Textilkrise in Europa: Brüssel will Textilien aus China so schnell wie möglich in EU lassen
- Einfuhrquoten: In Häfen stapeln sich Kleider
Die EU-Kommission will die derzeit in den Zolllagern blockierten Textilien aus China so schnell wie möglich in die EU lassen. Die im Juni mit Peking ausgehandelten Importquoten sollten aber nicht in Frage gestellt werden, sagte EU-Handelskommissar Peter Mandelson am Montag in Brüssel. Einen entsprechenden Vorschlag will der Brite in Kürze den EU-Regierungen vorlegen.
Details nannte er nicht. Spekuliert wurde in Brüssel, dass die bereits bestellten Lieferungen auf das Kontingent für 2006 angerechnet werden könnten. Der Handel drängte erneut auf eine schnelle Freigabe der Lieferungen.
Einen möglichen Termin für die Freigabe der Textilien wollte Mandelson nicht nennen. Am Sonntag hatte er der BBC gesagt, falls sich die EU-Mitglieder auf den Lösungsvorschlag einließen, könnten alle beschlagnahmten Waren bis Mitte September auf den Markt gebracht werden. Mandelson appellierte nun an die EU-Regierungen, seinen Vorschlag mit der erforderlichen Mehrheit zuzustimmen.
Der Textilhandel sei nicht für die Situation zu "bestrafen", für die die Mitgliedstaaten, die Kommission und China gemeinsam verantwortlich seien, sagte er zur Begründung. Zuvor war eine EU-Delegation nach viertägigen Verhandlungen mit China aus Peking abgereist. Über die Ergebnisse war Stillschweigen vereinbart worden.
Zwischen der Aushandlung der Höchstmengen am 10. Juni und deren Inkrafttreten mehr als einen Monat später sei es auf allen Seiten zu Verzögerungen gekommen, sagte der Kommissar weiter. Mandelson betonte, er habe Verständnis dafür, dass der europäische Textilhandel diesen Zeitraum dafür genutzt habe, noch einmal kräftig in China Ware zu ordern. Mit diesem Verhalten sei die Vereinbarung zwar im Prinzip unterlaufen worden, einen "Betrug" habe dies aber nicht dargestellt.
Der Handel drängte erneut auf eine schnelle Freigabe der Lieferungen, deren Einfuhr in die EU nach dem schnellen Überschreiten der ausgehandelten Mengen blockiert wurde. Rund 80 Mio. Textilien, darunter T-Shirts, Hosen und BHs, sitzen deshalb derzeit im europäischen Häfen fest. Eine Freigabe erst Mitte September könne möglicherweise für viele Importeure und Händler zu spät sein, sagte Ralph Kamphoner von EuroCommerce, der Vertretung von Handelsverbänden aus 28 europäischen Ländern: "Wir brauchen jetzt eine Lösung."
Mandelson wies dagegen Behauptungen zurück, wegen des Textilstreits könne es zu Engpässen im Einzelhandel kommen: Die Vorstellung, dass die Regale in den Läden leer würden, sei "ziemlich von der Wahrheit" entfernt, sagte der Kommissar.
(apa)

