USA zapfen wegen "Katrina" strategische Ölreserven an: Märkte reagieren erleichtert
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Wegen der durch den Wirbelsturm "Katrina" verursachten Produktionsausfälle zapfen die USA ihre strategischen Ölreserven an. Das sagte Energieminister Samuel Bodman am Mittwoch dem Fernsehsender MSNBC. Am Golf von Mexiko liegt die US-Ölproduktion wegen des Hurrikans derzeit zu 95 Prozent brach. 735 Öl- und Gasförderanlagen sind geschlossen. Sie liefern normalerweise ein Viertel der US-Rohölproduktion. Die Ölmärkte reagierten auf den Schritt zunächst erleichtert. Es war befürchtet worden, die USA würden den Rohstoff im großen Umfang zukaufen und damit die Preise weiter in die Höhe treiben.
Der Ölpreis gab nach der Ankündigung vorübergehend nach. Im elektronischen Handel in New York wurde ein Barrel für 69,25 Dollar gehandelt. Am Dienstagabend hatte Öl an der US-Börse mit dem höchsten Schlusskurs aller Zeiten geschlossen. Ein Barrel der Referenzmarke Light Sweet Crude notierte mit 69,81 Dollar. Zuvor hatte der Ölpreis im Laufe des Dienstags mit 70,85 Dollar zwischenzeitlich ein Allzeithoch erreicht. In London fiel die Notierung für die Nordseesorte Brent am Mittwoch gegen 13.30 Uhr um 1,58 Dollar auf 65,99 Dollar, stieg danach aber wieder auf 67,32 Dollar.
Die strategischen Ölreserven der USA umfassen derzeit rund 700 Millionen Barrel (ein Barrel entspricht 159 Litern). Sie lagern in vier Zentren, von denen sich zwei in dem vom Sturm betroffenen Bundesstaat Louisiana befinden. Der Notstock soll laut US-Energieministerium bei einer Versorgungskrise "die erste Verteidigungslinie" der USA bilden. Der US-Präsident darf ihre Verwendung anordnen, wenn eine ernste Unterbrechung des Energie-Nachschubs oder die Verpflichtungen der USA gegenüber der Internationalen Energie-Agentur dies erforderlich machen.
Angelegt wurde das Öl-Lager vor 25 Jahren vom damaligen Präsidenten Gerald Ford als Reaktion auf die erste Ölkrise 1973-74. Zum ersten Mal in der Geschichte der USA wurde die Reserve 1990 nach dem irakischen Einmarsch in Kuwait angezapft. Zuletzt ordnete US-Präsident George W. Bush eine Freigabe aus den Reserven im Herbst vergangenen Jahres an, nachdem der Zyklon "Ivan" den Süden der USA verwüstet und zu einer Schließung vieler Öl-Einrichtungen geführt hatte.
Der Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Ludwig Georg Braun, sieht in dem hohen Ölpreis eine Gefahr für den Konsum und indirekt auch für den Arbeitsmarkt in Deutschland. "Ohne Zweifel hat es Einfluss auf die Binnenkonjunktur, wenn jeder für die Heizrechnung 30 Prozent mehr zahlen muss", sagte Braun am Mittwoch in Berlin. "Das führt dazu, dass wir weniger Geld für den Konsum zur Verfügung haben." Die lahmende Binnenkonjunktur könne sich auch negativ auf den Arbeitsmarkt niederschlagen. (apa/red)
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