Gondelabsturz in Sölden: Ex-Knaus-Kollege zweifelt an Flugstunden des Unglückspiloten
- Firmenchef Roy Knaus weist die Vorwürfe zurück
- Opfer des Unglücks wurden in Deutschland beigesetzt
·Unglück in Sölden: Fehler in Elektronik?
Kollege glaubt nicht an Versagen des Piloten
·BILDER: Tragisches Gondelunglück in Tirol
Seilbahn-Katastrophe im Ötztal fordert neun Tote
·Ungeheure Kräfte wirkten auf Kabinen
Sie schleuderten Insassen
durchs Fenster ins Freie
·Viele Zwischenfälle in
der Firmengeschichte
Heli Alpin Knaus schon
oft in den Schlagzeilen
·Strafrechtliche Folgen wahrscheinlich
Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung
·Bergbahn erst im Herbst 2002 eröffnet
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Unfälle seit Jahr 2000
Ein ehemaliger Mitarbeiter der Salzburger Helikopterfirma Knaus hat gegenüber dem regionalen ORF-Radio die Zahl der angegebenen Flugstunden des Unglückspiloten von Sölden angezweifelt. Deren Firmenchef, Roy Knaus, wies die Vorwürfe entschieden zurück. Nach der Einschätzung des ehemaligen Mitarbeiters sei der Unglückspilot mit seiner Aufgabe völlig überfordert gewesen.
Für einen Piloten, der gerade erst angefangen habe bzw. bei dem man davon ausgehen müsse, dass er die Stunden gar nicht gehabt habe, seien die Transportflüge "eine zu schwierige Arbeit" gewesen, kritisierte er. Der ehemalige Mitarbeiter fliege selbst Rettungsflüge und Materialtransporte bei einem anderen Unternehmen, hieß es.
Knaus wies die Vorwürfe zurück. In den dreieinhalb Jahren, in denen der Pilot von Sölden im Unternehmen gewesen sei, habe er seine Flugpraxis von 120 auf 850 Flugstunden aufgebaut.
Untersuchungen der Seilbahn gehen weiter
Wenige Tage nach dem tragischen Gondelabsturz in Sölden im Tiroler Ötztal sind die Untersuchungen zur Klärung des Unglücks mit Hochdruck weiter gegangen. Der Skibetrieb am Rettenbachferner wurde vorübergehend eingestellt.
Sachverständige hatten neuerlich die Schwarze Schneidbahn genau unter die Lupe genommen. Nach Auskunft des Geschäftsführers der Bergbahnen, Jakob Falkner, wurde das Seil kaum beschädigt. Es müsse lediglich abgeschliffen werden. Bei der Stütze drei müsse die komplette Rollenbatterie ausgetauscht werden. Die gesamten Rollen und Bolzen müssten bei der Stütze vier ausgewechselt werden. In der Talstation habe es darüber hinaus an einem Betonsockel einen kleinen Haarriss gegeben.
Wenn die Arbeiten erledigt seien, werde es neuerlich Vermessungen geben, erläuterte er. Voraussichtlich bis Mitte kommender Woche würden die Bergbahnen inklusive der betroffenen Schwarzen Schneidbahn geschlossen bleiben.
Ein Großteil des beschlagnahmten Materials - darunter der Hubschrauber, der herabgestürzte Betonkübel, die Aufhängung und die drei betroffenen Gondeln - wurden in Innsbruck nach wie vor von Sachverständigen untersucht. Ein Ergebnis dürfte frühestens in einigen Tagen vorliegen.
Noch vier Verletzte in Krankenhäusern
Der Gesundheitszustand der Verunglückten verbesserte sich nach Angaben der zuständigen Ärzte unterdessen weiter. Von den insgesamt sieben Verletzten befanden sich noch vier in der Innsbrucker Universitätsklinik bzw. im Krankenhaus St. Vinzenz in Zams (Bezirk Landeck). Die ersten Toten sollen heute in ihrer Heimat beigesetzt werden.
Staatsanwaltschaft München aktiv
Inzwischen wurde auch die Staatsanwaltschaft am Landgericht München II aktiv. Man habe von Amts wegen Ermittlungen gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung aufgenommen.
Zwei Buben und zwei Mädchen beerdigt
Vier der sechs baden-württembergischen Opfer des Seilbahnunglücks im österreichischen Sölden sind am Freitag in ihren Heimatorten beigesetzt worden. Dies erklärte ein Polizeisprecher in Tuttlingen auf Anfrage. Dabei handelte es sich um zwei Buben im Alter von zwölf und 13 Jahren aus Wurmlingen und Bad Dürrheim sowie um eine 13- und eine 14-Jährige aus Dauchingen.
Die Beerdigung von zwei Mädchen im Alter von zwölf und 14 Jahren aus Tuttlingen ist nach diesen Angaben für (den morgigen) Samstag geplant. Das Seilbahnunglück forderte am Montag dieser Woche insgesamt neun Todesopfer. Sechs davon stammten aus Baden-Württemberg, die anderen drei aus Bayern. Die jungen Leute aus Baden-Württemberg waren Mitglied eines Skiteams, das in Sölden auf dem Gletscher trainiert hatte.
(apa/red)
