Freitag, 9. September 2005

UNO-Chefanklägerin: Keine EU-Gespräche mit Belgrad ohne Mladic-Auslieferung

  • Del Ponte widersetzt sich Erweiterungskommissar
  • Mutmaßlicher Kriegsverbrecher ist untergetaucht

Keine EU-Beitrittsverhandlungen mit Serbien-Montenegro, bevor der mutmaßliche Kriegsverbrecher Ratko Mladic verhaftet ist: UNO-Chefanklägerin Carla Del Ponte stellt sich gegen Verhandlungen mit dem Balkan-Staat. "Die Verhaftung und Auslieferung an Den Haag sind die Vorbedingung für den Beginn der Gespräche", sagte Del Ponte

"Ich hoffe, dass die EU die Auslieferung von Mladic als Vorbedingung dafür stellt." Der frühere Militärkommandant der bosnischen Serben halte sich nach wie vor in Serbien auf, werde aber von der Armee geschützt, zeigte sich Del Ponte gegenüber der in Sarajevo erscheinenden Zeitung "Dnevni avaz" überzeugt.

Del Ponte widersetzte sich damit Ankündigungen des EU-Erweiterungskommissars Oli Rehn, die für Anfang Oktober geplanten Verhandlungen der EU mit Serbien-Montenegro über eine weitere Annäherung könnten auch ohne die Verhaftung von Mladic beginnen. Der stellvertretende serbische Regierungschef Miroljub Labus hatte ebenfalls behauptet, die Mladic-Auslieferung sei inzwischen keine Bedingung mehr für die Gespräche mit Brüssel. Mladic und der frühere politische Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, der sich in Bosnien oder Montenegro verstecken soll, sind seit neun Jahren auf der Flucht. (apa/red)

9.9.2005 13:58