Freitag, 9. September 2005

Große Militäroffensive im Irak gestartet: US-Einheiten greifen Rebellenhochburg an

  • Mehr als 140 Aufständische in Tal Afar getötet
  • Bagdad schließt Grenzübergang zu Syrien

Bei einer Militäroffensive in Tal Afar nahe der syrischen Grenze haben irakische und amerikanischen Soldaten am Wochenende mehr als 140 Aufständische getötet. Seit Ende August seien außerdem 211 Terrorverdächtige festgenommen worden, sagte ein Sprecher der US-Streitkräfte. Die Regierung in Bagdad schloss den Grenzübergang Rabiyaa nach Syrien. Auch in Rutba nahe der jordanischen Grenze begann am Sonntag eine Militäraktion.

Sowohl der Irak als auch die USA haben Syrien wiederholt vorgeworfen, zu wenig gegen das Vordringen ausländischer Kämpfer über die Grenze unternehmen. Die Regierung verhängte am Samstag außerdem ein nächtliches Ausgehverbot für die Region um Rabiyaa. Tal Afar liegt etwa 100 Kilometer östlich des Grenzübergangs.

Ziel der seit Wochen erwarteten Offensive dort sei es, alle "terroristischen Elemente aus der Stadt zu entfernen", sagte der irakische Regierungschef Ibrahim al-Jaafari. An dem Einsatz, der nach Einschätzung des Verteidigungsministeriums bis zu Montag dauern sollte, waren rund 5.000 Soldaten beteiligt.

Fünf irakische Soldaten wurden nach Angaben des Innenministeriums getötet, drei weitere wurden verletzt. Ein Großteil der 200.000 Einwohner hat die Stadt Berichten zufolge verlassen. Die US-Streitkräfte hatten im vergangenen Jahr schon einmal versucht, die Aufständischen aus der 420 Kilometer nordwestlich von Bagdad gelegenen Stadt zu vertreiben. Die "Operation Zyklon" in Rutba sei gegen Terroristen von Al Kaida im Irak gerichtet, sagte ein Militärsprecher.

In Bagdad erschossen Aufständische am Sonntag einen Polizeigeneral, der im Innenministerium für die Polizeiausbildung zuständig war. Unbekannte eröffneten aus einem fahrenden Auto heraus das Feuer auf Generalmajor Adnan Abdul Rihman, als er gerade sein Haus verließ. Er war sofort tot. In Samarra starb ein US-Soldat bei der Explosion einer am Straßenrand versteckten Bombe. Zwei Soldaten wurden verletzt. Eine Bombenexplosion in Basra im Süden des Landes kostete einen britischen Soldaten das Leben, wie die irakische Polizei mitteilte.

Südlich von Bagdad entdeckte die Polizei am Samstag die Leichen von 18 an den Händen gefesselten Männern. Sie seien erschossen worden, sagte ein Polizeisprecher. Bei einer Bombenexplosion wurden fünf Menschen getötet, darunter drei Zivilpersonen.

Nach einem Streit zwischen der irakischen Regierung und einer privaten britischen Sicherheitsfirma wurde der Flughafen von Bagdad am Samstag wieder geöffnet. Er war am Freitag geschlossen worden, weil die Londoner Firma Global Strategies Group, die für die Sicherheit zuständig ist, ihre Arbeit einstellte. Ein Sprecher der Sicherheitsfirma sagte der Nachrichtenagentur AP, die Regierung habe die Zahlung von 50 Prozent der ausstehenden Gelder zugesichert.

Kuwait will den ehemaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein mit dem Tod bestraft sehen. Wie das Justizministerium am Sonntag laut der Nachrichtenagentur KUNA erklärte, hat die Regierung eine Liste mit Anklagepunkten fertig gestellt, die irakische Behörden Saddam Hussein vorwerfen sollen.(apa7red)

9.9.2005 21:40