Sonntag, 11. September 2005

"Gesundheitssystem braucht mehr Geld": Ärztekammer-Chef will bei Spitälern sparen

  • Brettenthaler: Mehr Aufgaben auf Fachärzte verlagern
  • Obergrenze bei Naturalrabatten vorstellbar

Ärztekammer-Präsident Brettenthaler fordert mehr Geld für das Gesundheitssystem. Trotz aller Rationalisierungen werde man mit den vorhandenen Mitteln nicht auskommen, so der oberste Ärztevertreter in der ORF-"Pressestunde". Brettenthaler sprach sich neuerlich für eine Erhöhung der Krankenversicherungs-Beiträge aus. "Wirkliches Einsparungspotenzial" ortet er im Spitalsbereich.

Brettenthaler ist überzeugt, dass es nach den Wahlen im Herbst 2006 eine Grundsatzdebatte über die Finanzierung des Gesundheitssystems geben werde. Alle Modelle sollten dann ernsthaft diskutiert werden. Brettenthaler selbst sprach sich für ein Mischsystem aus Beiträgen, aus Selbstbehalten und aus Steuern aus.

"Wirkliches Einsparungspotenzial" ortet der Ärztekammer-Präsident im Spitalsbereich. Von den Gesundheitskosten in Höhe von 11 Mrd. Euro fließen 28 Prozent in die Spitäler. Brettenthaler will die Krankenhäuser entlasten und auf die Kernaufgaben reduzieren. Teile der Arbeit der Spitäler soll auf niedergelassene Ärzte verlagert werden. Notwendig seien dafür aber neue Gesellschaftsformen für Ärzte, damit diese spitals-ersetzend arbeiten können.

In der Diskussion um Naturalrabatte - also Gratismedikamente von Pharmafirmen für Hausapotheke, die von den Ärzten den Krankenversicherungen dann aber verrechnet werden - sprach sich Brettenthaler gegen ein generelles Verbot aus. "Rabatte sind keine Geschenke", so der Ärzte-Vertreter, und in der Wirtschaft üblich. Ein Verbot würde in den freien Wirtschaftsverkehr eingreifen. Die Ärztekammer sei jedoch gesprächsbereit. Vorstellen kann sich Brettenthaler eine Regelung über die Höhe der Rabatte. (apa/red)

11.9.2005 13:58