Freitag, 9. September 2005

10.000 Menschen schlafen in Notquartieren:
Frankreich leidet unter neuem Hochwasser

  • Viele Straßen gesperrt, Hunderte wurden evakuiert

Neue heftige Regenfälle haben Südfrankreich das zweite Hochwasser-Chaos innerhalb weniger Tage beschert. Allein in der Stadt Nimes vor den Toren der Camargue und dem umliegenden Departement Gard mussten nach Angaben der Behörden mehr als 10.000 Menschen die Nacht in Notunterkünften verbringen.

Straßen befanden sich oft kniehoch unter Wasser, Autos standen quer. Rettungshelfer mussten viele Autofahrer und ältere Bewohner der Unwetterregion per Hubschrauber vor den Fluten in Sicherheit bringen. Bis Freitagnachmittag entspannte sich die Lage teilweise wieder. Erst am Dienstag und Mittwoch hatten schwere Regenfälle mit teils 400 Millimeter Niederschlag binnen 24 Stunden in Nimes und Umgebung für Überschwemmungen gesorgt.

Angaben der Behörden zufolge wurden um Montpellier und Nimes innerhalb von weniger als zwei Stunden erneut 80 bis 120 Millimeter Niederschlag verzeichnet; dies entspricht 80 bis 120 Liter Regenwasser auf einen Quadratmeter. "Unsere schlimmsten Vorhersagen wurden übertroffen", sagte ein Wetterexperte des regionalen Krisenstabes. Etwa 4.500 Schüler und rund 500 Erwachsene verbrachten die Nacht vorsichtshalber in Schulen, wo Mahlzeiten und Notunterkünfte bereitgestellt worden waren.

Straßen gesperrt, Hunderte evakuiert
Dutzende Fernstraßen mussten gesperrt werden, mehrere hundert Menschen wurden evvakuiert. In der Innenstadt von Nimes wurden teilweise 40 Zentimeter Wasserhöhe gemessen. Bei Vestric im Süden der Stadt brach ein Deich. Große Teile des Dorfes standen unter Wasser. Die Bewohner mussten von außen mit Trinkwasser versorgt werden. Vielerorts fielen auch Strom und Telefon aus. Mehrere tausend Leitungsmasten wurden beschädigt.

Die Teilsperrungen der Autobahnen A54 und der A19 wurden zumindest für den Durchgangsverkehr wieder aufgehoben. Die Ab- und Auffahrten dieser Autobahnen im Departement Gard blieben aber aus Sicherheitsgründen zunächst weiter geschlossen. Auch der Bahnverkehr im Departement blieb ausgesetzt. Um Nimes habe sich "ein richtiger See" gebildet, erklärte die Staatsbahn SCNF. Die Schienenverbindung zwischen Nimes und Lunel im Departement Herault wurde gesperrt.

800 Bahnraisenda saßen fest
800 Bahnreisende verbrachten die Nacht in den Bahnhöfen Montpellier und Narbonne in eigens bereitgestellten Zügen. In Lyon wurden mehrere Züge Richtung Süden festgehalten. Nach SNCF-Angaben verschoben etwa 250 Passagiere auf Vorschlag der Eisenbahn ihre Reisen Richtung Languedoc-Roussillon und kehrten nach Lille oder Paris zurück. Weitere 300 Menschen harrten lieber in den Zügen aus. (apa)

9.9.2005 14:12