Freitag, 2. September 2005

Geologen wenig überrascht von Flut- Katastrophe: New Orleans 'schwer zu halten'

  • Mississippi reguliert, Stadt sinkt, Meerespiegel steigt

Aus geologischer Sicht "wenig überraschend" kommt die katastrophale Lage in der US-Stadt New Orleans nach dem Hurrikan "Katrina". Drei Faktoren hätten zu den Überschwemmungen beigetragen: die mangelhafte Ablagerung von Sedimenten im Mississippi-Delta durch die Flussregulierungen, das Absinken des Bodens durch Anzapfen des Grundwassers sowie der steigende Meeresspiegel, erklärten die Geowissenschafter Martin Zuschin vom Institut für Paläontologie der Uni Wien und Mathias Harzhauser, Direktor der Geologisch-Paläontologischen Abteilung im Naturhistorischen Museum. "Auf Grund dieser Faktoren ist es berechenbar, dass New Orleans auf längere Sicht nur schwer zu halten sein wird".

Als Problem Nummer Eins orten die Wissenschafter die Flussregulierung des Mississippi. Dadurch sei das natürliche Gleichgewicht des Flusses gestört. Die Sedimente - also Tone und Sande - lagern sich entlang des Flusslaufes ab, das Delta könne sich nicht mehr weiter aufbauen. Doch ein der Stadt vorgelagertes, intaktes Delta würde einem Hurrikan Wucht und Energie nehmen. Zweites Problem der Südstaaten-Metropole sei das Anzapfen des Grundwassers. Dadurch würde sich der Boden der Stadt im Millimeter- bis Zentimeter-Bereich pro Jahr senken.

Langfristisg schwer zu halten
Gleichzeitig sei New Orleans allerdings auch mit einem steigenden Meeresspiegel konfrontiert. Dabei werde ein langfristiger, seit rund 18.000 Jahren erfolgender Anstieg durch die Auswirkungen der vom Menschen verursachten Klimaerwärmung verstärkt. "All diese Tatsachen weiß man aber schon seit Jahren", betonen die Geowissenschafter, die sicher sind, dass die Stadt aus diesem Grund langfristig nur schwer zu halten sein werde. "Das gilt aber auch für viele andere Küstenstädte, auch in Europa, etwa an der Nordsee, besonders aber in den Niederlanden", sagte Harzhauser.

Erschwerend für New Orleans kommt hinzu, betont Zuschin, dass die Intensität der tropischen Zyklone in den vergangenen 50 Jahren nachweislich zugenommen hat. (apa/red)

2.9.2005 13:18