Freitag, 2. September 2005

Österreicher horten noch 11 Mrd. Schilling:
"Euro-Bus" tourt auch 2006 durchs Land

  • Besucher wechselten heuer noch 73,4 Mio. Schilling
  • 458.000 "Suttner-Tausender" kamen nicht zurück

Die Österreicher können sich nur schwer vom guten, alten Schilling trennen. Fast 11 Milliarden Schilling verstecken sich noch in den Sparstrümpfen. Deshalb wird auch 2006 die "Rollende Zweiganstalt der Nationalbank" durch Österreich touren, um Bürgern den kostenlosen Umtausch von Schilling-Banknoten und -münzen in Euro zu erleichtern. Entgegen den Erwartungen der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) stiegen jedes Jahr sowohl die Zahl der Besucher als auch die Höhe der umgetauschten Beträge.

Insgesamt hat die OeNB seit der ersten Euro-Tour 2002 an 342 Stationen insgesamt 208,5 Mio. Schilling in Euro getauscht. Dem stehen noch ausstehende Schilling-Bestände im Wert von etwa 785 Mio. Euro - oder 10,8 Mrd. Schilling - gegenüber, wovon 195 Mio. Euro auf "alte" Schilling-Serien, die zum Zeitpunkt des Euro-Tausches nicht mehr gesetzliches Zahlungsmittel waren, entfallen.

Die am 13. Mai gestartete "Euro-Tour 2005" endete am 30. August mit neuen Rekorden: 48.176 Besucher wechselten insgesamt 73,4 Mio. Schilling um. Die Gesamtzahl der Besucher lag mit 104.409 noch deutlich höher. "Speziell in kleinen ländlichen Gemeinden hat der Besuch des Euro-Bus ein bisschen Volksfestcharakter", sagte OeNB-Hauptabteilungsleiter Stefan Augustin Donnerstagabend vor Journalisten beim Europäischen Forum Alpbach. Außer dem kostenlosen Umtausch wurde im Bus auch über den Euro und speziell über die Sicherheitsmerkmale informiert. Zusätzlich lockte ein Gewinnspiel Gäste an.

Suttner-Tausender nichts mehr wert
Ende August endete die Umtauschmöglichkeit für den 1.000-Schilling-Schein mit dem Porträt der Nobelpreisträgerin Bertha von Suttner, der von 1970 bis 1985 gültig war. Knapp 458.000 Stück dieser Banknote im Wert von 33 Mio. Euro kamen nicht mehr zurück. "Vermutlich existiert ein größerer Teil davon gar nicht mehr", vermutet Augustin. Manche Exemplare werden als Sammlerstücke gehortet, ein Teil liegt im Ausland. Der Wert der nicht eingelösten Suttner-Banknoten wurde bereits ans Finanzministerium überwiesen.

Wer jetzt noch Suttner-Tausender findet, kann nur noch versuchen, einen Sammler für gut erhaltene Stücke zu finden - oder sich selbst am Sammlerwert erfreuen.

Geldscheine und Münzen der letzten Schillingserie vor dem Euro-Umtausch tauscht die Nationalbank in der Wiener Zentrale, ihren Bundesländer-Zweigstellen und im "Euro-Bus" unbefristet in die Einheitswährung um. Die bereits davor ausgelaufenen Serien verlieren aber 20 Jahre nach ihrer Ablösung durch neue Geldscheine ihre Gültigkeit. Nach dem Suttner-Tausender folgen nun jährlich andere Geldwerte. Nächstes Jahr ist die 100-Schilling-Banknote mit dem Konterfei der Malerin Angelika Kauffmann an der Reihe, die mit 28. November 2006 ihre Gültigkeit verliert. Die Banknote war 1986 aus dem Verkehr gezogen worden.

Größter Ansturm in Wien
Durchschnittlich besuchten bei der "Euro-Tour 2005" täglich 1.173 Besucher an den 89 Stationen in 85 Städten und Gemeinden den Bus. Im Jahr davor waren es 1.131 Besucher. Den größten Besucheransturm gab es am 27. August in Wien (3.064 Besucher). Durchschnittlich wurden täglich 825.000 Schilling gewechselt, um 36 Prozent mehr als 2004 (606.000 S). Der Tages-Rekord belief sich auf 2,57 Mio. Euro (am 17.5. in St. Pölten). Den höchsten Einzelbetrag wechselte am letzten Tag der Tour (30.8.) eine ältere Dame in Mittersill, nämlich 375.320 Schilling, davon 119 "Suttner-Tausender", die wenige Stunden danach endgültig ihren Wert verloren.

Nach Abschluss der diesjährigen Euro-Tour macht der Euro-Bus noch am 16. und 17. September im Rahmen der EU-Info-Tage am Wiener Rathausplatz sowie am 25. und 26. Oktober bei der Leistungsschau des Österreichischen Bundesheeres am Wiener Heldenplatz Station (Öffnungszeiten 10.00 bis 18.00 Uhr). (apa/red)

2.9.2005 13:05