Freitag, 9. September 2005

Das Duell um die grüne Mark: Klasnic und Voves liefern sich Kopf-an-Kopf-Rennen!

  • Steiermark bald rot? NEWS über das Wahlkampffinale
  • PLUS: VP- & SP-Spitzenkandidat im NEWS-Interview

Die Wahl in der Steiermark entwickelt sich immer stärker zum Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen ÖVP und SPÖ. VP-Chefin Waltraud Klasnic muss im Finale des Wahlkampfs um jede Stimme kämpfen. Wird nach Salzburg auch die Steiermark rot?

Sieben Tage in der Woche ist sie auf Achse, täglich 15 Stunden lang. Unermüdlich streichelt sie Pferde und Hunde, herzt sie Kind und Kegel, plaudert sie mit Alt und Jung. Im Bedarfsfall hört sie zu - länger, als es der dichte Zeitplan zwischen Judenburg und Fürstenfeld, Radkersburg und Leibnitz eigentlich erlaubt.

Wenn Waltraud Klasnic Hilfe verspricht, hält sie ihr Wort: Als Mater Styriae hat sie einen legendären Ruf zu verteidigen.

Auch wenn sie als Politikerin seit einem Jahr von einer legendären Pechserie verfolgt wird - weder Herberstein noch Hirschmann rauben ihr den Optimismus. Wird sie auf das geplatzte Großprojekt Spielberg angesprochen, verspricht sie Spielberg 2 als Ersatzversion. Um im selben Atemzug ihre Botschaft loszuwerden: "Erstmals seit Jahrzehnten liegt die steirische Arbeitslosigkeit unter dem Bundesdurchschnitt. Unsere Wirtschaft wächst mit 3,8 Prozent doppelt so schnell wie die gesamtösterreichische!"

Und wird sie von verunsicherten ÖVP-Wählern um aufmunternde Wortspenden gebeten, strahlt sie mit landesmütterlicher Breite Zuversicht aus: Sie lobt - und verkündet die unermessliche Größe des hausgemachten Wirtschaftswunders: "Das ist das Resultat der Arbeit aller Steirerinnen und Steirer, aber auch einer guten Politik."

Mit einem zu Herzen gehenden Appell - "Es geht um die Zukunft der Steiermark, und ich bin überzeugt, dass die Menschen uns für diesen Weg in die weitere Zukunft das Vertrauen schenken" - erteilt sie dem Volk, das ihr vor fünf Jahren noch das Rekordergebnis von 47 Prozent geschenkt hatte, das aber nach einer herben Skandalserie nun doch sehr ratlos geworden ist, den steirischen Segen.

Dann und wann wird aufgemurrt - aber wo Waltraud Klasnic auftaucht, fliegen ihr einige wankende Wählerstimmen wieder zu.

Allen Widrigkeiten zum Trotz - "die Frau Landeshauptmann" kämpft ums steirische Leiberl.

Die aktuelle Fessel-GFK-Umfrage (30. August bis 2. September) lässt - drei Wochen vor der alles entscheidenden Landtagswahl (am 2. Oktober) - ein spannendes Finish erwarten:

  • Mit 40 Prozent (Landtagswahl Oktober 2000: 47,3%) liegt Klasnics ÖVP noch allemal knapp voran. Zwar schließt die unermüdlich durchs Land tourende Spitzenkandidatin weitere Negativüberraschungen nicht mehr aus ("Das Leben ist nun einmal voller Überraschungen") - mit steirischer Mütterlichkeit will sie die verbleibenden Wochen an noch jedem schwankenden Wähler höchstpersönliche Überzeugungsarbeit leisten.

  • Die SPÖ liegt derzeit bei sensationellen 38 Prozent (2000: 32,3%). Spitzenkandidat Franz Voves, dem es - im Gegensatz zur ÖVP-Verteidigerin - nicht gegeben ist, überzeugend auf Menschen zuzugehen und sie emotionell zu umarmen, profitiert voll von den Fehlern der ÖVP. Sein Wahlkampf zeichnet sich durch Zurückhaltung aus - und ebendiese trägt ihn und seine Partei nach oben.

  • FPÖ (2000: 12,4% - damals noch Bombenerfolg der Spitzenkandidatin und politischen Newcomerin Theresia Zierler) und BZÖ dümpeln bei 3 Prozent dahin - und haben bei diesem Wert keine Chance auf Einzug in den steirischen Landtag. Theresia Zierler hat der Politik bereits den Rücken gekehrt. Mit dem für das BZÖ neu startenden Altlandesrat und Ex-FPÖ-Minister Michael Schmid können zwar noch unbeirrbare Schmid-Fans eingesammelt werden - ob's für den Einzug in den Landtag reicht, sei dahingestellt.

  • Die Grünen (2000: 5,6%) liegen mit 6 Prozent überraschend niedrig - die grüne Spitzenkandidatin Ingrid Lechner-Sonnek hat aber noch Steigerungspotenzial.

  • Sensationell die Prognose für die KPÖ: Deren Frontmann, der Grazer Stadtrat Ernest Kaltenegger, liegt - mit seiner Trademark der ultimativen Glaubwürdigkeit - mit den Grünen gleichauf bei 6 Prozent (2000: 1,1 %). Die Wahrscheinlichkeit, dass die Kommunisten im steirischen Landtag drittstärkste Partei werden, ist hoch.

  • Enttäuschend die "Liste LH - Gerhard Hirschmann". Der selbst ernannte Robin Hood erreicht derzeit müde 4 Prozent - und verpasst damit den Einzug ins Landesparlament. Der Abfertigungskaiser hat mit der Millionenabzocke jede Glaubwürdigkeit verspielt.


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9.9.2005 12:45