Freitag, 2. September 2005

Kühbauer wies Ledwon-Anschuldigungen zurück: "Habe nie Problem mit Polen gehabt"

  • Anzeige eines polnischen rechten EU-Abgeordneten
  • Konsul in Polen: "Zeitung ist billige Marktschreierei"

Teamspieler Didi Kühbauer hat vor dem Abflug zum WM-Qualifikationsspiel nach Polen die Anschuldigungen von Adam Ledwon zurückgewiesen, er hätte den Mittelfeldspieler von Sturm Graz nach dem Liga-Match am vergangenen Samstag zwischen Mattersburg und Sturm als "stinkenden Polen" bezeichnet. "Ich habe mein Leben lang noch nie mit Polen ein Problem gehabt, auch nicht mit Ledwon, außer auf dem Platz", betonte der Burgenländer kurz vor dem Abflug zum WM-Quali-Spiel nach Polen.

Kühbauer kritisierte vor allem das Vorgehen der polnischen Boulevard-Zeitung "Super Express", die eine Fotomontage mit einer Gasmaske auf dem Gesichts des SVM-Kapitäns veröffentlich hatte und zu jeder Ausgabe eine Pfeiferl beilegt, damit Kühbauer von rund 45.000 Fans ausgepfiffen wird. "Ich bin sehr traurig, wenn ich so ein Bild sehe. Das ist unterste Schublade, der Fußball verliert. Aber eine Zeitung muss sich eben verkaufen."

Das zu erwartende Pfeifkonzert bereitet Kühbauer kein Kopfzerbrechen. "Das geht mir in jedem Liga-Spiel so, und dass wir nicht mit Applaus empfangen werden, war ohnehin zu erwarten", gab sich Kühbauer locker. Teamchef Hans Krankl ist überzeugt, dass sein Schützling mit der Situation umzugehen weiß. "Er ist 34 Jahre und weiß genau, wie er sich verhalten muss. Er wird sowieso in jedem Spiel provoziert", sagte der ÖFB-Coach.

"Beleidigung der Republik Polen und des polnischen Volkes"
Unterdessen hat der polnische EU-Abgeordnete Wojciech Wierzejski von der Ultra-Rechtspartei LPR Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Kattowitz "wegen Beleidigung der Republik Polen und des polnischen Volkes" gegen Kühbauer eingebracht. "Mit der Aussage, dass Polen stinken, hat Kühbauer ein ganzes Volk beleidigt", erklärte Wierzejski, dessen Partei im September Präsidenten- und Palaments-Wahlen zu schlagen hat, und forderte den Staatsanwalt auf, Kühbauer in Kattowitz zu vernehmen.

Konsul Reinhard Kogler vom Generalkonsulat Krakau sah die Causa relativ gelassen, kritisierte aber "Super Express" scharf. "Das Vorgehen dieser Zeitung ist billige Marktschreierei."

Blitzlichtgewitter in Kattowitz
Didi Kühbauer, der in Polen derzeit offenbar zum Fußball-Feind Nummer eins abgestempelt ist, wurde nach dem rund einstündigen Flug von Wien nach Kattowitz auf dem Flughafen von einem Blitzlicht-Gewitter empfangen. Auf seinem Weg von der Gepäck-Ausgabe bis zum Teambus, der keine 100 m lang war, ist der Burgenländer von TV-Kameras, Fotografen und Journalisten belagert worden. Der Mittelfeldspieler trug es mit Fassung und kämpfte sich ohne ein Wort zu sprechen durch die Massen.

(apa/red)

2.9.2005 09:02