Arbeitslosigkeit in Österreich steigt weiter: Mit 6,2 Prozent neuer Rekordwert erreicht!
- Mit 219.277 um 6,1 Prozent höher als im August '04
- Anstieg in allen Bundesländern, Wien am geringsten
·D: Arbeitslosenzahl
auf 4,728 Mio. gefallen
Quote im August um 11,4
Prozent zurückgegangen
·EU-Arbeitslosigkeit auf 8,6% gesunken
Quote blieb bei uns mit 5,1 Prozent unverändert
Im August ist die Arbeitslosigkeit in Österreich auf eine neue Rekordquote von 6,2 Prozent geklettert. Der heurige Wert war der höchste August-Wert seit Beginn der Zählung 1970. Gegenüber August 2004 stieg die Arbeitslosigkeit um 6,1 Prozent auf 219.277 vorgemerkte Arbeitslose, inklusive der in Schulung befindlichen Personen waren im August 260.000 Menschen auf Arbeitssuche. In allen Bundesländern war ein Anstieg zu verzeichnen, der höchste in Vorarlberg. Als Ursache der gestiegenen Arbeitslosigkeit nennt das Wirtschaftsministerium die "verhaltene konjunkturelle Entwicklung".
Trotz touristischer Hochsaison kam es zu einem überdurchschnittlichen Anstieg im Tourismus (plus 8,5 Prozent), 17,4 Prozent des Anstiegs der Arbeitslosigkeit waren im August auf den Tourismus zurückzuführen. Auch die Jugendarbeitslosigkeit stieg überdurchschnittlich um 12,4 Prozent. Die Zahl der Lehrstellen Suchenden hat im August gleich um 22,7 Prozent auf 10.916 zugenommen. Von der steigenden Arbeitslosigkeit waren neuerlich Frauen stärker betroffen als Männer. Der stärkste Anstieg war zwar im August bei Personen ohne abgeschlossene Schulbildung (plus 15,2 Prozent) und mit Pflichtschulabschluss (plus 7,9 Prozent) zu verzeichnen, doch auch bei Akademikern kam es zu einem überdurchschnittlichen Zuwachs der Arbeitslosigkeit von 6,6 Prozent.
Die Gesamtzahl der Beschäftigten stieg mit Ende August um 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3,313.676 Personen. Bei den gemeldeten offenen Lehrstellen war mit plus 8,7 Prozent auf 3.182 eine leichte Zunahme zu verzeichnen. Bei den gemeldeten offenen Stellen kam es zu einem Anstieg um 12,4 Prozent auf 28.749.
Anstieg in allen Bundesländern
In allen Bundesländern stieg die Arbeitslosigkeit im August an. Die stärkste - relative - Zunahme verzeichnet Vorarlberg (15,1 Prozent) gefolgt von Tirol (12,3 Prozent), Oberösterreich (10,3 Prozent), Kärnten (10,0 Prozent), der Steiermark (7,7 Prozent) und dem Burgenland (6,5 Prozent). Die geringsten Steigerungen waren in Wien (2,2 Prozent), Salzburg (3,6 Prozent) und Niederösterreich (5,9 Prozent) zu verzeichnen.
Die höhere Arbeitslosigkeit hat zu heftigen Vorwürfen der Opposition gegen die Regierung geführt. SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer forderte einen "Kurswechsel" in der Beschäftigungspolitik, da sich die "dramatische Entwicklung" am Arbeitsmarkt weiter fortsetze, vor allem im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit. Für die Grünen forderte Sozialsprecher Karl Öllinger eine "aktive und experimentelle Arbeitsmarktpolitik".
ÖGB fordert Einführung von Lehrlingsstiftungen
ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch plädierte für die Einführung von Lehrlingsstiftungen. Oberstes Ziel müsse die Steigerung der Binnennachfrage sein, sagte Verzetnitsch. ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Csörgits forderte eine Qualifizierungsoffensive für Frauen als Wiedereinsteigerinnen. Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel forderte eine sofortige Erhöhung der öffentlichen Infrastruktur-Investitionen, eine steuerliche Entlastung der kleinen und mittleren Einkommen und 250 Mio. Euro mehr für die Aus- und Weiterbildung von Arbeitssuchenden.
Für die ÖVP verteidigte Generalsekretär Reinhold Lopatka den Regierungskurs. Die Bundesregierung habe in den vergangenen Wochen und Monaten ein "breites Programmangebot" erarbeitet, das den Arbeit suchenden Menschen in Österreich zugute komme, betonte er. SP-Chef Gusenbauer hingegen schaffe mit seinen ständigen negativen Aussagen "nur ein demotivierendes Klima für alle Gruppen am Arbeitsmarkt", das auch den Wirtschaftsstandort Österreich schädige. (apa/red)

