Freitag, 2. September 2005

WM-Träume endgültig geplatzt: Glücklose Österreicher verlieren in Polen mit 2:3!

  • Zwei Tore von Linz zu wenig. Gibt Krankl jetzt auf?
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Traurig, aber wahr: Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wird ohne die österreichische Nationalmannschaft stattfinden. Das ÖFB-Team musste sich am Samstag in Chorzow gegen Polen unglücklich mit 2:3 (0:2) geschlagen geben und vergab damit die letzte realistische Chance auf einen Platz in Deutschland.

Smolarek (13.), Kosowski (23.) und Zurawski im Elfmeter-Nachschuss (68.) erzielten vor rund 40.000 Zuschauern die Treffer der Polen, die die Partie eine Stunde lang dominierten. Dem eingewechselte Roland Linz gelang zwei Mal nur der Anschlusstreffer (61. und 80.), in der 90. Minute fehlten bei einem Kopfball des Austria-Stürmers an die Latte nur Zentimeter für einen Punkt der nach der Pause stärkeren Österreicher. Und in der Nachspielzeit verhinderte Radomski mit einer Kopfball-Abwehr auf der Linie bei einem Kuljic-Kopfball neuerlich ein Remis.

Nur noch theoretische Chance
Nur ein Fußball-Wunder könnte die Mannschaft von Teamchef Hans Krankl damit noch zur WM bringen. Polen ist mit 21 Punkten bereits außer Reichweite, England (19) müsste die ausstehenden drei Partien verlieren, Österreich (11) seine drei Spiele gewinnen, um noch in die Relegation zu kommen. Am Mittwoch könnte bereits die definitive Entscheidung fallen, wenn England in Nordirland spielt und Österreich um 18:00 Uhr in Baku gegen Aserbaidschan (ohne die gesperrten Schopp, Standfest, Aufhauser) antritt.

Polen startet rasant
Die 40.000 Zuschauer in Chorzow empfingen die Österreicher mit einem Pfeifkonzert, nachdem ein Boulevard-Blatt die Stimmung nach einem Disput zwischen Teamspieler Kühbauer und dem polnischen Sturm-Graz-Legionär Ledwon angeheizt hatte. Danach hatten die polnischen Fans allerdings zunächst keinen Grund mehr für Missfallenskundgebungen. Ihre Elf machte von der ersten Minute weg enorm Druck und hatte die Partie eine Stunde lang im Griff.

Die erste große Chance allerdings hatten die Österreicher. Nach einem weiten Ehmann-Freistoß kam Solo-Spitze Mayrleb zum Ball, sein Volley direkt auf Boruc war jedoch kein Problem für den polnischen Schlussmann. Es sollte die einzige Möglichkeit der Rot-Weiß-Roten in der ersten Hälfte bleiben.

Früher 0:2-Rückstand
Denn Polen spielten praktisch eine Hälfte auf ein Tor. Der GAK-Abwehrblock machte keinen sicheren Eindruck, das Mittelfeld um Kühbauer konnte den Druck nicht abfangen und selbst Initiative ergreifen, Mayrleb war völlig abgemeldet. Österreich lief meist dem Ball und ab der 13. Minute auch einem Rückstand hinterher. Nach einem Szymkowiak-Freistoß nach einem rüden Pogatetz-Foul sprang Stranzl der Ball vom Oberschenkel und direkt vor die Beine von Smolarek, der Torhüter Schranz keine Chance ließ.

Damit waren die Hoffnungen, so lang wie möglich ein 0:0 zu halten und im Finish vielleicht zuzuschlagen, wie es Rapid in der Champions-League-Qualifikation in Moskau erfolgreich praktiziert hatte, früh vorbei. Polen spielte aus einem Guss, in der 23. Minute verwertete Kosowski eine der vielen Chancen zum 2:0. Nach Zurawski-Flanke gewann Rasiak das Kopfball-Duell mit Standfest, der künftige Tottenham-Sturmtank legte ideal ab, Kosowski traf aus rund acht Metern.

Mit Linz kam frischer Schwung
Mit einem zweiten Stürmer (Linz kam in der Pause für Standfest) versuchte Krankl, dem Spiel ähnlich wie im Vormonat gegen Schottland (2:2 nach 0:2-Rückstand) eine Wende zu geben. Im gleichen Maße, wie der Druck der Polen nachließ, kamen die Österreicher so auch besser ins Spiel. Und der Joker stach. Nach einem Stranzl-Pass schaffte Linz mit seinem ersten Länderspiel-Tor den Anschlusstreffer und beendete vorübergehend die Feierstimmung auf den Rängen (61.).

Plötzlich zeigten auch die Polen Schwächen, Ivanschitz und Co kamen mehrmals gefährlich in den Strafraum. Doch ausgerechnet in der stärksten Phase der Österreicher folgte der nächste Rückschlag: Im Konter zog Zurawski von der Mittellinie auf und davon, Schranz konnte den Stürmer nur noch mit einem Foul stoppen, sah aber nur die Gelbe Karte. Zurawski trat zum Elfmeter an, scheiterte zunächst an Schranz, verwertete aber den Nachschuss zum 3:1 (68.) und führt nun mit Frankowski (je sechs Treffer) die Torschützenliste der Gruppe 6 an.

Linz wurde fast zum Held
Doch die Österreicher gaben sich noch nicht geschlagen. Linz schlug ein zweites Mal zu, verkürzte in der 80. Minute auf 2:3. Und beinahe hätte der Austria-Stürmer sogar einen Hattrick erzielt, doch sein dritter Treffer wurde wegen Abseits zu Recht aberkannt (85.). Ein weiterer Schuss von ihm fiel zu schwach aus (87.), in der 90. Minute traf er nur die Latte.

Muss Krankl gehen?
Ob die Niederlage die Chance von Krankl, die Auswahl in die Vorbereitung auf die Heim-EM 2008 zu führen, beeinflusst, wird sich zeigen. Sein aktueller Vertrag läuft noch bis Ende der Qualifikation Mitte Oktober.

Polen - Österreich 3:2 (2:0)
Chorzow, Slaski-Stadion, 40.000, SR Massimo De Santis/ITA

Torfolge:
1:0 (13.) Smolarek
2:0 (23.) Kosowski
2:1 (61.) Linz
3:1 (68.) Zurawski (Elfer-Nachschuss)
3:2 (80.) Linz

Polen: Boruc - Basczinski, Bak, Klos, Rzasa - Smolarek (73. Mila), Sobolewski, Szymkowiak (83. Radomski), Kosowski (88. Zewlakow) - Zurawski, Rasiak

Österreich: Schranz - Standfest (46. Linz), Ehmann (81. Kiesenebner), Hieblinger, Pogatetz - Schopp (81. Kuljic), Stranzl, Kühbauer, Aufhauser, Ivanschitz - Mayrleb

Gelbe Karten: Smolarek bzw. Pogatetz, Standfest (am Mittwoch gesperrt), Aufhauser (am Mittwoch gesperrt), Ivanschitz, Schranz, Schopp (am Mittwoch gesperrt)

Die Besten: Zurawski, Smolarek, Kosowski bzw. Linz, Ehmann

(apa/red)

2.9.2005 10:48