Dienstag, 30. August 2005

Handystrahlung: Ärzte warnen erneut vor Langzeitfolgen durch Schnurlostelefonie

  • ÖÄK: "Negative Wirkung für Menschen nachgewiesen"
  • Mobilfunker wehren sich gegen ÖAK-Anschuldigungen

Auch die Österreichische Ärztekammer (ÖAK) warnt jetzt vor Langzeitfolgen der Handy- und Schnurlostelefonie und unterstreicht damit die von der Wiener Ärztekammer kürzlich ausgesprochene Empfehlung zu mehr Sorgfalt mit mobilen Kommunikationsmitteln - vor allem für Kinder. Laut ÖAK zeigen sich für das Handy - erstmals auch in breit angelegten epidemiologischen Untersuchungen am Menschen - Schädigungen der Erbsubstanz beziehungsweise ein erhöhtes Risiko für gewisse Tumore. Die Mobilfunkbetreiber haben die Vorwürfe jedoch erneut zurückgewiesen.

Erhöhtes Risiko für Tumore
Die beiden soeben in den Fachzeitschriften "Environmental Research" und "Neuroepidemiology" publizierten Untersuchungen aus Schweden würden das vorliegende Bild ergänzen. Sie zeigen laut ÖAK ein erhöhtes Risiko für Tumore des Hörnervs sowie erstmals auch für bösartige Gehirntumore nach langjähriger Verwendung von Handys sowie von Schnurlostelefonen.

Kinder sollten nicht mit Handys telefonieren
"Es geht wie bei vielen Umwelt- und Lebensstilfaktoren auch bei elektromagnetischen Feldern und Strahlen um die Dosis. Und die kumuliert im Laufe der Jahre, wie die vorliegenden Studien uns zeigen. Kinder sollten Funktelefone deshalb grundsätzlich nicht verwenden", sagte der Referent für Umweltmedizin der Österreichischen Ärztekammer, Dr. Gerd Oberfeld, in einer Aussendung.

Auch schnurlose Heimtelefone betroffen
Viel zu wenig bekannt sei außerdem, dass auch die Verwendung von schnurlosen Heimtelefonen zu einer Strahlenbelastung führe, so Oberfeld. Die ÖÄK rate daher, für Telefonate zu Hause Schnurtelefone zu verwenden.

Heimische Mobilfunker setzen sich zur Wehr
Die heimischen Mobilfunker wehrten sich vehement gegen die Warnung der Österreichischen Ärztekammer vor Langzeitfolgen von Handy- und Schnurlostelefonie. Die Warnungen der Ärzte seien inflationär, die heutige nur das "letzte Glied in der Kette", verlautbarte das "Forum Mobilfunk" (FMK) in einer Aussendung. Es handle sich dabei um "ein weiteres Scharmützel im unreflektierten Feldzug der Österreichischen Ärztekammer gegen mobile Funktechnologien".

Fragwürdige Quellen
"Bezeichnend ist, dass auf der krampfhaften Suche nach wissenschaftlichen Belegen für die angeblichen Gesundheitsbeeinträchtigungen durch Mobilfunk immer fragwürdigere Quellen herangezogen werden", sagte FMK-Geschäftsführer Thomas Barmüller. Mit dieser Vorgehensweise schade die ÖAK einer differenzierten Diskussion über mobile Funktechnologien. (apa/red)

30.8.2005 14:37