Samstag, 3. September 2005

Stranzl hofft auf mehr Legionäre im ÖFB-Team: Stuttgarter im Sommer unverkäuflich

  • "Brauchen mehr Spieler, die schwierigen Weg wählen"

Wenn auch das Niveau der österreichischen Bundesliga durch den Champions-League-Einzug von Rapid, die UEFA-Cup-Erfolge der Austria und des GAK sowie durch die Investitionen von Red Bull in Salzburg im Steigen begriffen ist - das ÖFB-Team braucht Legionäre, um bei der Heim-EM 2008 zu bestehen. Diese Meinung vertritt Martin Stranzl, der schon in Teenager-Zeiten auswanderte und in Deutschland längst zu einem festen Bundesliga-Bestandteil avancierte.

"Unser Problem ist, dass wir zu wenige Spieler im Ausland haben", sagte der Stuttgart-Spieler vor dem WM-Qualifikations-Duell mit den Polen, die das Match mit 19 Legionären im Kader in Angriff nahmen, während bei Österreich mit Stranzl, Emanuel Pogatetz (Middlesbrough) und Andreas Ibertsberger (Freiburg) gerade drei Fremdarbeiter im Aufgebot standen. "Wir brauchen mehr Spieler, die den schwierigen Weg wählen und nicht mit einem bequemen Stammplatz in Österreich zufrieden sind", forderte der Defensiv-Spezialist.

Ein Scheitern in der WM-Qualifikation würde laut Stranzl das Ziel eines erfolgreichen Abschneidens bei der EURO 2008 weiter erschweren. "Dann würden wir nicht spüren, welcher Druck bei solchen Turnieren aufgebaut wird", befürchtet der Burgenländer. Sollte das WM-Ticket verpasst werden, "müssen wir schauen, dass wir bis 2008 hochkarätige Gegner bekommen, damit sich die Mannschaft einspielen kann."

Mit hochkarätigen Gegner hat es Stranzl mit Stuttgart in der deutschen Bundesliga wöchentlich zu tun - und das trotz aller Unkenrufe, er werde unter dem neuen Trainer Giovanni Trapattoni seinen Stammplatz bei den Schwaben verlieren. "Jeder Trainer ist anders, da gibt es am Anfang Umstellungsschwierigkeiten. Aber der Verein hat im Sommer gesagt, ich bin unverkäuflich, also gehe ich davon aus, dass man mit mir zufrieden ist", sagte Stranzl, der in Stuttgart bis 2008 unter Vertrag steht.

Angebote, den VfB zu verlassen, hätte es im Sommer gegeben, doch Stranzl entschied sich auf Grund des Vertrauensbeweises seines Klubs für einen Verbleib beim UEFA-Cup-Starter - vorläufig zumindest, denn die Traumliga des 25-Jährigen liegt nordwestlich von Deutschland. "In der englischen Premier League zu spielen wäre toll, das würde auch meiner Spielweise entgegenkommen."

Vorläufig muss der seit dem Polen-Match 26-fache ÖFB-Teamspieler noch mit der deutschen Bundesliga vorlieb nehmen, in der er bei Stuttgart als "Allrounder" auf mehreren Positionen, zuletzt rechts in der Viererkette, zum Einsatz kommt. "Am liebsten spiele ich aber im zentralen defensiven Mittelfeld. Dort kann ich viel mehr ins Spielgeschehen eingreifen, und dort habe ich auch meine besten Partien gespielt."

(apa/red)

3.9.2005 11:01