Montag, 29. August 2005

Deutsche Studie: Überwiegend sind Frauen bedauernswerte Opfer von Gewalt & Stalking

  • Sie leiden durchschnittlich 4,5 Jahre an den Attacken
  • Mehrheit der Fälle führt Täter nicht vor Gericht

Vor allem Frauen werden meist Opfer von häuslicher Gewalt und Stalking (Nachstellungen). Dies geht aus einer veröffentlichten Studie des deutschen Staatsinstituts für Familienforschung (ifb) der Universität Bamberg über die Auswirkungen des seit 2002 geltenden deutschen Gewaltschutzgesetzes hervor. Dieses Gesetz sieht vor, dass die Partner zunächst eine zivilrechtliche Lösung suchen, ohne dass das Opfer den Täter einer strafrechtlichen Verfolgung aussetzt.

Im Durchschnitt litten die Opfer der Studie zufolge rund viereinhalb Jahre unter der körperlichen und seelischen Gewalt ihrer Partner. Es sei aber auch über Nachstellungen und Gewalt gegen Sachen berichtet worden. Trotzdem führte die Mehrheit der über 2.200 untersuchten Fälle nicht zu einem gerichtlichen Beschluss. Rund ein Drittel der Antragsteller ziehe den Antrag zurück. Bei einem weiteren Drittel werde eine Vereinbarung zwischen den Parteien getroffen. Nur in 28 Prozent der Fälle treffe das Gericht eine Entscheidung.

Hohe Bereitschaft für einvernehmliche Lösung
Die hohe Bereitschaft, eine einvernehmliche Lösung zu finden, begründen die Forscher mit der oft sehr engen Beziehung zwischen Täter und Opfer. Aber auch Angst, materielle Abhängigkeit oder die gemeinsamen Kinder würden dazu führen, keine gerichtliche Entscheidung zu suchen. Insgesamt werde das neue Gewaltschutzgesetz als hilfreich erachtet, meinten die Experten. Allerdings seien die Opfer von Stalking bisher noch zu wenig geschützt. Ein eigenes Stalking-Gesetz werde daher als sinnvoll angesehen.
(apa/red)


29.8.2005 09:07