Nach der Naturkatastrophe "Katrina": USA bekommen Hilfe von Staten aus aller Welt
- Österreichisches Bundesheer bietet Unterstützung an
- Welle der Hilfsbereitschaft im Internet entbrannt
Die verzweifelte Lage vieler Menschen im Katastrophengebiet im Süden der USA hat bei Regierungen weltweit eine Welle von Hilfszusagen ausgelöst. Neben Industriestaaten wie Japan und Australien haben auch Länder wie Sri Lanka und Indonesien, die mit dem Tsunami Anfang des Jahres selbst von einer Naturkatastrophe getroffen wurden, Hilfe angeboten. In Bosnien wollen ein privater Fernsehsender und eine Computerfirma Spenden für Hurrikan-Opfer in den USA sammeln.
UN-Generalsekretär Kofi Annan bot den USA die Hilfe der Vereinten Nationen an. "Die amerikanische Bevölkerung, die immer großzügig auf Katastrophen in anderen Teilen der Welt reagiert hat, ist nun von einem schweren Schlag getroffen worden", sagte Annan. Die japanische Regierung sagte den USA Unterstützung in Höhe von 500.000 Dollar (403.616 Euro) zu, davon 200.000 Dollar (161.447 Euro) für das Rote Kreuz. Zudem würden Zelte, Planen und Stromgeneratoren geliefert, teilte Kabinettsminister Hiroyuki Hosoda am Freitag mit.
Der australische Ministerpräsident John Howard kündigte die Bereitstellung von zehn Millionen australischen Dollar (6,11 Mio. Euro) für das amerikanische Rote Kreuz und die Entsendung von 20 Katastrophenexperten in die USA an. Zwar seien die USA das wohlhabendste und mächtigste Land der Erde, doch handle es sich auch um eine außerordentliche Krise, sagte Howard.
Hilfe vom österreichischen Bundesheer
Das österreichische Bundesheer hat den USA seine Hilfe für das Katastrophengebiet angeboten, wie das Verteidigungsministerium der APA mitteilte. Bis zu zehn Katastrophen- und Rettungsexperten stehen auf Abruf bereit, um in die vom Hurrikan "Katrina" verwüstete Gegend abzureisen. Auch Wasseraufbereitungsanlagen samt Personal würden zur Verfügung gestellt.
Das Hilfsangebot sei auf diplomatischem Wege erfolgt, so das Ministerium. Die USA hätten dies "sehr positiv" aufgenommen, es bisher aber nicht in Anspruch genommen.
EU-Staaten wollen USA mit Öllieferungen helfen
Mehrere EU-Staaten wollen den USA nach der Naturkatastrophe im Süden des Landes Teile ihrer strategischen Ölreserven zur Verfügung stellen. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana sagte am Freitag dem britischen Sender Sky News, die US-Regierung habe mehrere EU-Staaten darum gebeten. Solana äußerte sich am Rande von informellen Beratungen der EU-Außenminister.
Deutschland zapft strategische Ölreserven an
Die deutsche Bundesregierung will im Rahmen einer international koordinierten Aktion die strategischen Ölreserven reduzieren. Man werde einen entsprechenden Antrag der USA bei der Internationalen Energie-Agentur (IEA), Teile der internationalen Reserven in den Markt zu bringen, unterstützen. Das kündigte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Freitag in Berlin an. Er gehe davon aus, dass es weltweit nur Zustimmung geben werde.
Ziel sei, den Druck auf die Preise zu mildern. Schröder appellierte an die Ölkonzerne, diese international abgestimmte Maßnahme zu nutzen, um zu einer Senkung der Preise beizutragen. Es könne nicht sein, dass Reserven in den Markt gebracht werden und an der Preisfront nichts passiere. Es gebe eine große Verantwortung der Konzerne, die diesen Markt bedienen. Sie hätten "nicht nur eine betriebswirtschaftliche Verpflichtung, sondern auch eine humane", sagte der Kanzler.
Voraussetzung für die Reduzierung der Reserven sei, dass es zu einer Störung der Erdölversorgung weltweit gekommen sei. Dies habe nichts mit den jüngsten Forderungen von CDU/CSU zu tun. Wesentliche Teile der Ölförderung in den USA könnten nicht aufrecht erhalten werden. Die Konsequenz der Entscheidung der IEA wäre, dass Nationalstaaten Teile ihrer Notreserven abgestimmt in den Markt geben.
Bei der Freigabe von Erdöl durch die Internationale Energieagentur (IEA) geht es nach Angaben von Schröder um ein Volumen von zwei Millionen Barrel täglich für 30 Tage. Die Entscheidung darüber werde der Verwaltungsrat der IEA treffen. Schröder hatte bereits zuvor angekündigt, Deutschland werde den Antrag der USA unterstützen, der die Belastung der Ölversorgung durch die Folgen des Hurrikans "Katrina" im Golf von Mexiko mildern soll.
