Montag, 5. September 2005

Rätselraten nach der Seilbahn-Katastrophe:
Staatsanwalt ermittelt in zwei Richtungen

  • Untersuchungen laufen jetzt auf Hochtouren
  • Verletzten befinden sich auf dem Weg der Besserung

Nach dem Seilbahnunglück in Sölden im Tiroler Ötztal mit neun Toten laufen die Untersuchungen zur Klärung auf Hochtouren. Die Polizei schloss am Mittwoch die erste Phase der Untersuchungen ab. Nun waren die Sachverständigen am Zug. In Sölden normalisierte sich die Lage wieder. Am Gletscher gab es wieder Skibetrieb.

Am Mittwoch wurden der beschlagnahmte Hubschrauber, der Betoncontainer samt Hängevorrichtung und die gesicherten Spuren nach Innsbruck gebracht. Ein Ende der polizeilichen Ermittlungen war "nicht absehbar". Dies könne "einige Wochen dauern", sagte Landespolizeikommandant Oskar Gallop. Dem betroffenen Hubschrauberpiloten gehe es "den Umständen entsprechend gut". Am Dienstag habe es zwar eine Einvernahme gegeben. Weitere seien aber notwendig. Die Termine dafür seien allerdings noch nicht fixiert und würden sich nach dem Verlauf der nun folgenden Erhebungen richten.

Die Staatsanwaltschaft ermittelte in zwei Richtungen. Wie der Leitende Staatsanwalt Rudolf Koll sagte, gebe es nur zwei Möglichkeiten: technisches Gebrechen (der offene Transporthaken) oder menschliches Versagen (Auslösen im Cockpit).

Zwei Tage nach dem Unglück befanden sich die Verletzten nach Auskunft der behandelnden Ärzte auf dem Weg der Besserung. Einige Patienten werden voraussichtlich noch mehrere Tage in den Krankenhäusern Innsbruck und Zams bleiben müssen.

In Deutschland meldete sich ein Augenzeuge zu Wort, der den Hubschrauber in geringer Höhe über dem Seil fliegen sehen hatte wollen. "Wenn jetzt behauptet wird, der Hubschrauber sei 200 bis 300 Meter hoch geflogen, dann ist das schwer zu glauben", meinte der Karlsruher Skitrainer Marcel Knoch.

In Sölden selbst normalisierte sich der Alltag wieder. Am Dienstagnachmittag hatten sich Angehörige in einer Feier von den Verunglückten verabschiedet. Die Leichen wurden nach Deutschland überführt. Skifahrer wurden am Mittwoch über den parallel zur 1. Sektion der Schwarzen Schneidbahn führenden Sessellift transportiert. Der obere Teil der Gondelbahn war planmäßig unterwegs.

Die 1. Sektion der Schwarze Schneidbahn, die von dem Betoncontainer getroffen worden war, wurde von Technikern im Auftrag des Verkehrsministeriums untersucht. Dabei ging es vor allem darum, ob das Seil oder führende Teile beschädigt wurden. Ein Ergebnis soll erst in einigen Tagen feststehen. Dann soll die Wiederinbetriebnahme erfolgen.

Hotline eingerichtet
Nach dem Gondelabsturz ist am Montagnachmittag eine Hotline des Landes Tirol eingerichtet worden. Die Nummer lautet 0800-800 502.

Die Nummer ist zur Integrierten Landesleitstelle Tirol in Innsbruck geschalten. Dort erhalte man Auskünfte in Zusammenhang mit dem Unglück, teilte das Amt der Tiroler Landesregierung mit.

(apa/red)

5.9.2005 13:38