Mittwoch, 31. August 2005

ÖFB-Teamchef Krankl im NEWS-Interview:
"Die Qualifikation ist nicht realistisch!“

  • Krankl über Polen-Match & Ultimatum an Stickler
  • PLUS: Alle Infos und Bilder zur WM-Qualifikation

Es ist wieder einmal so weit: Dem österreichischen Fußball-Nationalteam stehen zwei Schicksalsspiele ins Haus. In der Doppelrunde gegen Polen am 3. September in Chorzow und am 7. September in Baku gegen Aserbaidschan geht es um die allerletzte Minichance für die WM-Endrunde nächstes Jahr in Deutschland. Schon vor dem Anpfiff zu den entscheidenden Partien macht sich Teamchef Hans Krankl im NEWS-Interview so richtig Luft. Er spricht offen über die realistischen Chancen, die Österreich noch verbleiben. Gleichzeitig überrascht er mit der Aussage, ein ausführliches Konzept bis zur Heim-EM 2008 in der Tasche zu haben.

NEWS: Wie realistisch ist es überhaupt, dass sich Österreich doch noch für die WM-Endrunde 2006 in Deutschland qualifiziert?
Krankl: Überhaupt nicht. Das war es von Anfang an nicht, weil wir England und Polen in der Gruppe haben. Auch nach dem 2:2 gegen England und den zwei Siegen gegen Wales war es nicht realistisch. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt! Wir waren während der WM-Qualifikation in keinem Match schlecht, wir waren gut bis sehr gut, und wir haben gegen Polen in Wien sehr unglücklich verloren. Polen ist in der Gesamtqualität seiner Mannschaft über uns zu stellen. Und das ist eigentlich unser Pech.

NEWS: Die Schonfrist ist vorüber. Wie sehr nerven Sie die zahlreichen Diskussionen, die mit Sicherheit auf Sie zukommen werden?
Krankl: Es ist uninteressant, ob die mich stören oder nicht. Das ist mein Job, damit muss ich leben. Ja, es stört mich, dass alles angezweifelt wird. Die ewigen Diskussionen kränken mich sehr und gehen mir auf die Nerven. Aber ich mach das schon 30 Jahre lang. Ich musste als Spieler und jetzt als Trainer eine noch größere Verantwortung tragen. Das tue ich, so lange man mich lässt. Mein Vertrag läuft bis 31. Dezember 2005. Damit hat es sich. Ende, aus!

NEWS: Glauben Sie, dass Sie aus der Nationalmannschaft das Maximum herausgeholt haben?
Krankl: Ich hab mit meinem Team nicht 100 Prozent, sondern 101 Prozent herausgeholt.

NEWS: Wäre in der Vergangenheit nicht oft mehr Diplomatie Ihrerseits gefragt gewesen?
Krankl: Wann und wo? Und vor allem wem gegenüber?

NEWS: Gegenüber Ihren Kritikern und den Medien vielleicht.
Krankl: Sie werden doch nicht glauben, dass ich Demut zeige. Ich schätze gute Journalisten, die recherchieren und sich für das Medium Fußball interessieren. Die mit einer österreichischen Nationalmannschaft mitfiebern und einmal vergessen, dass sie Journalisten sind, egal, wie sie darüber schreiben. Aber dass ich mich der Presse anbiedere – tut mir leid, das bring ich nicht zusammen. Diese Diplomatie hab ich nicht in mir.

NEWS: Es ist kein großes Geheimnis, dass Sie das Team bis zur Heim-EM 2008 betreuen möchten. Wie stellen Sie sich das vor?
Krankl: Ich hab seit drei Monaten ein fixfertiges Konzept in meiner Tasche, das ich von den Namen her schon zweimal überarbeiten musste. Das werde ich Präsident Stickler zeigen, aber ich werde es ihm nicht geben, damit vielleicht irgendwer anderer mit meinem Konzept arbeiten kann. Ich zeig es ihm, das hab ich versprochen, und dann werde ich es wieder mit nachhause nehmen.

NEWS: Verraten Sie uns Details?
Krankl: Zuerst hab ich alles handschriftlich zu Papier gebracht. Dann in einer modernen Art und Weise aufbereitet, wie man mit der Nationalmannschaft nach dem Polen-Match verfahren soll, wie man sie in den noch ausstehenden Jahren vorbereiten muss, welche Verbesserungsmöglichkeiten es noch gibt. Welche Verbesserungen ich fordere, um noch besser mit der Bundesliga zusammenarbeiten zu können, sprich: welche Trainingslager und Turnierformen man machen kann, weil wir ja kein Bewerbsspiel mehr haben. Wie man die Mannschaft direkt vorbereitet und was man in den Wintermonaten machen soll.

NEWS: Gibt es überhaupt Alternativen zum aktuellen Kader?
Krankl: Sagen Sie mir eine, wenn Sie eine wissen. Vielleicht werden wir dann besser. Ich red mit Journalisten – nur nicht über technische und taktische Dinge, aber über Spieler, bitte schön. Nur glauben Sie mir, alles, was geht, hab ich probiert. Den Stamm, den ich bringe, das ist Österreichs Spielerelite. Das ist sie tatsächlich, da fehlt nicht ein Einziger.

NEWS: Auch wenn Leute immer wieder Ihren Kopf fordern, könnte es nicht auch sein, dass Sie sich vonselbst zurückziehen?
Krankl: Natürlich. Diese Frage halte ich mir offen. Der Präsident hat gesagt, wir reden im November. Das hab ich zu akzeptieren, er ist mein Arbeitgeber, er ist der Präsident. Nur, ich hab auch gesagt, im November ist es vielleicht zu spät. Ja, ich mach den Job sehr gerne, aber nicht um jeden Preis.

31.8.2005 15:54