Dienstag, 30. August 2005

Pünktlich und schnell: Zahlungsmoral der Österreicher auch heuer weiter gestiegen

  • Zahlungsverzug reduzierte sich von 16 auf 13 Tage
  • Verzug der öffentlichen Hand hat sich erhöht

Die Zahlungsmoral der Österreicherinnen und Österreicher hat sich heuer weiter verbessert. Der Zahlungsverzug reduzierte sich von 16 auf 13 Tage, womit die Alpenrepublik europaweit zu den schnellsten Zahlern gehört. Trotzdem müssen derzeit rund 35 Mrd. Euro von Unternehmen und Privatpersonen eingemahnt werden. Übrig bleiben davon 1,4 Mio. Inkassofälle, im Durchschnitt beträgt die eingeforderte Summe 1.000 Euro, so der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) am Dienstag vor Journalisten.

Die tatsächliche Zahlungsdauer sank von bisher 40 auf nunmehr 36 Tage, womit sich der positive Trend des Vorjahres fortsetzte. Auch für 2006 ist der KSV optimistisch, während die 2.000 befragten Personen das etwas skeptischer sehen. Problembranchen sind nach wie vor das Bau- und Baunebengewerbe sowie die Gastronomie. Schlechte Erfahrungen mussten die Unternehmen auch heuer wieder mit der öffentlichen Hand machen. "Der durchschnittliche Zahlungsverzug hat sich gegenüber 2004 um 8 Tage erhöht und liegt nun bei 32 Tagen", hieß es von den Kreditschützern.

Grundsätzlich lasse sich beobachten, dass Unternehmen bei größeren Außenständen schneller vor Gericht ziehen. Den Rechtsanwalt schalteten mehr als ein Drittel der Befragten ein - ein Plus von 5 Prozent. Gleichzeitig haben die Unternehmen ihr Zahlungsziel gegenüber 2004 um einen Tag auf 23 Tage reduziert. Den üppigsten Zahlungsverzug verzeichnet die Branche "Uhren, Schmuck, Foto" mit 26 Tagen. Im Energie-, Landwirtschafts-, Chemie- und Textilsektor sind es hingegen nur 10 Tage.

Vorarlberger besonders schnell
Im Bundesländervergleich sind nur geringe Unterschiede festzustellen, generell sei aber die Zahlungsmoral im Westen besser als im Osten Österreichs. Die säumigsten Zahler sind laut KSV die Burgenländer und Kärntner, am schnellsten zücken die Vorarlberger die Geldbörse. Im internationalen Vergleich sind die Schweden die angenehmsten Kunden, gleich gefolgt von den Österreichern. Schlusslicht ist "wie immer Italien", erklärte der Inkassochef des KSV, Walter Koch.

Als Gründe für den Zahlungsverzug nennen die meisten Unternehmen und Privatkunden mangelnde Liquidität bzw. Überschuldung. Beachtlich ist, dass 44 Prozent der Firmen bewusst ihre Rechnungen nicht bezahlen. Diese "kostenlosen Lieferantenkredite" würden jedoch durch die verschärften Kreditrichtlinien - Stichwort Basel II - weniger werden, so Koch. Andererseits könnte sich durch steigende Kreditzinsen die Zahlungsmoral auch wieder verschlechtern, gab er zu bedenken.

(apa)

30.8.2005 11:30