.
Scherze und eine Liebeserklärung des Kanzlers
In der Diskussion über die Verwendung der Mehrwertsteuer, warnte er Merkel ironisch vor einer Auseinandersetzung mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU): "Viel Spaß mit Herrn Stoiber, wenn's ums Geld geht." Als ihm die Moderatoren Äußerungen seines Vizekanzlers und Außenministers Joschka Fischer über eine obligatorische Pflicht der Rentenvorsorge vorhielten, nannte er diesen einen bekannten Rentenexperten. Die Journalistin Maybritt Illner wies er zurecht, als sie Merkel fragte, ob sie garantieren könne, den Finanzexperten Paul Kirchhof zum Finanzminister zu machen: "Nein, das kann sie natürlich nicht, weil sie nicht die Wahl gewinnt."
Alleine seine Antwort auf die Frage nach den Äußerungen seiner Frau, Doris Schröder-Köpf, über Merkels Familienpolitik stieß auf negatives Echo. Bundesinnenminister Otto Schily sagte, das hätte ruhig kürzer ausfallen können. "Aber da hat jeder seinen eigenen Stil." Schröder hatte seiner Frau mitten in der Debatte um die Familienpolitik eine Liebeserklärung gemacht und gesagt: "Sie lebt das, was sie sagt und das ist nicht zuletzt der Grund, weshalb ich sie liebe."
Familienpolitik und Sozialstaat: Merkel attackierte
Merkel zeigte sich ebenfalls kämpferisch: Sie hielt dem Kanzler frühere Aussagen vor, in denen er Familienpolitik als Gedöns bezeichnet hatte. Sie wies ihn darauf hin, selbst gesagt zu haben, seine Regierung verdiene die Wiederwahl nicht, wenn die Arbeitslosigkeit nicht signifikant sinke. Sie warf Schröder vor, jede Reformidee, die nicht auf seiner Agenda stehe, als Angriff auf den Sozialstaat zu bezeichnen: "Das ist eine Kampagne", sagte sie. Mehrfach hielt sie Schröder vor, die Unwahrheit zu sagen. Soweit, wie Schröder fürchtete, ging Merkel dann aber nicht: "Irgendwann werfen Sie mir auch meine Kindheit vor", hatte der Kanzler prophezeit.
Zuschauer auch von Nachberichterstattung beeinflusst
Nach Ansicht des Wissenschaftlers Thorsten Faas von der Universität Duisburg kann die Einschätzung der Zuschauer sich in den kommenden Tagen noch relativieren. Die politische Kommentierung und die Einschätzung der Massenmedien trügen einen erheblichen Teil zur Meinungsbildung über das Gespräch teil. Es gebe jedoch nur eine ganz kleine Gruppe, in der eine TV-Debatte tatsächlich zu einer Entscheidung beitrage, die Uninteressierten und Politikfernen. "Einem überzeugten Anhänger kann der Kandidat auch das Telefonbuch vortragen, er sieht ihn immer noch als Sieger."
In den Parteien selbst kamen die jeweiligen Favoriten gut an. So war der Abgeordnete Schröder über Merkel voll des Lobes. Sie sei die Gewinnerin des Duells und habe in ihrer wesentlich zukunftsgewandter und transparenter gewirkt. "Frau Merkel war hervorragend." Die Abgeordnete Merkel sagte über Schröder: "Der Kanzler hat gewonnen." Er wisse wovon er rede und wie die Menschen lebten. Es sei ihm gelungen, ein positives Bild über Deutschland zu zeichnen. Das Lob ist allerdings kaum verwunderlich. Das CDU-Mitglied Ole Schröder ist Bundestagsabgeordneter aus dem Kreis Pinneberg, während die SPD-Politikerin Petra Merkel sich in Berlin wieder um ein Mandat bewirbt.
