Montag, 29. August 2005

Kovats nächster Streich: Industrieller steigt
bei Lindeteves-Jacoberg aus Singapur ein

  • Über Gewährung eines Darlehens Anteile erworben
  • PLUS: Industrie-Tycoon Kovats im FORMAT-Interview

Die an der Wiener Börse notierte Motorengruppe ATB Austria Antriebstechnik AG des Industriellen Mirko Kovats hat am Montag den Einstieg in ein großes internationales Elektromotoren-Unternehmen bekanntgegeben. Zunächst sollen über die Gewährung eines Darlehens Anteile an der Lindeteves-Jacoberg, Singapur, erworben werden. Dies soll aber nur "der erste Schritt" zu einer Akquisition in mehreren Phasen sein.

Durch die künftige Umwandlung des Darlehens in Aktien im Rahmen einer Kapitalerhöhung wird ATB 30 Prozent minus einer Aktie an Lindeteves-Jacoberg halten, so ATB in einer ad-hoc-Mitteilung. Kaufpreis wurde keiner genannt.

Im ersten Halbjahr Aufstockung der Anteile auf 50 Prozent
In weiterer Folge soll die ATB voraussichtlich im ersten Halbjahr 2006 weitere Anteile bis zu mehr als 50 Prozent erwerben. "Damit wird ATB Austria Antriebstechnik zu den weltgrößten Playern in der Motorenproduktion zählen", hieß es am Montag.

Zu der an der Börse von Singapur notierten Holdinggesellschaft zählen vier operative Töchter in Deutschland, Polen, Großbritannien und China, die allesamt im Motorenbereich tätig sind (Brands u.a. Schorch, Brook Tamel Crompton und Western Electric, eine Marke, die vor allem in Asien sehr stark positioniert sein soll).

Lindeteves-Jacoberg hat 2004 einen Umsatz von rund 185 Mio. Euro erwirtschaftet. Durch den Einstieg Motorenherstellers ATB bei Lindeteves-Jacoberg wird sich die Größe des zur A-Tec von Mirko Kovats gehörenden steirischen Unternehmens beinahe verdoppeln: Das in Singapur notierende Unternehmen macht derzeit mit etwa 3.000 Beschäftigten einen Umsatz von 185 Mio. Euro.

Die ATB-Gruppe mit Hauptsitz im steirischen Spielberg beschäftigt bei einem Umsatz von etwa 180 Mio. Euro etwa 4.000 Mitarbeiter. Mit welchen Einschnitten Lindeteves-Jacoberg rechnen muss, wollte ATB-Vorstand Christian Schmidt am Montag auf APA-Anfrage nicht beziffern: Er bekräftigte nur, dass Synergien mit der ATB genutzt werden sollten.

Der derzeitige Haupteigentümer von Lindeteves-Jacoberg sei eine Beteiligungsgruppe in Singapur. Die gewählte Einstiegslösung (Darlehen mit dessen nachfolgender Umwandlung in Eigenkapital über eine Kapitalerhöhung) sei gewählt worden, "um der Gruppe rasch Liquidität zur Verfügung zu stellen". Die Mehrheitsübernahme von Lindeteves-Jacoberg sei fest geplant und werde über eine Call-Option auf Aktien früherer Großaktionäre erfolgen, sagte Schmidt.

Lindeteves-Jacoberg produzieren Nieder- und Hochspannungsmotoren für Industriezwecke, oft für Spezialanwendungen. So stellt eine Tochter Motoren für die Bergbauindustrie, eine andere hochdrehende Elektromotoren für Prüfstände der Autoindustrie her.

"Von den Märkten her ist es eine perfekte Ergänzung für die ATB", sagte Schmidt. "Bis auf die USA sind wir nun weltweit aufgestellt." Speziell auf dem asiatischen Markt, werde man sich stärken können, durch ein Werk in China könne man sich den Zugang zum Reich der Mitte eröffnen. Aber auch in Deutschland und Osteuropa werde die ATB-Gruppe durch die Neuerwerbung gewinnen können.
(apa)

29.8.2005 10:26