Mittwoch, 7. September 2005

Grausiger Fund in Klagenfurt: Leichenteile stammen von einer Frau und einem Kind

  • DNA-Analyse soll klären, ob Tote verwandt waren
  • Arbeiter entdeckte Bein und Torso auf Schutthalde

Nach der Feststellung, dass die am Dienstag in Klagenfurt entdeckten Leichenteile von einer Frau und einem Kind stammen, beginnt für die Kriminalisten nun die Kleinarbeit. Wie Oberstleutnant Herbert Rogl vom Landeskriminalamt erklärte, erhoffe man sich vor allem von der DNA-Analyse Aufschlüsse. Parallel dazu soll europaweit in den Vermissten-Listen überprüft werden, ob jemand zu dem Fund "passen" könnte.

"Eine Frau und ein Kind müssen ja irgend jemandem abgehen", meinte ein Ermittler am Donnerstag. Die Tatsache, dass in Kärnten keine entsprechenden Abgängigkeitsmeldungen vorhanden sind, könnte darauf schließen lassen, dass die Opfer aus dem Ausland stammen. Zur Klärung, ob Frau und Kind miteinander verwandt waren, soll die Gen-Analyse beitragen. Ob damit auch eine Identifizierung erfolgen kann, ist allerdings ungewiss.

"Wir haben einige weitere Maßnahmen vor, aber die brauchen Vorbereitungen", sagte Rogl gegenüber der APA. Die weitere Arbeit werde "sehr mühsam" werden. Er hofft darauf, dass die Grazer Gerichtsmedizin die DNA-Analyse dieses Falles auf Grund dessen Bedeutung vorreiht, damit die Ergebnisse schneller vorliegen.

Der in einen Müllsack verpackte Torso stammt von einer 25 bis 40 Jahre alten Frau. Kopf und Beine waren abgetrennt und die Arme aus den Schultergelenken herausgeschnitten worden. Das Bein stammt von einem Kind im Alter "irgendwo zwischen sechs und 13 Jahren", wie Gerichtsmediziner Peter Roll erklärte. Nach den Abmessungen des Beins dürfte das Kindesalter aber eher am jüngeren Ende der Bandbreite liegen.

Wie lange die Körperteile, die auf einer Baustelle einer Eisenbahnunterführung im Klagenfurter Stadtteil St. Ruprecht gefunden wurden, dort vergraben waren, lässt sich ebenfalls nur sehr ungenau definieren. Laut Obduktionsbericht liegt die Spanne zwischen drei Monaten und zwei Jahren.

Woran die Frau und das Kind gestorben sind, steht vorerst nicht fest, die Ermittler gehen aber mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Gewaltverbrechen aus. Die Kriminalisten rechnen eher nicht damit, dass Extremitäten und Kopf der Frau am gleichen Ort vergraben worden waren wie der Torso. Sonst wären sie nicht so sorgfältig abgetrennt worden, lautete die Begründung.

Eine der wenigen konkreten Spuren ist das Betttuch, in das der Torso eingewickelt war. Es handelt sich um ein altmodisches Modell, das noch einen karoförmigen Ausschnitt in der Mitte aufweist, wie es vor rund 20 Jahren üblich war. Die Polizei will nun Fotos von dem Betttuch anfertigen und europaweit verbreiten. "Vielleicht ergibt sich da etwas", hofft man.
(apa)

7.9.2005 08:44