Ein Ladyboss im Möbelhaus: WOMAN über die neue Ikea-Chefin Helen Duphorn
- Gebürtige Schwedin ist Mutter von 10jährigem Buben
- Ungewöhnliche Karrieregeschichte der Jobnomadin...

·Ikea: Frauen werden dringend gesucht!
In Deutschland will man Frauen als Führungskräfte
·FORMAT: Leiner möbelt Wien auf!
In Wien wird Europas größtes Möbelhaus gebaut
·Die Polsterschlacht der Möbelgiganten
Mömax vs Ikea: Der knallharte Preiskampf
·2005 klopfen Möbel- händler auf Holz!
FORMAT: Sofas, Betten & Tische sind wieder gefragt
·Möbelhandel 2004: Endlich Umsatzplus!
Kika/Leiner & Lutz dominieren den Markt
·Große Möbelhandel-Studie: Wer top ist!
Kika und Lutz sind die bekanntesten Geschäfte!
·Vorschau: So wird der Möbel-Herbst 2005
Die fünf Top-Wohntrends der kommenden Saison
In ihrem neuen Haus in Klosterneuburg stapeln sich Kisten und Kartons. Neben allerlei internationalem Mobiliar aus Indien und Frankreich müssen jetzt erst einmal "Billy" und "Pax" in Position geschoben werden. Dann wird Helen Duphorn, 43, designierte Chefin von IKEA Österreich und zuletzt Vizelandesmanagerin des schwedischen Möbelhauses in Frankreich, vorerst nur in ihrem privaten Domizil heimelig sein....
Im Jänner 2006 wird die gebürtige Schwedin dann das Chefbüro von Noch-IKEA-Boss Urs Meier in Vösendorf bei Wien beziehen. Der wird sich als neuer Vize-manager von IKEA UK Richtung England verabschieden und im Königreich eine Turbo-Expansion vorantreiben. Ihre 2.100 Mitarbeiter wird Duphorn in englischer Sprache führen. Abgesehen vom Führungswechsel an der Spitze läuft derzeit auch eine Personaloffensive: Personalberatungen wurden beauftragt, 25 Führungskräfte zu rekrutieren - gern Frauen, hört man.
Hervorragende Einzelhandels-Kompetenz
Der Noch-IKEA-Chef ist schwer begeistert von seiner Nachfolgerin: "Helen ist nicht nur im Umgang mit Menschen grandios, sondern hat auch den nötigen Biss, um Dinge durchzusetzen. Zudem hat sie hervorragende Kompetenzen im Einzelhandel." Außerdem genießt die herzliche Schwedin, die sich selbst als offen, fröhlich, bestimmt und fordernd beschreibt, sozusagen einen "Heimvorteil" innerhalb des Konzerns: Ihre schwedischen Wurzeln werden ihr zugute kommen.
Von der Politik ins Business
Nach Duphorns ursprünglichen Karriereambitionen aber hätte alles anders kommen sollen: Schon im Kindesalter wollte die Tochter südschwedischer Eltern den Anwaltsberuf ergreifen. Doch nach kurzer Zeit in den Hörsälen der Stockholmer Uni merkte sie, "dass ich viel lieber mit Menschen arbeiten wollte". Der Uni blieb sie vorerst treu und stieg ins Berufsleben als Studentenvertreterin ein, bis sie sich in der "Moderate Party" für Gleichberechtigungsfragen engagierte. Ihr Ziel: "Mehr Frauen in die Politik zu bringen."
Training on the Job
Nachdem sie in der Politik Erfahrungen über wichtige Entscheidungsprozesse gesammelt hatte, stieg sie 1989 beim zweitgrößten schwedischen Textilhersteller KappAhl als Trainings- und Development-Manager in der Personalentwicklung ein, "wo ich mein Interesse für den Einzelhandel entdeckte". In den folgenden drei Jahren konnte sie viele Bereiche des Unternehmens kennen lernen, ging voll auf in ihrem Job und qualifizierte sich, stets umsichtig und zielstrebig, sukzessive für ihren nächsten Karriereschritt: Sie wurde zur Regionalmanagerin von KappAhl für Finnland bestellt. Damit begann ihr "Nomadenleben", das sie so liebte. "Ich wollte schon immer die Welt erkunden", strahlt sie überzeugt.
Jobnomadin & Mutter
Dann ging alles schnell. Und die Karrieremaschine war bald nicht mehr zu stoppen. Schon 1995 sollte Helen für KappAhl ein Einkaufsbüro in Indien eröffnen - ausgerechnet, als sie von ihrem Ehemann Björn, einem Regionalpolitiker, schwanger war. Doch der stand voll hinter seiner Frau. "Er hatte schon viele Berufsjahre hinter sich und war bereit für neue Aufgaben." Also ließ er sich im Alter von 54 Jahren frühpensionieren und nahm einen neuen Job als "Familien- und Haushaltsmanager" an, dem er bis heute freudig nachgeht. Helen indes arbeitete satte 14 Stunden am Tag. "Zum Glück", resümiert sie, "befand sich unsere Wohnung im selben Haus wie das Büro. So konnte ich zwischendurch nach der Familie sehen." Rollenkonflikte gab es im Hause Duphorn nie. Denn, so Helen: "Ein Kind braucht Eltern, aber nicht zwangsläufig die Mutter." Die nordischen Völker zeigen's wieder einmal vor. Nach zwei Jahren Indien-Erfahrung wurde Helen für ihr Unternehmen als Einkaufsmanagerin nach Schweden zurückbestellt. 1998 ergriff sie die Chance, in ihr lang anvisiertes Unternehmen IKEA einzusteigen: als Einkaufsmanagerin für Schweden und die baltischen Staaten.
India calling
Schon zwei Jahre später sollte Helen Duphorn samt Familie im Schlepptau ihre Zelte abermals in Indien aufschlagen und in einem Büro in Delhi fünf Einkaufsbüros in Indien, Pakistan, Bangladesch und Sri Lanka verantworten, diesmal in Mission von IKEA. "Zuerst dachte ich, die müssen verrückt sein, mir diesen Job zuzutrauen", lacht sie rückblickend. Aber Helen wusste um ihre Stärken. "Und ich weiß, was ich meinen Team-Members geben muss, damit sie ihren Job gut machen können." Das Angebot, Vizelandeschefin von IKEA Frankreich zu werden, nahm sie im Jahr 2003 an.
Alles für IKEA Österreich
Jetzt, da sie nach den langen Wanderjahren im rotweißroten Alpenland endlich sesshaft werden möchte - Sohn Hugo ist heute zehn Jahre alt und wird eine internationale Schule in Wien besuchen -, wartet auf die passionierte Köchin und Seglerin eine ganz besondere "Challenge": wird sie sich doch auf einem weltweit einzigartig heiß umkämpften Möbelmarkt behaupten müssen. Die Strategie: Ausbauen, Umbauen, Wachsen; ältere Käuferschichten mit dem IKEA-Virus infizieren sowie mit einer massiven Preisoffensive des ohnehin schon günstigen IKEA-Meublements bei der Klientel punkten. Auch im Homeshopping möchte man Fuß fassen.
Na dann: Viel Erfolg zwischen Billy, Fröjska, Ingo & Co ...
(Aus WOMAN 18/2005)