Stoiber: Merkel hat in fairem Duell klar gepunktet
Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel hat nach Ansicht von CSU-Chef Edmund Stoiber im TV-Duell mit dem deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) klar gepunktet. Stoiber wertete das Streitgespräch am Montag als "faires Duell". Merkel sei gegen den Medienkanzler in die Offensive gegangen. Bei Schröder sei deutlich geworden, dass er Abschied nehme. "Es war schon auffällig, dass Schröder kaum einen Gedanken für die Zukunft Deutschlands vorgestellt, dafür um so mehr über die Vergangenheit geredet hat."
21 Millionen Deutsche sahen zu
Im deutschen Bundestags-Wahlkampf ist das erste und einzige TV-Duell zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und der Unions-Kandidatin Angela Merkel auf immenses Interesse gestoßen: Fast 21 Millionen Zuschauer verfolgte die Debatte in vier Programmen.
Wie die Sender am Montag mitteilten, entspricht dies einem Marktanteil von 59,7 Prozent. Damit war das Streitgespräch vom Vorabend die bisher meistgesehene Sendung dieses Jahres im deutschen Fernsehen. Die ARD lag mit 9,69 Millionen Zuschauern vor ZDF, RTL und Sat.1, die die Debatte ebenfalls live übertragen hatten.
Zwei Wochen vor der Wahl sahen Politiker von SPD und Grünen den Kanzler als Sieger des Duells, Politiker von Union und FDP sprachen der Kandidatin einen Erfolg zu. Medien-Experten betonten, Schröder sei seinem Fernseh-Talent gerecht geworden. Merkel habe sich aber souverän gezeigt und und damit besser als erwartet abgeschnitten.
Auch in ersten Umfragen wurde Merkel bescheinigt, die Erwartungen übertroffen zu haben. Mit klarem Vorsprung bewerteten die Zuschauer aber Schröder als sympathischer und überzeugender. Deutlich vorn lag er auch bei der Frage, wer lieber als Kanzler gewünscht wurde.
Merkel sei überzeugender beim Thema Arbeitsmarkt gewesen, hieß es weiter. Ihr würde auch zugetraut, neue Stellen zu schaffen. Schröder lag dagegen beim Thema Außenpolitik wie Pensionen weit vorne.
Am 12. September treffen der Kanzler und seine Herausforderin noch einmal im Fernsehen aufeinander. Mit dabei sind dann aber auch die Spitzenkandidaten der Grünen, der CSU, der FDP und der Linkspartei.
Die jüngsten Wahl-Umfragen bestätigten erneut eine knappe Mehrheit von Union und FDP vor Rot-Grün plus Linkspartei.
Das deutsche TV-Duell ist auch in Österreich auf Zuschauerinteresse gestoßen. 239.000 Österreicher verfolgten die Diskussion im Ersten Deutschen Fernsehen (ARD), weitere 85.000 schalteten im ZDF ein, geht aus den Teletest-Daten hervor.
Müntefering erwartet SPD-Wahlsieg
SPD-Chef Franz Müntefering erwartet, dass die SPD die deutsche Bundestagswahl als stärkste Partei gewinnen wird. "Es steht Spitz auf Knopf", sagte Müntefering am Montag auf einer Wahlkampfkundgebung im niederbayerischen Abensberg. Aber in zwei Wochen werde die SPD knapp "die Nase wieder vorn gehabt haben", prophezeite Müntefering unter dem Beifall mehrerer hundert Anhänger. Bundeskanzler Gerhard Schröder habe das Fernsehduell mit Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel klar für sich entschieden.
Unter Hinweis auf die hohen Ölpreise griff der SPD-Vorsitzende die Unionspläne für eine Kürzung der Pendlerpauschale und Erhöhung der Mehrwertsteuer scharf an: "Die sollen aufhören mit so 'nem Quatsch", forderte er. Leidenschaftlich warb Müntefering für den Ausbau der Sonnenenergie und die schrittweise Abschaltung der Atomkraftwerke. Bundesumweltminister Jürgen Trittin forderte ebenfalls in Abensberg, ein Viertel des Stroms müsse aus nachwachsenden Energien kommen. "Nur eine Partei im Lande steht dafür: die Grünen", sagte Trittin.
(apa/red)
