Ministerrat segnet Pandemie-Plan ab: Im Moment geringes Risiko von Vogelgrippe
- Gespräche mit den Impfstoff-Erzeugern vereinbart
- Im Vorfeld gab es schon Streit um die Finanzierung
·Vorkehrungen gegen Influenza-Pandemie
Plan enthällt Maßnahmen im möglichen Krisenfall
·Grippe-Medikament
"Tamiflu" ausverkauft
Österreicher decken sich mit Influenza-Tablette ein
·NEWS-Exklusiv: Der Vogelgrippe-Notplan
Dramatische Details über geplante Maßnahmen
Der Ministerrat hat den so genannten Pandemie-Plan verabschiedet, mit dem sich Österreich gegen allfällige kontinentüberschreitende Influenza-Epidemien schützen will.
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) verwies nach dem Ministerrat darauf, dass man sich u.a. auf Gespräche mit Erzeugern verständigt habe, um die Medikamente im gegebenen Fall zur Verfügung stellen zu können. Anlass zur Beunruhigung bestehe derzeit nicht.
Wie Schüssel betonte, sei nach Meinung von Experten das Risiko einer Vogelgrippe-Epidemie für Menschen "derzeit sehr gering". Wichtig sei es in diesem Zusammenhang, die Flugrouten der Zugvögel genau zu überprüfen.
Innerhalb des österreichischen Gesundheitswesens wird die Frage diskutiert, wie man per Kontrakt mit dem Impfstoffhersteller Baxter im Falle einer Influenza-Pandemie möglichst schnell Vakzine bekommen könnte. Doch zumindest in den ersten acht bis zwölf Wochen wäre eine Versorgung von "frontline personnel" und der allgemeinen Bevölkerung mit dem ursächlich gegen Influenza-Viren wirksamen Medikament "Tamiflu" dringend notwendig. "13 der 15 'alten' EU-Staaten haben bereits bestellt. Weltweit sind es 25plus", sagte jetzt der Geschäftsführer von Roche-Austria, Martin Hangarter, gegenüber der APA.
"Es läuft in zwei Stufen. Zunächst muss eine Regierungsstelle einen 'Letter of Intent' ohne Verpflichtung abgeben. Innerhalb von 30 Tagen muss dann der verbindliche Kauf erfolgen", sagte Hangarter. Die weltweiten Kapazitäten zur Produktion des Medikaments, das bei Influenza-Kranken die Hospitalisierungsrate um 60 Prozent und die Komplikationsraten um 50 senkt, reichen keinesfalls aus, um den Wirkstoff Oseltamivir ("Tamiflu") erst im Fall einer Influenza-Krise herzustellen.
Doch erst die Absichtserklärung führt dazu, dass ein Land oder ein Bundesland seinen "Tender" an dem Medikament reserviert bekommt. Der Roche-Austria-Geschäftsführer: "In Österreich hat das Bundesland Niederösterreich einen solchen 'Letter of Intent' abgegeben. Bei Bestellung könnte das Medikament Ende September, Anfang Oktober dieses Jahres eintreffen." Die Haltbarkeit wird mit zehn Jahren angegeben.
In der EU hat sich bisher auf Grund der geforderten und in den einzelnen Staaten erstellten Influenza-Pandemieplänen laut Hangarter folgende Strategie durchgesetzt: "Es ist in den meisten Staaten ein Mix aus Schutz für die 'Systemerhalter' (Feuerwehr, Gesundheitswesen, Militär, Regierungsstellen etc., Anm.) und der Bevölkerung. Damit werden zwischen 20 und 25 Prozent der Bevölkerung geschützt."
Die Sache ist komplizierter. Bei den "Systemerhaltern" wird man wohl darauf achten, dass sie bis zur Erhältlichkeit eines Impfstoffs - und die Vorlaufzeit liegt bei den modernsten Produktionsverfahren ab Vorhandensein des Virus-Impfstamms bei acht Wochen - überhaupt vor der Erkrankung geschützt werden. Sie könnten "Tamiflu" prophylaktisch in der halben therapeutischen Dosis bekommen. Normalerweise sind das für über 13-Jährige ein Mal täglich 75 Milligramm (Prophylaxe) und zwei Mal 75 Milligramm (Therapie bei Erkrankung). Für die breite Bevölkerung kommt es pro Tag auf die Versorgung mit "Tamiflu" zur Behandlung an.
Hier bietet "Roche" speziell für diesen Fall vorgesehene Sieben-Kilo-Fässer des Wirkstoffs zum Auflösen durch Apotheken an. Hangarter: "Auf zehn Jahre gesehen kostet der Schutz eines Menschen über zehn Jahre hinweg pro Jahr 77 Cent." Bei den Fässern sind die Kosten im Vergleich zu den Tabletten in fertiger Abpackung um 70 Prozent reduziert.
Die Problematik - auch an Hand der mittlerweile von Roche schon vervierfachten Produktionskapazität von Oseltamivir/"Tamiflu" - liegt derzeit darin, dass große Order die Frist für die Nachkommenden auch deutlich vergrößern können. Der Roche-Geschäftsführer für Österreich: "Die USA planen, ihre Bestellung massiv zu erhöhen." - Wer spät dran ist, kommt auch spät dran. Wann aber eine Influenza-Pandemie ausbricht, ist nicht vorhersehbar. Bisher tut sich trotz Agrar-Vogelgrippe nichts.
Im Vorfeld sind jedenfalls schon Bundesländer und Bund wegen der Finanzierung an einander gekracht. Kaum eine Frage, für die Abgeltung der Therapie für die Allgemeinbevölkerung müssten eigentlich die Krankenkassen zuständig sein. Bisher haben sie "Tamiflu" für die auf Kassenrezept mögliche Verschreibung bei Eintritt einer Influenza-Welle freigegeben. Dies werden sie wohl bei einer Pandemie erst recht müssen. (apa/red)
