Attentat in Gaza: Palästinensischer Ex-Sicherheitschef Mussa Arafat erschossen
- Militante Palästinenser töteten Neffen von Yasser
- Mordanschlag fordert palästinensische Führung heraus
Nach der Ermordung des Ex-Sicherheitschefs im Gaza-Streifen, eines Neffen des verstorbenen Präsidenten Yasser Arafat, sieht sich die palästinensische Regierung durch extremistische Kräfte herausgefordert, während Israel seinen Militärabzug vorverlegen will. Nach einem heftigen Feuergefecht mit Leibwächtern in unmittelbarer Nähe des Hauptquartiers der palästinensischen Sicherheitskräfte in Gaza drangen Dutzende von Bewaffneten am Mittwochmorgen in das Haus des 65-jährigen Mussa Arafat ein, zerrten ihn auf die Straße und erschossen ihn aus nächster Nähe. Sein Sohn Manhal wurde entführt. Zu der Tat bekannten sich die radikalen "Volkswiderstandskomitees".
In der Erklärung der "Volkswiderstandskomitees" wurde Mussa Arafat als "Kollaborateur" gebrandmarkt. "Wir haben dem Gesetz Gottes zum Durchbruch verholfen", erklärte ein Sprecher der Gruppe. Zusammen mit Manhal Arafat wurden nach palästinensischen Angaben auch drei Leibwächter entführt, später aber auf freien Fuß gesetzt. Den "Volkswiderstandskomitees" gehören radikale Dissidenten der regierenden Fatah sowie der Hamas und des Islamischen Jihad an. Die Untergrundgruppe hat sich in der Vergangenheit zu mehreren Attentaten auf Israelis bekannt.
Mussa Arafat, gegen den wiederholt Korruptionsvorwürfe erhoben worden waren, wurde nach dem Tod seines Onkels im November 2004 vom neuen Präsidenten Mahmoud Abbas als Sicherheitschef entlassen und zum militärischen Berater degradiert.
Abbas berief nach dem Attentat eine Krisensitzung des Sicherheitsrates mit Ministerpräsident Ahmed Korei und ranghohen Offizieren ein. Die palästinensischen Sicherheitskräfte wurden in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Der Präsident drückte seine Entschlossenheit aus, die Mörder zur Strecke zu bringen und im Gaza-Streifen für Ruhe und Ordnung zu sorgen.
Die israelischen Streitkräfte baten die Regierung von Premier Ariel Sharon, angesichts der chaotischen Lage im Gaza-Streifen den endgültigen Abzug schon vor dem Zieldatum am 15. September abschließen zu dürfen. Darüber wollte das israelische Kabinett am Mittwochabend beraten. Ranghohe Offiziere hatten in der Zeitung "Yedioth Ahronoth" gefordert, die Armee sofort aus dem Gaza-Streifen abzuziehen, da die Gefahr einer Eskalation täglich wachse. Am Dienstagabend hatten hunderte Palästinenser versucht, in die geräumte Siedlung Neve Dekalim im südlichen Gaza-Streifen einzudringen, Soldaten mit Steinen beworfen und versucht, auf einen Panzer zu klettern. Dabei war ein Palästinenser von den Truppen erschossen worden.
Außenminister Silvan Shalom sagte dem israelischen Rundfunk, es sei "falsch, länger als unbedingt nötig (im Gaza-Streifen) zu bleiben". Angesichts des Mordes an Mussa Arafat forderte Shalom Abbas zu einem entschlossenen Vorgehen gegen die Extremistengruppen auf. "Abbas muss jetzt aufwachen und die militanten Organisationen zerschlagen", sagte Shalom. (apa/red)
