Montag, 5. September 2005

Causa Herberstein: Hausdurchsuchung auf Antrag der Staatsanwaltschaft durchgeführt

  • Finanzbeamte durchkämmten mehrere Büros
  • Beamte trugen Kisten mit Aktenordnern davon

In der Causa Tierpark Herberstein sind auf Antrag der Staatsanwaltschaft Graz Hausdurchsuchungen durchgeführt worden. Wie der Leiter der Staatsanwaltschaft Graz, Horst Sigl, erklärte, seien diese bei der Untersuchungsrichterin beantragt und am Montag "an mehreren Orten" durchgeführt worden. Auch auf Schloss Herberstein waren zahlreiche Beamte im Einsatz, die Kisten mit Ordnern mit Belegen und Rechnungen sicherstellten.

Die Hausdurchsuchungen in der Strafsache gegen Verantwortliche der Tier- und Naturpark Herberstein OEG seien in Zusammenhang mit den Vorerhebungen wegen des Verdachts des Betruges, des Fördermissbrauchs und wegen Steuerdelikten veranlasst worden. Auf die Frage, warum die Durchsuchungen erst einen Monat nach Aufnahme der Vorerhebungen passierten, meinte Sigl: "Sie wurden sorgfältig vorbereitet durch das Landeskriminalamt, die Steuerbehörde und Sachverständige. Um abschätzen zu können, in welchem Umfang und wonach zu suchen ist, war dies notwendig." Gesucht wurde u.a. nach Unterlagen und Rechnungen, die zur Aufklärung der Vorwürfe der doppelten Rechnungslegung führen könnten.

Die "staatsanwaltliche Erhebungen" waren Anfang August eingeleitet worden, nachdem in einem Rohbericht des Landesrechnungshofes Vorwürfe laut geworden waren. Die Vorerhebungen gingen zuerst in Richtung Untreue und Fördermittelmissbrauch, schließlich kam auch Betrugsverdacht hinzu.

Interessant ist in dem Zusammenhang auch die zeitliche Koinzidenz zur Medienberichterstattung: Das Nachrichtenmagazin "format" berichtete in seiner vergangenen Freitag erschienenen Ausgabe, dass Herberstein "in den nächsten Tagen Besuch von Frowald Gruber, dem obersten steirischen Steuerfahnder" Besuch erwarte. "Wie Format aus Behördenkreisen erfuhr, soll im Schloss demnächst eine Hausdurchsuchung stattfinden." Die "Kleine Zeitung" stellte in ihrer Montag-Ausgabe in einem Herberstein-Bericht die Frage: "Insider rätseln jedoch, weshalb es bisher zu keinen Hausdurchsuchungen gekommen ist."

Andrea Herberstein hatte gegenüber der Zeitschrift "News" zugegeben, "zwischen 1997 und 2001 sechs Rechnungen mit einer Gesamtsumme von 600.000 Schilling" vom Wiener Wohnsitz ihres Lebensgefährten Thomas Hampson auf Herberstein umgeschrieben zu haben. Dies habe sie auch "in vollem Umfang" beim Finanzamt selbst angezeigt. Eine zweite Selbstanzeige sei wegen nicht deklarierten Kartenverkaufs- und Gastronomieerlösen erfolgt. (apa/red)

5.9.2005 11:51