Mittwoch, 31. August 2005

Pro 7, Sat.1 und Premiere starten bald mit HDTV: Hochauflösende Qualität ab Herbst

  • Fußball-WM 2006 Beginn einer neuen Medienära?
  • Neuer Schwung für HDTV wird von der IFA erwartet

Noch vor Beginn der Internationalen Funkausstellung in Berlin liefern sich ProSiebenSat.1 und der Abosender Premiere einen Wettlauf um den Einstieg in den hochauflösenden Fernsehstandard HDTV. Billighersteller, die die Preise von DVD-Playern tief nach unten gedrückt haben, nehmen nun den rasant wachsenden Markt für Festplattenrecorder ins Visier. Ein Unternehmen stellte zur IFA einen Recorder mit 160 GByte Festplatte für 299 Euro vor.

ProSiebenSat.1 hat die Nase vorn
Die künftig zu Springer gehörende Senderfamilie um ProSiebenSat.1 kündigte überraschend den Start ihres kostenfreien Angebotes zum 26. Oktober an und wird damit die Nase vorn haben. Premiere hatte schon vor einiger Zeit die ersten kostenpflichtigen HDTV-Sendungen für November angekündigt und wollte die Pläne auf der IFA konkretisieren. Allerdings wird ProSiebenSat.1 den Großteil der Sendungen nur "künstlich" in die höhere Auflösung umrechnen, da sie nicht in HD-Qualität produziert werden. Das Bild werde in diesem Fall etwas schlechter als bei Original-HD sein, aber immer noch deutlich besser als bei herkömmlichen PAL-Empfang, sagte ein Sprecher.

Boom bei Verkauf von LCD-Fernsehern
HDTV gilt neben flachen TV-Geräten als ein zentraler Wachstumstreiber für die boomende Unterhaltungselektronik. Die Branche erwartet in diesem Jahr massive Zuwächse beim Absatz von Fernsehgeräten. Allein der Verkauf von LCD-Fernsehern soll um 160 Prozent und der von Plasma-Geräten um 250 Prozent steigen. Die neuen Geräte sind zumeist HD-tauglich. Das Fehlen von in HDTV ausgestrahlten Sendungen war bislang das größte Hindernis für eine weitere Verbreitung der Technik. Das bessere Bild wird durch eine deutlich höhere Anzahl von Bildpunkten möglich. Im Gegensatz zum bisherigen PAL-Standard mit 400.000 Pixel erzielen die HDTV-Bilder eine Auflösung von etwa zwei Millionen Pixel. Für den Empfang, der zunächst nur über Satellit laufen soll, sind spezielle Receiver notwendig.

Fußball-WM als Beginn einer neuen Medienära?
Einen Durchbruch des neuen Standards erwarten Experten mit der Fußball-WM 2006. Premiere wird alle 64 Begegnungen hochauflösend im Bildseitenverhältnis 16:9 zeigen. Um in den vollen Genuss der besseren Bildqualität zu kommen, braucht es freilich entsprechende Fernseher. In der Unterhaltungsindustrie ist die Hoffnung auf ein gutes Geschäft daher groß. Nach Expertenmeinung könnte die Fußball-WM 2006 gar zum "Beginn einer neuen Medienära" werden.

Schwung von der IFA erwartet
Neuen Schwung erwartet sich Pro Sieben Sat1 von der IFA in Berlin. Um den neuen Standard durchzusetzen, werde es auch Kooperationen mit der Geräteindustrie geben. Wie diese Zusammenarbeit aussehen wird, konnte Pro Sieben Sat1 nicht sagen, berichtet ZDNet. Insgesamt erwarte Pro Sieben Sat1, dass das Medium Fernsehen durch den neuen Standard und die verbesserte Qualität aufgewertet wird. Bis wann HDTV in Europa Standard sein wird, ist noch völlig unklar. Australien will den Wechsel als Vorreiter bis 2006 vollziehen, in den USA strahlt bereits ein Großteil der Sender ihre Programme in HDTV aus. Auch in Japan gibt es schon seit 1998 HDTV-Sender, die Umstellung soll dort bis 2010 abgeschlossen sein. (apa/red)

31.8.2005 13:04