Samstag, 10. September 2005

Friedenssicherung im Nahen Osten: Ägypten
schickt seine Soldaten an die Gaza-Grenze

  • Keine "Grenzschützer" in der Pufferzone
  • Waffenschmuggel soll verhindert werden

Ägypten hat vereinbarungsgemäß mit der Stationierung von Militär an der Grenze zum Gaza-Streifen begonnen. Die Israelis bezeichnen diese als "Grenzschützer" oder "Grenzpolizisten", weil nach den Bestimmungen des Friedensvertrages von Camp David keine ägyptischen "Soldaten" in diesem Teil des Sinai stationiert sein dürfen. Wie ein ranghoher Sicherheitsbeamter mitteilte, wurde das gesamte Gebiet abgeriegelt.

Nach monatelangen Verhandlungen hatten sich Ägypten und Israel in der vergangenen Woche auf die Aufstellung von 750 leicht bewaffneten ägyptischen Patrouillesoldaten entlang der von Israel auf palästinensischem Gebiet errichteten Pufferzone verständigt. Der so genannte Philadelphi-Korridor ist etwa hundert Meter breit und elf Kilometer lang, exakt die Grenze zwischen Ägypten und dem Gaza-Streifen. Die Ägypter würden die umfassende Verantwortung dafür tragen, Waffenschmuggel über den Korridor zu verhindern, erklärte der israelische Verteidigungsminister Shaul Mofaz.

Israel will seinen militärischen Abzug aus dem Gaza-Streifen in der Nacht auf Montag abschließen, es sei denn, dass es noch zu einer Verzögerung wegen der umstrittenen Sprengung der Siedler-Synagogen kommt, worüber am Sonntag im israelischen Kabinett abgestimmt werden soll.

Israelische Soldaten haben im Gaza-Streifen einen Palästinenser angeschossen, der Steine gegen ihre Stellung geworfen hatte. Wie die israelischen Streitkräfte mitteilten, wurde der Mann in ein israelisches Krankenhaus geflogen. Der Zwischenfall ereignete sich am Freitagabend in der Nähe einer zerstörten Überführung, der die inzwischen geräumten jüdischen Siedlungen mit Israel verband. Nach palästinensischen Angaben handelt es sich bei dem Verletzten um einen 21-Jährigen.

Der israelische Vizepremier und Vorsitzende der Arbeiterpartei, Shimon Peres, hat eine rasche Aufnahme von Friedensverhandlungen mit den Palästinensern nach dem Gaza-Abzug als unwahrscheinlich bezeichnet. Zunächst müsse die palästinensische Regierung den Beweis liefern, dass sie in der Lage sei, das Gebiet wirkungsvoll zu kontrollieren, sagte Peres am Samstag dem israelischen Rundfunk. Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas hatte sich für sofortige Friedensverhandlung mit Israel nach dessen endgültigem Gaza-Abzug ausgesprochen. Sofortige Verhandlungen würden auch von den USA angestrebt, betonte Abbas. (apa/red)

10.9.2005 12:59