Zudem nannte der Kanzler eine "engste Zusammenarbeit" mit Russland auf dem Energiesektor angesichts der explodierenden Preise auf den Energiemärkten alternativlos. "Gerade in der jetzigen Situation erweist sich das als eine dringende Notwendigkeit." Beim Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in der kommenden Woche in Berlin würden die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, dass Energieunternehmen Verträge dafür abschließen könnten.
UN-Büro bietet USA Katastrophenschutzexperten an
Das UNO-Büro für die Koordinierung von Hilfsleistungen (OCHA) hat den USA die Entsendung von Katastrophenschutzexperten in die Hochwassergebiete angeboten. "Wir stehen bereit", sagte OCHA-Sprecherin Elizabeht Byrs am Freitag. Das Büro habe seine Experten weltweit aufgefordert, sich auf einen sofortigen Einsatz vorzubereiten. OCHA verfügt weltweit über mehrere hundert Katastrophenschutzexperten, fünf Teams waren nach dem Tsunami im Winter in Südostasien im Einsatz.
Unterstützung aus ärmeren Ländern
Singapur entsandte drei in Texas stationierte Hubschrauber und 38 Soldaten nach Louisiana. Amerika sei Menschen in Not gegenüber stets großzügig gewesen, schrieb Ministerpräsident Lee Hsien Loong an US-Präsident George W. Bush. In Südostasien sei dies besonders nach dem Tsunami spürbar geworden. Singapur freue sich, diese Hilfe in kleinem Rahmen zurückgeben zu können.
Die srilankische Regierung sagte dem Roten Kreuz 25.000 Dollar (20.181 Euro) für die Hurrikan-Opfer zu. Ferner rief sie Ärzte srilankischer Herkunft in den USA dazu auf, sich für Hilfseinsätze zur Verfügung zu stellen. Indonesien und Thailand erklärten, es werde geprüft, wie am besten praktische Hilfe angeboten werden könne.
Auch Venezuela, dessen Regierung ein gespanntes Verhältnis zu den USA hat, bot humanitäre Hilfe und Treibstoff an. Der Ölkonzern Citgo sagte eine Million Dollar (807.233 Euro) für die Hurrikan-Hilfe zu.
In Bosnien sagte ein Journalist des Fernsehsenders Hayat, die Bosnier vergäßen niemals die Hilfe, die ihnen US-Bürger während des Kriegs 1992 bis 1995 hätten zuteil werden lassen. Er hoffe, dass sie sich nun erkenntlich zeigten. Ein Sprecher der Computerfirma PC KIDS sagte, man habe Kontakt zur US-Botschaft in Sarajevo aufgenommen, damit ein Spendenkonto eröffnet werde. Weitere Hilfsangebote kamen unter anderem aus Deutschland, der Schweiz, Russland, China, Kanada, Mexiko und von der NATO.
Hilfe aus dem WWW
Im Internet ist eine weltumspannende Hilfsaktion für die Opfer des Hurrikans "Katrina" angelaufen. "Die Leute sind raffiniert und überraschen mich damit, wie sie unsere Website nutzen", sagte der Gründer des Forums Craigslist, Craig Newmark. Nachdem eine Vielzahl von Mitwohnmöglichkeiten, Mitfahrgelegenheiten und Hinweisen auf Vermisste eingegangen waren, richtete Craigslist neue Spezialseiten für die Städte Baton Rouge, Pensacola und Mobile ein. So können die Hilfsbereiten ihre Kleiderspenden, Spielzeug und sonstige Angebote aller Art gezielt an die Bedürftigen vermitteln.
Die Suchmaschine Yahoo sorgte dafür, dass die Hilfswilligen möglichst schnell zu den passenden Spezialseiten für die "Katrina"-Hilfen finden. Bis zum Donnerstag gingen fast 100.000 Hilfsangebote ein. Schon an den beiden ersten Tagen der Hurrikan-Katastrophe registrierte das Unternehmen 110 Millionen Nutzer, die sich bei Yahoo News über die aktuellen Entwicklungen informierten. "Alle wollen so schnell wie möglich wissen, was passiert und wie sie helfen können", sagte eine Yahoo-Sprecherin.
Das Rote Kreuz in den USA wickelt 60 Prozent seiner Hurrikan-Hilfe über die Website von Yahoo ab. Microsoft richtete auf der Suchmaschine MSN Search ebenfalls einen Speziallink "Katrina Relief" ein. (apa/red)
Info-Link:
www.craigslist.org
