Dienstag, 6. September 2005

"Schweigegeld"-Vertrag für Hirschmann: 1 Mio. Euro für Kandidatur-Verzicht angeboten

  • "Gruppe von Steirern": Herkunft des Angebots unklar
  • PLUS: Stronach bot finanzielle Hilfe bei Abfertigung an

Einen geheimen "Schweigegeld"-Vertrag über 200.000 Euro jährlich fünf Jahre lang im Fall eines Verzichts auf eine Kandidatur bei den steirischen Landtagswahlen von Ex-ÖVP-Landesrat Hirschmann hat eine österreichische Tageszeitung veröffentlicht. Namen der Gönner fehlen in diesem mit "Übereinkunft" überschriebenen Papier vom 30. Mai 2005.

Zwei Tage vor Bekanntgabe seiner Kandidatur am 1. Juni hatte Hirschmann ein entsprechendes Fax erreicht - abgesandt von einem Strandhotel aus dem sonnigen Süden, heißt es im "Standard". In dem aus VP-Kreisen dem "Standard" zugespielten Schreiben sei Hirschmann ein lukratives Angebot unterbreitet worden. Von wem ist unklar - es ist lediglich von einer "Gruppe von Steirern" und einem "Vorschlag zur Güte" die Rede.

Die Bedingung: "Dr. Hirschmann tritt weder persönlich noch vertreten durch Einzelpersonen oder Gruppen bei den steirischen Landtagswahlen 2005 an. Auch wird er seinen Namen keiner wahlwerbenden Gruppe zur Verfügung stellen". Wenn er diese Bedingung bis zum Wahltag erfüllt, garantiert ihm ein "Treuhänder" für die Dauer von fünf Jahren eine "Auftragssumme" für nicht näher definierte "Aufträge" in der Höhe von 200.000 Euro pro Jahr. Beide Parteien verpflichten sich in dem unterschriftsreifen Papier zu absolutem Stillschweigen.

Hirschmann hatte zuletzt erklärt, dass ihm zu diesen 200.000 Euro von einer angesehenen VP-Persönlichkeit weitere 100.000 Euro in Aussicht gestellt worden seien. Er habe das Angebot abgelehnt.

Der "Standard" berichtete auch von einer "Krisensitzung" der steirischen ÖVP Montag Abend. Führende VP-Funktionäre hätten von einer "durchaus als chaotisch und resignativ zu bezeichnenden Stimmung" und einer "nicht vorhandenen Führung" gesprochen. So heißt es, "wir wissen einfach nicht mehr, was wir draußen bei den Wahlkämpfen den Leuten erzählen sollen.

Stronach soll finanzielle Hilfe angeboten haben
Magna-Chef Frank Stronach soll Hirschmann finanzielle Hilfe bei einem Teil der Estag-Abfertigung angeboten haben. Laut Hirschmann habe ihm Stronach bei einem Gespräch Ende Febraur 2004 in den Amtsräumen von Landeshauptfrau Klasnic und im Beisein vom damaligen Finanzlandesrat Herbert Paierl angeboten, für den Fall einer Estag-Streitbeilegung finanzielle "Hilfestellungen" zu gewähren.

Hirschmann habe sich dies einige Tage überlegt, dann aber abgewunken. Das Treffen soll auf Initiative von Stronach zustande gekommen sei, wie laut "Presse" sowohl Hirschmann als auch Klasnic bestätigten.

Unterdessen betont die Grüne Spitzenkandidatin für die steirischen Landtagswahlen, Ingrid Lechner-Sohnek, dass "mittlerweile eine Zusammenarbeit mit der ÖVP politisch nicht mehr denkbar" sei. Als Grund nannte die die "nahezu wöchentlichen" Skandale. (apa/red)

6.9.2005 20:28